Zwischen Neckar und Alb

Zoll braucht dringend Verstärkung

Schwarzarbeit 2017 kontrollierten Zöllner im Raum Stuttgart 489 Baufirmen. Dort wurden rund 4,5 Millionen Euro hinterzogen.

Esslingen. Schwarzarbeit im Fokus: Baufirmen im Landkreis Esslingen müssen häufiger mit einem Besuch vom Zoll rechnen. Darauf weist die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) mit Blick auf neue Zahlen des Bundesfinanzministeriums hin. Danach kontrollierten Beamte im Bereich des zuständigen Hauptzollamts Stuttgart im vergangenen Jahr insgesamt 489 Bauunternehmen - das sind rund 85 Prozent mehr als im Vorjahr. Hierbei leiteten die Zöllner 28 Ermittlungsverfahren wegen nicht gezahlter Mindestlöhne ein. Der Schaden wegen hinterzogener Steuern und Sozialabgaben belief sich auf rund 4,5 Millionen Euro.

Die IG BAU Stuttgart nennt die Zahlen „alarmierend“. Der Anteil schwarzer Schafe in der Baubranche sei nach wie vor sehr hoch. „Selbst dabei ist noch von einer erheblichen Dunkelziffer auszugehen. Viele Dumping-Firmen gehen nicht ins Netz des Zolls, weil die Beamten mit den Kontrollen überhaupt nicht hinterherkommen“, sagt IG-BAU-Bezirksvorsitzender Mike Paul.

Angesichts des aktuellen Bau-Booms ist davon auszugehen, dass auch die illegale Beschäftigung stark zugenommen hat. „Zwar ist das Plus bei den Prüfungen zu begrüßen. Doch mit Blick auf das Ausmaß krimineller Machenschaften in der Branche müssen die Behörden auch im Landkreis Esslingen noch viel stärker kontrollieren“, so Paul.

Hierfür benötige der Zoll jedoch deutlich mehr Personal - auch beim Hauptzollamt Stuttgart. „Für eine effektive Ermittlung brauchen wir Manpower“, erklärt Paul. Die IG BAU fordert bundesweit mindestens 10 000 Beamte bei der Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS). Zuletzt waren lediglich gut 6 400 FKS-Planstellen besetzt.

Die Zollbilanz geht aus einer Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Anfrage der Grünen hervor. Um mehr Möglichkeiten im Kampf gegen Schwarzarbeit zu haben, schlägt die IG BAU Schwerpunktstaatsanwaltschaften in allen Bundesländern vor. Auch die Gewerkschaften könnten an den Kontrollen beteiligt werden. „Die Schweiz hat damit gute Erfahrungen gemacht“, sagt Paul. Nach dem „Genfer Modell“ machen dort Gewerkschaften und Arbeitgeber gemeinsame Kontrollen auf Baustellen.Text und Foto: pm

Anzeige