Freitagmorgen, 6.30 Uhr. Es ist dunkel, es ist kalt, und obendrein regnet es, als Falk Meyer und seine Mitstreiter vom TV Bissingen den Startschuss zum ersten Alb-Packa geben. Das Langdistanz-Rad-Abenteuer auf der Schwäbischen Alb wollten sich knapp 100 Ausdauerverrückte nicht entgehen lassen. „Es waren dann doch nicht alle pünktlich am Start. Zwei haben Verwandtschaft in Ochsenwang. Die haben dort erst noch gefrühstückt, und sind dann gemütlich um 9 auf die Strecke“, berichtet der Organisator lachend.
Durchgezogen haben sie es trotzdem, genauso wie der Sieger Martin Herrig aus Owen. Er hatte gar nicht erst viel mitgenommen. Entweder durchfahren oder sich abholen lassen, lautete die Devise des Ultra-Neulings. Der Plan ging auf. In lediglich 21 Stunden finishte er das Abenteuer nach 487,1 Kilometern. Der Zweite Roy Ebelt kam nach 23.46 Minuten ebenso noch in der Nacht auf Samstag an. Dritter wurde der Kirchheimer Schwimmer Louis-Victor Schäfer, der bei seinem Zieleinlauf nach 25.49 Stunden schon den Sonnenaufgang sah.
So war bei Hardys Hütte eigentlich immer was los. „Wir haben nachts in Schichten Wache gehalten, weil ständig jemand ankam und einen Stempel für den nächsten Zacken bekommen hat“, berichtet Falk Meyer. Er und sein Orga-Team haben dabei ebenso viel Lob bekommen wir die Bissinger Bevölkerung. Bei der Rauberhütte hatten sich einige freiwillig zusammengefunden und dort am Lagerfeuer heiße Kartoffeln verteilt. Helen Rendich und Julia Semesch, die bei der Siegerehrung den Preis für die Plattfußköniginnen bekommen hatten – gleich sechs Mal war die Luft aus dem Reifen – fanden in Bissingen sogar spontan ein Schlafplätzchen. „Die beiden hatten auf Google am Samstagabend den Gasthof Adler entdeckt. Aber leider gibt es den ja gar nicht mehr. Als sie sich bei einer Bissingerin erkundigen wollten, wo der nächste Gasthof ist, hat sie ihnen einfach ihr Dachzelt auf dem Auto zur Verfügung gestellt. So konnten die beiden das Rennen noch finishen“, freute sich Falk Meyer mit den zwei Frauen, die nach 60 Stunden das Ziel erreichten.
Zweite Auflage schon terminiert
Viel Lob gab es von den Teilnehmenden auch für die Landschaft, die unterwegs für Kurzweil sorgte. Vincent Krull, ausgewiesener Ultraläufer und im vergangenen Jahr Zweiter beim Teck-Triathlon, schwärmte geradezu. „Ich habe meine Heimat neu entdeckt. Und meine eigenen Grenzen verschoben.“ Auch Jens Bokelmann, Zahnarzt aus Kirchheim, war begeistert. „In der Vorbereitung habe ich so viele neue Orte erkundet, die ich trotz der Nähe wahrscheinlich nie kennengelernt hätte.“ Auch den Support fand er toll. „Es war schön, auch mitten in der Nacht, komplett durchnässt und durchgefroren, so herzlich in Empfang genommen zu werden.“ Claus Siegert aus Hamburg genoss vor allem die Ruhe unterwegs. „Ich bin stundenlang zum Teil keinem einzigen Menschen begegnet. Für mich als Städter gibt mir das die Ruhe, die ich sonst selten bis gar nicht finde.“

Dass 34 Frauen und Männer, und damit rund ein Drittel, das Ziel nicht erreicht haben, ist laut Falk Meyer bei solch einem Event normal. „Das ist eine übliche Quote. Es kam halt auch noch der Regen dazu. Und im Wental hatte es zum Teil nur drei Grad“, erklärt der Organisator. Wer es bei der Premiere nicht geschafft hat, bekommt auf jeden Fall eine neue Chance, denn aufgrund der positiven Resonanz ist schon jetzt klar, dass es eine zweite Auflage geben soll. Auch der Termin steht bereits fest: Vom 1. bis 3. Mai 2027 ist wieder Alb-Packa-Zeit.
Alb-Packa in Zahlen
Bei der Premiere gingen 97 Männer und Frauen an den Start – 59 solo und 19 im Zweier-Team 34 Teilnehmende haben das Rennen abgebrochen, was einer Quote von 33 Prozent entspricht. Gründe waren Selbstüberschätzung, Gelenkschmerzen, Regen, Kälte, mentale Faktoren, aber kein Sturz oder Defekt.
In Summe wurden 41.209 Kilometer gefahren. Pro Tag haben die Teilnehmenden im Schnitt 294,36 Kilometer zurückgelegt mit 16,94 km/h.

