Porsche-Rennfahrer Wolf Henzler vor seiner achten US-Saison – An hundert Tagen von der Familie getrennt
Amerika – auf ein Neues

4, 4, 3, 1, 3, 20, 5 – nicht die neuesten Pegelstände vom Bodensee, sondern (Vorzeige-)Platzierungen in Übersee. Seit der Berufsrennfahrer Wolf Henzler 2005 in die American Le Mans Series (ALMS) einstieg, landete er, mit der Ausnahme 2010, im GT-Klassement stets auf einem Vorderplatz. 2012 soll‘s nicht anders sein: Der ­Zizishausener, prominente(ste)s Mitglied des Motorsportclubs Kirchheim, geht in den USA in seine achte Rennsaison.

Nürtingen. Amerika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten: 311 Millionen Einwohner können zwischen sieben verschiedenen Zeitzonen und sechs Klimazonen wählen, und eine vergleichsweise winzige Schar professioneller Sportwagenfahrer zwischen Abertausenden von Rennstrecken und Hunderten von renommierten Rennveranstaltungen pro Kalenderjahr. Der Motorsport hat hohen Stellenwert im Land des restriktiv überwachten Tempolimits, und bis zu 160 000 Besucher pilgern schon mal zu den crashgefährdeten Spektakeln, die sich ­Nascar-Rennen nennen und in Übersee die Formel 1 ersetzen. Irgendwie scheint auch Wolf Henzler das Reise- und Racerland USA magisch anzuziehen. Ein achtes ALMS-Jahr anzuhängen, „um in der GT-Wertung wieder einmal unter die ersten drei zu kommen“, ist sein erklärter Wille. „Die ALMS kenne ich inzwischen wie meine Westentasche, und dort liegen auch meine Stärken“, sagt selbstbewusst der Porsche-Werkspilot, dem für ein neuerliches US-Engagement noch der offizielle Zuschlag seines Arbeitgebers fehlt. Der allerdings gilt als Formsache.

Umso mehr, als Henzler die ersten Saisonvorbereitungen auf US-Terrain Anfang Januar bereits bestritt: In Florida testete er vier Tage lang den 460 PS und vier Liter starken neuen Porsche 911 GT3 RSR, mit dem er und drei weitere Fahrer für den Rennstall TRG Motorsport beim 50. 24-Stunden-Rennen von Daytona (28./29. Januar) an den Start gehen werden. Mit dem neuen Boliden („er ist breiter und hat Lufteinlässe vor den Hinterrädern wie beim 911 Turbo“) will Henzler in der GT-Klasse gegen starke Konkurrenz von Ferrari und BMW ganz nach vorne fahren – so wie es bereits 2011 geklappt hat. Als Titelverteidiger wird Henzler diesmal der Gejagte sein, bekommt aber viele Fans: Rund um den „Daytona International Speedway“ finden über 160 000 Zuschauer Platz – ein Teil davon wird auch dem kalifornischen Rennstall mit seinem „german guy“ die Daumen drücken.

Was, wenn das Saisonopening unfallfrei und womöglich mit dem erhofften Erfolgserlebnis überstanden ist? Dann wird der 36-Jährige, in dessen sportlicher Vita neben dem ALMS-Sieg 2008 auch ein Le Mans-Klassenerfolg und der erste Platz beim Porsche-Supercup (2004) als Karriere-Highlights stehen, erneut fürs Falken Motorsport-Team aufs Gaspedal drücken – im dritten Jahr in Folge. Auch diesbezüglich ist noch nichts amtlich, doch der Reifenhersteller mit Sitz in Japan ist sich sicher: Henzler und Bryan Sellers fahren auch 2012 auf den Falken-Reifen ab. Die Homepage verdeutlicht, wie fortgeschritten die Sache schon ist.

Amerika – es ist Henzlers Arbeitsplatz geworden. Rund hundert Tage im Jahr verbringt er alljährlich in den Vereinigten Staaten, und die zahlreichen Rennwochenenden mit Fahrerengagements in Serien wie der ALMS, Grand-Am Sports Car Series oder 24-Stunden-Rennen schlucken den Großteil seiner US-Zeit. Für fünf bis sechs Tage ist er dann jeweils von Ehefrau und Tochter getrennt und lebt mehr als 8 000 Kilometer entfernt in einem jener Hotelzimmer, die sein Rennstall in aller Regel für ihn hat reservieren lassen – vorzugsweise nahe der Rennstrecke. „150 Hotels kenne ich inzwischen bestimmt in den USA“, sagt er.

An sein Nomadenleben hat er sich gewöhnt. Und daran, dass ihn Porsches Rennsportabteilung manchmal zu GT-Rennen in Europa delegiert, falls ein werksunterstütztes Porsche-Team irgendwo gerade einen Fahrer braucht. Dann packt Henzler („ich habe unter den Werksfahrern den Vorteil, dass ich relativ nahe am Flughafen Stuttgart wohne“) flugs seine Siebensachen zusammen und fliegt nach Portugal, Italien oder Frankreich. Oder er fährt auf den Nürburgring zum legendären 24-Stunden-Rennen, das er seit Jahren für unterschiedliche Rennställe bestreitet – und noch nie gewonnen hat. „Dieser Sieg fehlt mir noch“, sagt Henzler. Vielleicht wird‘s ja was 2012.

Auf alle Fälle: Sein Rennsport-Terminkalender wird wieder proppenvoll.