Karlsruhe. Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt – diese Erfahrung blieb dem VfL-Team am zweiten von drei Wettkampftagen in der Deutschen Turnliga nicht erspart. Trotz schwieriger Ausgangsposition wollten die Turnerinnen noch einen Relegationsplatz ergattern. Hierfür taten sie alles und bissen auf die Zähne. Hanna Grosch und Pia Pohl bereiteten sich auf einen Vierkampf vor. Dorothee Henzler packte doch nochmals die Turnsachen aus, und Sita Fuchs bereitete sich intensiv auf den Einsatz am Stufenbarren und Schwebebalken vor.
Nach zweieinhalb Jahren Wettkampfpause am Boden übernahm Hanna Grosch mit einer neuen Choreografie die Aufgabe der Startturnerin für das VfL-Team. 10,65 Punkte waren eine beruhigende Grundlage. Souverän folgte Pia Pohl mit ihrem Vortrag, brachte alle Akrobatik in den Stand, doch nur sie hörte das Knacken im Knie bei der Doppelschraube in der Abschlussbahn und humpelte schmerzerfüllt von der Bodenfläche. Das Kampfgericht vergab 10,55 Punkte, doch diese schienen für den Moment unerheblich, denn Pia Pohl drohte das Wettkampf-Aus. Nach dem Zögern der 13-jährigen Lory Fröchtling vor der Bodenübung übernahm Dorothee Henzler diesen Part in gewohnt anmutiger Weise und steuerte 11,95 Punkte zum Geräteergebnis bei. Weitere 10,65 Punkte gab es für Lea Voith bei ihrem zweiten Ligaeinsatz. Damit lagen die VfL-Mädchen nach dem ersten Durchgang 2,35 Punkte vor dem Tabellensiebten, dem SB Heidenheim.
Trainerin Michaela Pohl stand nun unter Zugzwang, denn die Verletzung von Tochter Pia, die auf einen Kreuzbandriss hindeutete, ließ keinen Tsukahara-Spung mehr zu. Um jedoch noch am personell schwach besetzten Stufenbarren für den VfL an den Start gehen zu dürfen, war eine Auswechslung noch nicht möglich. So sprang die 18-Jährige trotz Verletzung einen Überschlag und sicherte noch 10,40 Punkte. Zuvor brachte Dorothee Henzler mit genauso viel Kämpfergeist ihren Überschlag-Salto (12,55) in den Stand. Joanna Preuss musste einen Punkt Abzug für den Landungsfehler beim gehockten Tsukahara (10,45) in Kauf nehmen. Den Sprungdurchgang beende Hanna Grosch mit 11,7 Zählern. Pech für die VfL-Turnerinnen, die die Heidenheimerinnen nun bedingt durch den niedrigeren Ausgangswert von Pia Pohl vorbeiziehen lassen mussten. Ein Wimpernschlag von 0,25 Punkten trennte die Teams.
Lediglich 6,8 Punkte legte Lory Fröchtling am Stufenbarren nach einem Sturz für das VfL-Team vor. Noch einmal griff Pia Pohl in den Wettkampf ein. Ihre 8,10 Punkte und die beiden 10,45 Punkte von Hanna Grosch und Sita Fuchs brachten doch noch das siebtbeste Geräteergebnis in diesem Zweitligawettkampf. Und noch immer war der VfL nicht weit vom Relegationsplatz entfernt.
Noch während ihre Mannschaftskolleginnen am Stufenbarren antraten, bereitete sich Dorothee Henzler auf den unerwarteten Auftritt anstelle von Pia Pohl am Schwebebalken vor. Gelerntes konnte die 20-Jährige bestens abrufen und wurde mit 12,30 Punkten belohnt. Ebenfalls ohne Unterbrechung brachte Joanna Preuss ihre Übung durch. Die Punktesammler vom Stufenbarren, Hanna Grosch und Sita Fuchs, konnten dies am Balken nicht wiederholen. Dennoch fuhr der VfL hier das drittbeste Geräteergebnis ein und steigerte sich vom letzten Wettkampf um 7,25 auf 167,00 Punkte.
Den angestrebten Platz sieben verpassten die VfL-Turnerinnen um 3,10 Punkte und haben sich als designierter Absteiger zwischenzeitlich damit abgefunden, in der nächsten Saison nicht mehr in der zweiten Liga und damit im Kreis der 16 besten Turnteams Deutschlands mitzumischen.mp
