Zwischen Neckar und Alb

Zukunft der CAP-Märkte ist ungewiss

Handel Die Neuhausener Gemeinderäte müssen über einen Zuschuss für den CAP-Markt entscheiden. Auch weitere Märkte sind betroffen. Von Elisabeth Maier

Auch Ötlingens Cap-Markt steht auf der Kippe.Foto: Jean-Luc Jacques
Auch Ötlingens Cap-Markt steht auf der Kippe.Foto: Jean-Luc Jacques

Fast 300 Unterschriften haben Seniorinnen für den Erhalt des CAP-Markts in Neuhausen gesammelt. „Wir sind auf diese Einkaufsmöglichkeit in der Ortsmitte dringend angewiesen“, sagt eine Rentnerin. Mit ihrem Rollator fällt es ihr schwer, längere Strecken zu Fuß zurückzulegen. Einen Bürgerbus gibt es in der Gemeinde nicht. Am heutigen Dienstag entscheidet der Gemeinderat Neuhausen in seiner Sitzung ab 18 Uhr über einen Investitionskostenzuschuss für den CAP-Markt in Neuhausen.

300 000 Euro müsste die Gemeinde einmalig zahlen, um die Investitionen zur Hälfte mitzutragen, die das vom Reha-Verein Denkendorf getragene Projekt tätigen muss, um sich zum Inklusionsbetrieb weiterzuentwickeln. In dem Markt, den die Filderwerkstatt betreibt, arbeiten Menschen mit psychischen Erkrankungen. Sie finden eine Aufgabe, werden weitergebildet und vor Langzeitarbeitslosigkeit bewahrt. Die Entscheidung in Neuhausen ist kreisweit von Bedeutung. Falls die Gemeinderäte die Finanzspritze ablehnen, ließe sich das Zukunftskonzept auch in den CAP-Märkten in Ötlingen, Stetten und Notzingen nicht umsetzen.

Dabei schließt das Geschäfts- und Inklusionsmodell gerade in kleineren Orten Lücken, die von Lebensmittelketten abgehängt werden. Nach dem Aus für den Discounter Treff 3000 in Köngen und Denkendorf ist auch dort die Nahversorgung gefährdet - Edeka gibt diese Linie ganz auf. „Wir hatten von Edeka die Zusage bekommen, dass noch einige Monate geöffnet sei“, schildert Denkendorfs Bürgermeister Ralf Barth die schwierige Lage. Dass der Discounter nun bereits zum 6. Juli schließt, hat auch ihn kalt erwischt. Bei einer Betriebsversammlung wurden die 120 Mitarbeiter aus 19 Filialen von Edeka über das frühe Ende informiert.

Nahversorgung sichern

Denkendorfs Verwaltungschef Barth ist, wie sein Kollege Ruppaner in Köngen, bereits seit Monaten auf der Suche nach einem neuen Betreiber. „Wir wollten im Sinne der Kundschaft einen nahtlosen Übergang schaffen“, stellt der Bürgermeister klar, der mit Nachdruck um wohnortnahe Versorgung kämpft. Er hofft nun, dass die Lebensmittelkette Edeka zumindest das Mietverhältnis zügig beendet, um einem Neuanfang Platz zu schaffen. Barth bestätigt, dass ein CAP-Markt für Denkendorf eine gute Alternative sein könnte. „Wir sind da in Gesprächen. Ob es geht, hängt von vielen Faktoren ab.“ Der Treff 3000 in der Berkheimer Straße sei „ein beliebter und umsatzstarker Verbrauchermarkt, der jungen und älteren Kunden den wohnortnahen Einkauf ermöglicht.“

In Neuhausen klappt die Nahversorgung mit dem CAP-Markt gut. Seit 2002 läuft das Geschäft erfolgreich und bietet viele lokale Produkte an. Nun stehen die CAP-Märkte im Kreis Esslingen auf der Kippe, weil sich die Investitionen ohne die Hilfe der Kommunen nicht schultern lassen. Die Märkte sollen nicht mehr vom Reha-Verein betrieben werden, sondern von einer gemeinnützigen GmbH. Als „Inklusionsbetrieb“ können die Märkte Fördergelder abrufen, etwa über die Aktion Mensch. Mit einem neuen Kassen- und Warenwirtschaftssystem soll der Betrieb wirtschaftlicher werden. Im Gegenzug für die Förderung bekommen die Kommunen eine zehnjährige Betriebsverpflichtung.

In Ötlingen ist die Zukunft des CAP-Marktes ungewiss, da der Gemeinderat Kirchheim bereits gegen den Zuschuss gestimmt hat. Die Stadträte in Leinfelden-Echterdingen unterstützen hingegen den Markt in Stetten. Die Kundinnen aus Neuhausen wollen weiter kämpfen. „Wenn man im Alter nicht mehr so mobil ist, sind solche gut erreichbaren Geschäfte wichtig.“ Außerdem bringe der Laden „Leben in den Ort“.

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