Zwischen Neckar und Alb

Zwei mal drei macht vier

Bildung Das kleine Einmaleins der Lehrerstellen ist kompliziert: Schafft das Land neue Stellen, kürzt es etwa oder beides gleichzeitig? Die Gewerkschaft GEW hat nachgerechnet – und ist nicht amüsiert. Von Peter Dietrich

„Wir lassen uns nicht verschaukeln!“: Der Kreisverband der GEW protestiert gegen gekürzte Lehrerstellen. Foto: Peter Dietrich
„Wir lassen uns nicht verschaukeln!“: Der Kreisverband der GEW protestiert gegen gekürzte Lehrerstellen. Foto: Peter Dietrich

Für ihren Protest hatten die GEW-Aktiven nach ihrer Personalversammlung in Wernau eine Schaukel aufgestellt – ein passendes Symbol für das Hin und Her bei den Lehrerstellen. Das Land hat die ursprünglich geplanten Streichungen erheblich zurückgenommen. Dennoch fallen im kommenden Jahr 633 plus 441 Stellen weg. Letztere stammen aus der von der grün-roten Landesregierung verschlechterten Altersermäßigung für Lehrer. Die dadurch freien Stellen habe Kultusminister Andreas Stoch damals nicht abgeliefert, sagte die Landesvorsitzende der GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) Doro Moritz. Doch jetzt würden sie gekürzt.

633 und 441, das ergibt zusammen 1 074 Stellen, die 2017 gestrichen werden. Der Grund dafür liegt in veralteten Schülerzahlen. Es gebe eine neue Prognose des Statistischen Landesamtes, nach der die Anzahl weniger sinkt und in den Grundschulen schon ansteigt. Doch diese werde ignoriert. Für Moritz passt das nicht zu ­Kretschmanns Zusage, auf Sicht zu fahren und jährlich zu entscheiden.

Dem Abbau stehen neue Lehrerstellen gegenüber, jedoch deutlich weniger: 257,5 Stellen für die Realschulen, jeweils 160 für die Grundschulen und die Inklusion, 100 für die Ganztagsbetreuung und 60 für Informatik. „Das Einzige, was Kultusministerin Eisenmann beim Kompromiss erreicht hat, sind zusätzliche neun Millionen Euro. Das ist Flickschusterei“, sagt Moritz.

Und noch etwas ärgert sie maßlos: Im Geheimpapier zum Koalitionsvertrag war für 2017 der Einstieg in den Ethikunterricht in Klasse 7 geplant. „Davon ist jetzt keine Rede mehr.“ Wie wichtig dieser ­Ethikunterricht auch in der Grundschule wäre, erzählt eine Lehrerin aus Esslingen: „In meiner Klasse sind 90 Prozent der Kinder keine Christen.“

Wer Unterricht verbessern will, müsse erst dafür sorgen, dass er stattfinde, sagt Moritz. Über alle Schularten verteilt gab es im Jahr 2013 eine Abwesenheit von sechs Prozent. Pro Jahr gibt es im Land etwa 5 000 Fälle von Mutterschutz und Elternzeit und etwa 1 500 langfristig Kranke. Hinzu kommen kurzfristige Krankheiten und Fortbildungen. Demgegenüber stehen landesweit nur 1 666 feste Vertretungslehrkräfte. Der Rest soll mit befristeten Verträgen aufgefüllt werden.

Doch weil diese Lehrkräfte sich während des Schuljahrs anderweitig umsehen und oft nicht zu finden sind, müssen oft Pensionäre und Teilzeitkräfte an ihren freien Tagen ran. „Die Kolleginnen in der Grundschule arbeiten am Limit“, sagt GEW-Kreisvorstand Sigrid Altherr-König. GEW-Kreisvorstand Sabine Penzinger offenbart, wie so manche Vertretungsstunde aussieht: Da steht die Tür zum Nachbarzimmer offen, die Lehrerin hat zwei Klassen gleichzeitig, oder Schüler werden auf andere Klassen verteilt.

Hickhack ums Lehrergehalt

Stufen Ob Lehrer in der niedrigeren Gehaltsgruppe A12 oder A13 sind, macht für sie brutto einen Unterschied von 400 bis 500 Euro. Frühere Hauptschullehrer landen beispielsweise nur in der Gruppe A12, auch wenn sie längst an einer anderen Schule unterrichtet.

Gleichheit Die GEW fordert, dass für gleiche Aufgaben gleiches Geld gezahlt werden muss. So will die GEW herbeiführen, dass Grundschullehrern ein Gehalt nach A13 gezahlt wird. Die Arbeit mit kleinen Kindern sei nicht weniger wert, sagt Landesvorsitzende Doro Moritz.

Aufstieg Die Qualifizierung und Beförderung von Lehrern geht der GEW viel zu langsam und birgt zu viele Hürden: Die aktuelle Regelung gelte nicht für alle Lehrer. Außerdem habe das Land nur die Qualifizierung versprochen. Für Beförderungen fehle oft das Geld. pd

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