Lokalsport
Alles wurscht?

Sport und gesunde Ernährung gehören zusammen wie der Appel und das Ei. Wirklich? Wer in Hallen und Stadien Kohldampf schiebt, erlebt sein fettes Wunder.

Kirchheim. Toleranz kann man üben. Auch die gegenüber tierischen Fettattacken, Zucker-Breitseiten und Cholesterinbombenhagel. Wer sich für Sport interessiert, sollte sich früh wappnen und rechtzeitig vor Saisonbeginn ein Trainingslager buchen. Eine Grund-Immunisierung gegen alles, was dem Ernährungsberater die Galle rebellieren lässt, gilt als sinnvolle Prophylaxe vor jedem kulinarischen Streifzug durch die Sportstätten der Republik.

Wer hat‘s nicht schon erlebt? Samstagabends beim Handball in der Halle, sonntagnachmittags auf dem Fußballplatz, im Stadion oder auch neben der Tartanbahn. Plötzlich knurrt der Magen, man hält verzweifelt Ausschau nach versonnen mümmelnden Artgenossen und erspäht erleichtert den Verkaufsstand an der Ecke. Nichts wie hin, das Portemonnaie gezückt und unterwegs schon mal sachte in sich hineingelauscht: Wonach steht uns denn der Sinn? Die Frage kann man knicken, denn der Klassiker unter den Sportplatz-Menüs lauert immer und überall: die Weißmehl-Semmel, fingerdick mit Butter beschmiert und Schinkenwurst belegt – gerne auch als „LKW“ oder Rote mit Senf. Dazu wahlweise eine Cola oder wer‘s gesund mag: ein Bier.

Leidlich sportkompatibel kommen selbst die Futtertröge der großen Arenen daher. Auch im Sindelfinger Glaspalast, wo die stramme Leichtathletik-Jugend samt Begleittross gerne ganze Sonntage verstreichen lässt, stellt sich früher oder später ein hartnäckiges Hungergefühl ein. Der gemeine Wurstweck ist selbstverständlich auch hier zuhaus‘, doch in der Mercedesstadt gibt man sich gerne weltoffen europäisch: In diesem Fall empfohlen sei die Pizza vom Typ Napoli. Die ist salamifreie Zone und daher nicht schon bauartbedingt im Ölbad gelagert. Zum Kaffee noch schnell ein saftiges Plundergebäck – mit dicker Zuckerglasur, dafür garantiert ballaststoff­frei – und der Kalorienrekord vom vergangenen Sonntag ist lässig geknackt.

Die Stadionwurst auf dem Wasen hat es immerhin zu dem gebracht, was man heute gerne „Kult-Status“ nennt. Dort, wo sich Rot-Weiß (Ketchup mit Mayo?) ächzend gegen die zweite Liga stemmt, erkennt man den wahren Fan daran, wo er sich die Schweinspelle einverleibt. Nicht in der neuerdings todschicken Event-Gastronomie am Nordrand des Stadions, sondern – nach Urväter Sitte – tief im Süden: am schmucklosen Kiosk des Polizeisportvereins. Nur die Rote mit Bier macht aus dem Gang ins Oval eine runde Sache. Heute schon gesund ernährt? Sch . . . drauf!