Zwischen Neckar und Alb

„Zu jeder Skulptur gibt es einen Ortsbezug“

Kunst „Wach Winter Schlaf“: Die Bildhauerin Monika Majer stellt im Schauraum des Kulturvereins Provisorium aus.

Monika Majer präsentiert ihre neue Ausstellung im Schauraum.
Monika Majer präsentiert ihre neue Ausstellung im Schauraum.

Nürtingen. Schneeweiße Wände, ein hoher Raum mit hallender Akustik und darin Gussobjekte in zarten Grautönen, dunkle Aschebilder, stille Maskengesichter - das ist die Ausstellung, die Bildhauerin Monika Majer im Schauraum des Nürtinger Kulturvereins Provisorium präsentiert. Die wenigen Besucher bewegten sich bei der Vernissage beinahe wie in Zeitlupe durch den Raum. Sie betrachteten die großformatigen Bilder aus zerriebener Asche, beugten sich über die kugeligen, klobigen Formgüsse aus Zement, Stein und Sand, die auf weißen Sockeln thronen.

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An den Wänden hängen steingesprenkelte Gesichter, die sich beinahe in der weißen Farbe der Wände auflösen, aber hohe Präsenz ausstrahlen, als müssten sie von höherer Warte aus den Raum beherrschen, die Ausstellung bewachen.

Mit ihren ernsten Mienen und den geschlossenen Augen scheinen die Wandgesichter zu schlafen und sie erinnern ein wenig an Totenmasken. Dennoch wirken sie wach. Das passt, denn Monika Majer gab ihrer neuesten Exposition den Titel „Wach Winter Schlaf“. Geschickt platzierte die Künstlerin aus Hepsisau ihre Objekte so, dass sie den kahlen Raum ausfüllen. Es sei ein Wandelraum, der sich beim stillen Durchwandeln verändere, erklärte Monika Majer.

Auf ausgedehnten Spaziergängen mit ihrem Hund sammelt Monika Majer die Materialien für ihre Kunstobjekte. „Ich habe immer Kacktüten für meinen Hund und eine leere Flasche dabei“, verriet sie lachend. In die Tüte packt sie Sand und Steine, die Flasche wird mit Wasser aus Quellen, Bächen, Pfützen gefüllt. Oft arbeite sie mit Regenwasser, habe aber auch schon Schnee mitgenommen und ihre Skulpturen mit Schmelzwasser hergestellt, so Majer. In ihrem Atelier entscheide sich, welche Form entstehen solle, sagte die Bildhauerin und erklärte den Gästen, wie der Brei aus Zement, Wasser, Sand und Steinen in eine Negativform gegossen wird.

„Innerlich bin ich stets in Kontakt mit der Fundstelle“, verrät sie, „zu jeder Skulptur, zu jedem Gesicht gibt es einen Ortsbezug.“ Egal, wo sie unterwegs ist, Monika Majer geht mit wachen Augen durch eine Landschaft und lässt sich von der Umgebung inspirieren. „Die Fundstücke müssen etwas mit mir zu tun haben, es ergibt sich eine Resonanz zu meinem Leben.“ Beim Gang durch die Welt erlebt die Bildhauerin unterschiedliche Empfindungen, die sie in ihre Werke einarbeitet und den Gefühlen plastischen Ausdruck verleiht. Gerlinde Ehehalt

Info Die Ausstellung „Wach Winter Schlaf“ im Schauraum des Kulturvereins Provisorium, Heiligkreuzstraße 4, ist bis zum 12. Dezember zu sehen und dienstags und donnerstags von 21 bis 23 Uhr sowie nach Vereinbarung geöffnet.