Zwischen Neckar und Alb

Zu Hause bei Äffle und Pferdle

Comic-Zeichner Alexander Linke aus Aichtal-Neuenhaus lässt die beliebtesten Tierfiguren der Schwaben lebendig werden – auch auf Sprudelflaschen. Von Tanja Bürgermeister

Alexander Linke bei der Arbeit an einem neuen Comic mit Äffle und Pferdle.Foto: Tanja Bürgermeister
Alexander Linke bei der Arbeit an einem neuen Comic mit Äffle und Pferdle.Foto: Tanja Bürgermeister

Egal ob Jung oder Alt, die Schwaben lieben ihre tierischen Botschafter, die immer einen kessen Spruch auf Lager haben: Äffle und Pferdle. Doch wie kommen die beiden aufs Papier? Auf diese Frage weiß Alexander Linke eine Antwort. Er ist einer der Zeichner der Kultfiguren. Schon als Kind hat er gemalt und Skizzen angefertigt, bis er seine Leidenschaft zum Beruf machte. Er absolvierte eine Lehre als Werbe- und Medienvorlagenhersteller. Damals wurde noch viel von Hand illustriert. „Das gibt es so eigentlich nicht mehr“, bedauert Linke und erzählt, wie sein Weg zu den Lieblingen der Schwaben führte. Der Zufall spielte dabei eine große Rolle.

Anzeige

Chance als Storyboard-Zeichner

Produziert wurden die „Äffle und Pferdle“-Werbespots, die früher im Werbefernsehen im Südwesten liefen, von Armin Lang senior. Als er 1996 verstarb, übernahm dessen Sohn Roman das Studio. Als das Filmstudio einen Zeichner für die Storyboards suchte, kam Alexander Linkes Chance. Mit der Werbekampagne eines Mineralwasserproduzenten ging es für den gebürtigen Bad Cannstatter 2008 dann richtig los.

Neben neuen Clips zeichnet er vor allem auch für Merchandising-Produkte, auf denen die zwei schwäbischen Comicfiguren zu sehen sind. Wie viel Aufwand und Zeit hinter solchen Zeichnungen stecken, lässt sich nur erahnen. Zehn Stunden und mehr sitzt Linke an einer Szene. Zuerst malt er Skizzen auf Papier. Dann scannt er sie ein, fährt die Linien mit dem digitalen Zeichenstift nach und fügt Farbe hinzu. Doch Linke tritt auch bei Live-Events auf, zeichnet dort seine Figuren in gerade einmal drei Minuten. Das Zeichnen hilft ihm, mit dem Lampenfieber fertig zu werden, unter dem er bei Live-Auftritten immer leidet. Doch, wenn er Stift und Block in der Hand hält und die Schwabenstars aufs Papier bringt, vergisst er die Welt um sich.

Mittlerweile arbeitet Linke für die Firma Wager Kommunikation, deren Inhaber Wulf Wager aus Altenriet ist. Wager pflegt selbst das Brauchtum, den Volkstanz, die schwäbische Mundart. Wager und Alexander Linke arbeiten auf vielen Ebenen zusammen, beispielsweise auch im Silberburg-Verlag.

Und wenn nicht gerade bestimmte Aufträge für die Agentur anstehen, kann Linke seine Ideen auch selbst einbringen. Entwickelt er eigene Szenen, arbeitet er meistens lokale Besonderheiten aus Aichtal mit ein, wie die Larve der Klingenbachgeister oder den Kirchturm in Neuenhaus, der vor zwei Jahren im Schwäbischen Kalender miterschienen ist.

Lesen kann man die Schwaben-Comics später übrigens nicht nur auf Sprudelflaschen, sondern unter anderem in „Mein Ländle“ - einer Zeitschrift, die Baden-Württemberg und seine Traditionen im Fokus hat. Auch hier gibt es in jeder Ausgabe immer eine extra Seite übers Äffle und Pferdle.

Auch viele weitere Figuren entstammen aus Linkes Feder. Beispielsweise eine Skizze zur Crowd­funding-Kampagne des Kinofilms „Laible und Frisch“, eine Karikatur des leidenschaftlichen Sportlers Wigald Boning bei seiner Bodenseequerung, das „Rennschnegg­le“ von Extremläuferin Steffi Saul. Die Zeichnung wurde übrigens nach Steffi Sauls Remstal-Höhenweg-Lauf - einem 250-Kilometer-Lauf, als Spende für die Kinderkrebsstation des Olgäle - versteigert. Ganz besonders verbunden fühlt sich Alexander Linke mit der Mundartband „Muggabatschr“, die beliebte schwäbische Songs von Wolle Kriwanek, Schwoißfuaß oder Hank Häberle jr. covert. Für die Band hat er das Maskottchen „Müggle“ entworfen und in Szene gesetzt.

Linkes Leidenschaft für die schwäbischen Comic-Stars macht auch vor seiner Freizeit nicht Halt, überall in der Wohnung sind „Äffle und Pferdle“ zu finden, auf T-Shirts, Tassen und einfach als Figuren in der Wohnung verteilt. Trotzdem hat der Neuenhäuser noch eine weitere Leidenschaft. Er züchtet Geckos und ist begeisterter Aquarianer. Für ihn ein willkommener Gegenpol und ein schöner Ausgleich zum Alltag.