Die Mountainbike-Saison 2011 steht für Manuel Fumic bereits im Zeichen Olympias
Alle Wege führen nach London

Endlich der erste Weltcup-Sieg, eine gute WM und 2012 eine olympische Medaille in London. Drei Ziele, und keines klingt bescheiden. Selbstbewusst war Manuel Fumic schon immer. Jetzt ist er auch reifer geworden. Die Hoffnung, dass sich dies­ in Resultaten niederschlägt, ist eine Woche vor dem Weltcup-Auftakt größer denn je.

Kirchheim. Das Päckchen Zucker neben der Espresso-Tasse bleibt unberührt. Das Gesicht wirkt schmaler als sonst. Gut zwei Kilo hatte er zum gleichen Zeitpunkt vor einem Jahr noch mehr auf den Rippen. Daraus spricht Entschlossenheit. Er könnte in seiner Sportart Geschichte schreiben, das weiß er. Gerade das macht die Sache so interessant. Der erste Weltcup-Sieg eines Deutschen seit Mike Kluges Coup vor 18 Jahren war vergangene Saison greifbar nah. Am selben Ort wie damals – im belgischen Houffalize – wurde Manuel Fumic Zweiter. 57 Sekunden fehlten zum spanischen Weltmeister José Antonio Hermida.

Näher dran am großen Ziel war er in seiner bisherigen Karriere als Mountainbiker nie. Danach kam der Absturz. Nicht zum ersten Mal nach einem Saisonauftakt, der Hoffnung schürte. Die erste Saison bei Cannondale setzte 2010 Kräfte frei. Doch, wer zu viel will, steht am Ende häufig mit leeren Händen da. Fumic ist lernfähig. „Ich habe im Training häufig überzockt und die Quittung dafür bekommen“, sagt er heute. „Manchmal muss man an Grenzen gehen, um aus Fehlern zu lernen.“

Diesmal hat er vieles anders gemacht. Gezielter und auch dosierter trainiert und vor allem eine breitere Basis gelegt. Während sich sein italienischer Teamkollege Marco Fontana auf winterlichen Cross-Strecken hartes Brot verdiente, hat Manuel Fumic sieben Wochen lang einsame Grundlagenkilometer auf südafrikanischem Asphalt gesammelt. Nach seinem Sieg in der italienischen Nationalserie im März in Sirmione hat er festgestellt: „Ich bin auf dem richtigen Weg.“ Was das bedeutet, wird sich in den kommenden Wochen zeigen müssen. Dann geht es Schlag auf Schlag. Nach dem Bundesliga-Start morgen in Münsingen geht schon am Montag der Flug nach Südafrika, wo am Wochenende darauf der Weltcup-Auftakt in Pietermaritzburg stattfindet. Die knapp eine Million Einwohner große Stadt im Hinterland der Ostküste ist erstmals Austragungsort eines Weltcup-Rennens. Spätestens danach liegen die Karten offen auf dem Tisch.

Manuel Fumic ist guter Dinge, so wie immer. Er ist nicht der Typ, der lange grübelt, egal wie die Fakten liegen. Die Dominanz der Schweiz als führende Nation im Weltcup ist gewaltig, um Seriensieger wie den Tschechen Jaroslav Kulhavy oder Olympiasieger Julien Absalon zu schlagen, das weiß er, braucht es einen Tag, an dem alles passt. „Es ist schwer, aber es ist machbar“, glaubt Manuel Fumic. Und es wäre Gold wert, in einer Saison, die keine gewöhnliche ist. 2012 steht Olympia vor der Tür, schon jetzt geht es um wichtige Punkte fürs Nationen-Ranking. Den dritten Startplatz in London, der dem BDR als derzeit Fünftplatziertem zusteht, gilt es bis zur Nominierung im Frühsommer nächsten Jahres über die Ziellinie zu bringen. Die Kandidaten sind die selben wie vier Jahre zuvor in Peking: Der Deutsche Meister Moritz Milatz (Freiburg) und der Pfälzer Altmeister Wolfram Kur­schat, der allenfalls noch von Jochen Käss verdrängt werden könnte, der sich vergangene Saison mit starken Leistungen zurück gemeldet hat. Für alle heißt es 2011, den Grundstein legen für die Olympia-Norm. Einmal Platz acht oder zweimal unter die bes­ten 15 bei internationalen Rennen wie Weltcup, EM oder WM, das dürfte die Maßgabe sein, auch wenn die Norm noch nicht offiziell bestätigt ist.

Fumic bietet sich in London zum dritten Mal die Chance auf eine olympische Medaille – vielleicht die letzte in seiner Karriere. Er hätte dann alle Erfahrung, die ein Champion braucht und wäre mit 30 Jahren im besten Alter. Keine Frage, die Spiele in der britischen Metropole könnten zum Höhepunkt seiner sportlichen Karriere werden. Darauf allein liegt sein Fokus. Schon heute, mehr als 15 Monate vor dem Ernstfall auf der Insel, gibt es eigentlich kein Zurück mehr. Die Fangemeinde, die auf Facebook dem Termin entgegen fiebert, wächst von Tag zu Tag. „Olympische Spiele in Europa sind eben etwas ganz Besonderes“, freut sich Manuel Fumic.

London im Kopf – Münsingen vor der Brust: Auf der Alb geht Manuel Fumic morgen um 14 Uhr als Lokalmatador an den Start, auch wenn der Anfahrtsweg inzwischen etwas länger geworden ist. Seit Oktober letzten Jahres bewohnt er mit seiner Lebensgefährtin eine 95 Quadratmeter-Dachgeschosswohnung in der Stuttgarter City. Gewonnen hat er in Münsingen noch nie. Leicht wird es auch morgen nicht. Mit dem Spanier José Antonio Hermida und dem Schweizer Ralph Näf stehen zwei internationale Topleute am Start. Harte Konkurrenz kommt mit den beiden Cannondale-Teamkollegen Marco Fontana und Martin Gujan auch aus den eigenen Reihen. Ein echter Härtetest also, ohne Pardon, denn „so etwas wie eine Stallorder“, sagt Manuel Fumic, „gibt es im Mountainbike nicht.“