Zwischen Neckar und Alb

Zu warm, zu trüb und extrem nass

Eine explosive Mischung: Der Juni hat nicht nur viel Regen, sondern auch viel Unruhe gebracht

Nicht gerade von seiner sommerlich-freundlichen Seite hat sich der Juni präsentiert: mit unwetterartigen Gewittern und diversen Kapriolen.

Dank der Wetterkapriolen im Juni wurde diese Gerätehütte zum Haus am See. Foto: Dieter Ruoff
Dank der Wetterkapriolen im Juni wurde diese Gerätehütte zum Haus am See. Foto: Dieter Ruoff

Kreis Esslingen. Zwar hat der Juni mehr Wärme mit in die Region gebracht als durchschnittlich üblich um diese Jahreszeit, aber mit wenig Sonne und extrem viel Regen hat er auch für einige Unruhe gesorgt. Manch einer kann ein Lied davon singen: Mit seinen heftigen Gewittern und massiven Regenfällen hat sich der vergangene Monat bei vielen nicht gerade beliebt gemacht – vor allem nicht bei denjenigen, deren Keller vollliefen, die im Matsch feststeckten oder die unter den Folgen von Blitzschlägen zu leiden hatten.

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Aber nicht nur aus subjektiver Sicht war der vergangene Monat viel zu nass. Auch für Meteorologen war das Wetter ein Ausnahmephänomen. So sprechen die Fachleute vom Deutschen Wetterdienst in Stuttgart von einem „neuen absoluten Juni-Rekordwert“. Denn insgesamt fielen 181 Liter Niederschlag pro Quadratmeter – der bisherige Rekord lag bei 170,8 Litern pro Quadratmeter im Jahr 1953. Auch mehrere Tagesrekorde wurden verzeichnet: Am 4. Juni fielen 14,9 Liter pro Quadratmeter, der Höchstwert an einem 4. Juni lag bislang bei 13,4 Litern, das war im Jahr 1961. Mit 28,6 Litern pro Quadratmeter wurde der bisherige Rekord für einen 8. Juni – 22,7 Liter im Jahr 1970 – geknackt und mit 29 Litern pro Quadratmeter der neue Höchstwert an einem 14. Juni erreicht, der bis dato bei 23,5 Litern im Jahr 1987 lag.

Aber auch im Hinblick auf Temperatur und Sonnenstunden fiel der Juni in diesem Jahr aus dem Raster. So war es mit einer mittleren Temperatur von 17,8 Grad Celsius im Durchschnitt um 1,4 Grad zu warm. Allerdings wurde hier keine neue Höchstmarke erreicht: Nach wie vor gilt der Juni 2003 als bislang wärmster. Damals wurde ein Mittelwert von 22,4 Grad Celsius gemessen, am kältesten war der Juni im Jahr 1956 mit 13,9 Grad als Durchschnittstemperatur.

Der wärmste Tag im vergangenen Monat war der 23. Juni mit 33,3 Grad. Aber auch das ist kein neuer Spitzenwert: Der absolute Juni-Rekord wurde mit 36 Grad am 18. Juni 2002 gemessen. Insgesamt gab es dieses Jahr fünf Sommertage mit einer Temperatur von 25 Grad Celsius oder mehr im Juni, an zweien davon wurden sogar 30 Grad oder mehr erreicht. Die tiefste Temperatur wurde von den Meteorologen mit 10,1 Grad in den frühen Morgenstunden des 10. Juni gemessen. Mit 167,8 Sonnenstunden war der Juni um einiges zu trüb: Das entspricht nur knapp 80 Prozent der durchschnittlichen Zahl an Sonnenstunden. Viel Sonne am Stück gab es allerdings vom 22. bis zum 24. Juni unter dem Einfluss von Hoch Wolfgang, an dessen Westflanke außerdem heiße Saharaluft einströmte. Der sonnigste Tag im vergangenen Monat war der 23. Juni mit 15,1 Sonnenstunden.

Insgesamt lässt sich der Juni als turbulent bezeichnen. Los ging es bis zum 11. Juni mit schwülwarmer Luft, die unter überwiegendem Tiefdruckeinfluss über Mitteleuropa für reichlich Regen sorgte. Teilweise kamen enorme Mengen innerhalb kurzer Zeit herunter – nicht zuletzt deshalb wurden am 4. und 8. Juni neue Tagesrekorde registriert. Bei vorübergehend schwachem Hochdruckwetter gab es am 6. und 7. Juni aber auch die ersten zwei Sommertage des Monats.

Vom 12. Juni an wurde es dann kühler, aber es gab dank eines weiteren Tiefdruckeinflusses weiterhin kräftige Schauer und Gewitter – mit einem erneuten Niederschlagsrekord am 14. Juni. Erst zwischen dem 20. und dem 25. Juni wurde es wieder sommerlich warm und teilweise sogar heiß sowie schwül. Der Grund dafür war Hoch Wolfgang, das von Südwesten und Süden zunehmend schwüle und heiße Luft nach Baden-Württemberg lenkte. Allerdings beendeten die Tiefs Lea und Neele, die von England zur Ostsee zogen, diese sommerliche Periode mit erneuten kräftigen Schauern und teils unwetterartigen Gewittern. Mit einem mäßig warmen Klima vom 26. bis zum 30. Juni verabschiedete sich dieser Unruhemonat dann: Vom Ostatlantik in Richtung Ostsee ziehende Tiefs brachten mäßig warme Meeresluft und immer wieder Schauer in den Südwesten Deutschlands.