Zwischen Neckar und Alb

Zwei Berufe in einem Rutsch

Ausbildung Ab 2020 wird es für die Altenpflege und Krankenpflege nur noch einen Ausbildungsgang geben. In Nürtingen bereiten die Medius-Klinik und die Fritz-Ruoff-Schule deshalb den Pflege-Campus vor. Von Roland Kurz

Zu einer Ausbildung in einem Pflegeberuf gehören diverse Aufgabenfelder.Foto: Roberto Bulgrin
Zu einer Ausbildung in einem Pflegeberuf gehören diverse Aufgabenfelder. Foto: Roberto Bulgrin

Ab nächstes Jahr wird die Ausbildung in der Krankenpflege und in der Altenpflege zu einem Ausbildungsgang vereint. Die Lehreinrichtungen im Kreis Esslingen begrüßen diese Reform, denn die Medius-Kliniken und die Fritz-Ruoff-Schule Nürtingen kooperieren bereits seit zehn Jahren. Jetzt bereiten sie einen gemeinsamen Bildungscampus für Pflegeberufe vor.

Befürchtungen, dass Schüler durch die erweiterten Curricula überfordert werden oder der Personalmangel in der Altenpflege dadurch steigen könnte, teilt die Schulleitung nicht. Die Frage sei vielmehr: Wie kommt man an die jungen Leute ran? Klassenlehrerin Simone Singer-Lang steht am Whiteboard und erläuterte den 17 Auszubildenden die Funktionsweise der Luftröhre. Zwölf Schülerinnen und fünf Schüler, zwischen 20 und etwa 40 Jahre alt, schauen auf ihr Tablet, wo die Luftröhre ebenfalls abgebildet ist. An der Fritz-Ruoff-Schule ist man stolz darauf, eine von zwei Modellklassen im Land zu haben, die mit Tablets Medienkompetenz vermitteln.

Zeitgemäße Unterrichtsmethoden hält man für ein Mittel, die Pflegeberufe attraktiv zu machen. Die Nürtinger Schule betont, dass seit zehn Jahren mit dem benachbarten Krankenhaus kooperiert wird. So wurde die Reform ein Stück weit vorweggenommen. Nach der dreijährigen Ausbildung in der Alten- beziehungsweise der Krankenpflege konnten die Auszubildenden noch ein halbes Jahr in der anderen Fachrichtung anschließen. Die Nachfrage hat laut Schulleiterin Silvia Blankenhorn allerdings nachgelassen. Das liege am zusätzlichen halben Jahr, glaubt Blankenhorn. Ab September 2020 wird die generalistische Ausbildung zur Pflegefachfrau und zum Pflegefachmann bundesweit eingeführt. „Das werden dann echte Generalisten, weil von Anfang an so unterrichtet wird“, sagt Yvonne Thoma, die Abteilungsleiterin Pflege an der Ruoff-Schule. Der Lehrplan ist noch nicht fertig. Fest steht jedoch, dass im dritten Ausbildungsjahr eine Differenzierung stattfindet.

Wie viele sich in Richtung Klinik und wie viele in die Altenpflege wollen, können Schul- und Klinikleitung nicht einschätzen. Vermutlich wollen mehr ins Krankenhaus, weil man dort mehr verdient, glaubt Peter Näser, der bei den Medius-Kliniken für die Zusammenführung der Ausbildung zuständig ist. Kritiker hatten als Argument gegen das neue Gesetz ins Feld geführt, dass dadurch der Mangel in der Altenpflege verschärft werde. Dass Auszubildende durch zusätzliche Lehrinhalte überfordert werden könnten, befürchtet Thoma nicht. Schwächere Schüler könnten schließlich nach zwei Jahren entscheiden, ob sie „nur“ den Abschluss Altenpflege machen wollen.

Schulleiterin Blankenhorn denkt an ein Netzwerk, mit dem einzelne Schüler gestützt werden: „Wir wollen keinen verlieren.“ Zuerst müssen sie aber Schüler gewinnen. Der demografische Wandel erfordert mehr Pflegepersonal. Das fängt bei der Ausbildung zur Alltagsbetreuerin an, die man sogar ohne Schulabschluss beginnen kann. Es interessieren sich aber immer weniger dafür, weil der monatliche Lohn bei nur rund 600 Euro liegt. Eine Stufe höher einzuordnen sind die Ausbildungsgänge zur Altenpflegehilfe. Ein weiteres Plus: Personen mit Migrationshintergrund können dazu parallel Deutsch lernen.

Campus soll auch Männer locken

Dass die Helfer-Ausbildung nicht in jedem Fall den Aufenthaltsstatus verbessert, findet Yvonne Thoma frustrierend. Die Helfer seien nach wie vor nötig, betont Näser. Für manche Menschen sei der Beruf attraktiv, weil er die Nähe zum Patienten biete. Außerdem könne es der Einstieg zur weiteren Qualifizierung sein. Mit dem Hinweis auf Qualifizierungs- und Aufstiegsmöglichkeiten wollen Schulleitung und Klinik auch mehr Männer in den Pflegebereich locken. Theoretisch können Pflegefachkräfte den Fachhochschulabschluss und über ein Fernstudium den Bachelor „Health Care Studies“ machen, ja sogar einen Masterabschluss draufsatteln.

Nähere Informationen gibt es am Donnerstag, 10. Januar, beim Info-Abend in der Nürtinger Fritz-Ruoff-Schule. Ab 18 Uhr geht es um die Schularten, ab 19 Uhr werden die einzelnen Pflegeberufe vorgestellt.

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