Zwischen Neckar und Alb

Zweifel an der Bonuslösung

Pandemie Der CDU-Abgeordnete und Gesundheitsexperte Michael Hennrich stellt sich dem Frust der Krankenhausbeschäftigten.

Kirchheim. Dass sich viele Pflegemitarbeiter nach den vergangenen Monaten einen Bonus verdient hätten, das steht außer Frage. Mit ihrem „Pflegebonus“ hat die Politik in Berlin allerdings beim Krankenhauspersonal für Frust gesorgt. Denn tatsächlich erhalten ihn lediglich die Beschäftigten in der Altenpflege. Der Nürtinger CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Hennrich unterhielt sich darüber mit Mitarbeitern der Medius-Kliniken und mit Geschäftsführer Thomas Kräh.

Michael Hennrich gehört dem Ausschuss für Gesundheit in Berlin an. Es war nicht das erste Gespräch, das er mit den Praktikern vor Ort geführt hat, aber vermutlich eines der weniger angenehmen. Denn die Verwirrung um den Bonus hat die Krankenhaus-Pflegekräfte getroffen. „Meine Kollegen haben das nie so verstanden, dass die Geschichte noch irgendeinen Haken hat“, sagte Ellen Balz, die in der Notaufnahme der Medius- Kliniken arbeitet. Auch Mathias Geister, Leiter der Intensivstation in Nürtingen und Vorsitzender des örtlichen Betriebsrats, bestätigt: Die Mitarbeiter seien „massiv enttäuscht“. Dabei gehe es nicht in erster Linie ums Geld, sondern um die Anerkennung, ergänzte der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, Ralph Heidorn.

Pflege: ein ungenauer Begriff

Dass die Zuwendungen für Pflegekräfte lediglich in die Altenpflege fließen sollen, rechtfertigte Hennrich mit zwei Argumenten: Zum einen sei dieser Bereich schlechter bezahlt als die Arbeit in Krankenhäusern. Zum anderen habe man hier während der Corona-Beschränkungen durchgängig gleiche Arbeitsbedingungen gehabt. In den Kliniken sei hingegen teils wegen der Zurückstellung von Operationen sogar Kurzarbeit angemeldet worden. Aber was heißt überhaupt Pflege? Wenn man in Berlin davon rede, meine man die Altenpflege, erklärte Hennrich, „das andere ist der Krankenhausbereich“. Womit die Politiker vom Sprachgebrauch in der Bevölkerung und offenbar auch in den Krankenhäusern ziemlich weit weg sind. Abgesehen davon, stellte Geschäftsführer Kräh fest, seien auch Berufsgruppen außerhalb der Pflege enorm belastet gewesen, zum Beispiel Mitarbeiter, die infektiöse Bereiche reinigen.

Immer wieder klangen Zweifel an, ob eine pauschale Bonuslösung überhaupt gerecht sein kann. Zumal mittlerweile einige Bundesländer den Bonus erhöhen oder ausweiten. Bayern beispielsweise bezieht auch Krankenhäuser, Rettungsdienste und Behinderteneinrichtungen ein, andere stocken den Betrag um 500 Euro auf. In Baden-Württemberg ist momentan weder das eine noch das andere vorgesehen.

Das Modell, das ganz am Anfang der Überlegungen stand, war Hennrich zufolge ohnehin ein anderes: Ähnlich wie in Frankreich habe man lediglich Boni, die vom Arbeitgeber gezahlt werden, steuerfrei stellen wollen. Was in der Runde ebenfalls auf Skepsis stieß: In so einer Situation „dem Arbeitgeber in die Tasche zu greifen“, das sei fragwürdig, fand Heidorn. Notwendig sei, die Rahmenbedingungen generell attraktiver zu gestalten.Karin Ait Atmane

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