Saisonstart für Mountainbiker Christian Pfäffle und Luca Schwarzbauer in Buchs
Anschwitzen auf schwizerdütsch

Christian Pfäffle und Luca Schwarzbauer vom MTB Teck starten am Sonntag im schweizerischen Buchs in die Cross-Country-Saison. Die zwei Nationalmannschafts-Mountainbiker sind optimistisch, zumal sich bei beiden vieles zum Positiven ­verändert hat.

Kirchheim. Seit Christian Pfäffle Ende August in Pietermaritzburg die U23-WM auf Rang sieben beendete, hat sich viel getan. Danach ist er in sein neues Leben als Sportsoldat eingetaucht, hat inzwischen die Grundausbildung bei der Bundeswehr hinter sich gebracht. Damit könnte der 20-Jährige nun unter profiähnlichen Bedingungen trainieren, nachdem er jahrelang durch Ausbildung und Beruf als Industriemechaniker eingeschränkt war.

Doch bodenständig und fleißig wie man den Neuffener kennt, hat er im Herbst begonnen die Fachhochschulreife nachzuholen. Am Berufskolleg in Bad Cannstatt, einer Partner-Schule des Sports, drückt er vier Mal die Woche die Schulbank, unter anderem mit A-Juniorenkickern des VfB Stuttgart und der Deutschen Hochsprung-Meisterin Marie-Laurence Jungfleisch. „Man weiß ja nie was kommt. Ich kann mich nicht drauf verlassen, dass ich mal als Profi mein Geld verdiene“, erklärt Pfäffle. Da das Fach-Abi von zwei auf drei Jahre gestreckt ist, bleibt trotzdem mehr Zeit fürs Training – mit Erfolg. „Ich habe jetzt mehr Zeit für die Regeneration, die Werte bei der Leistungsdiagnostik waren Anfang Februar schon wie letztes Jahr im April.“

Die erste Nagelprobe der Saison findet am 13. April im südafrikanischen Pietermaritzburg statt. Die Reise zum U23-Weltcup muss Christian Pfäffle weitgehend selbst finanzieren. Weder die Nationalmannschaft noch sein Team haben das Rennen im Programm, hauptsächlich aus Kostengründen.

Pfäffles Schwarzwälder Lexware Mountainbike-Team hat mit Rothaus seinen zweiten Hauptsponsor verloren. Die Staatsbrauerei zog sich im Herbst so spät und so überraschend zurück, dass Teamchef Daniel Berhe kaum mehr Zeit blieb Ersatz zu finden. Immerhin kann die Saison trotzdem weitgehend finanziert werden, abgesehen von Langstreckenflügen, weshalb auch der Weltcup in Australien flach fällt. „Da anknüpfen, wo ich letztes Jahr aufgehört habe und im U23-Weltcup konstant in die Top-Ten fahren“, gibt Pfäffle als Ziele einer Saison aus, deren Höhepunkt die WM im September in Norwegen sein wird.

Die Europameisterschaft in St. Wendel ist schwer als Höhepunkt einzuplanen, denn in den beiden Wochen zuvor stehen die Weltcups in Nove Mesto und der Heim-Weltcup in Albstadt auf dem Programm. „Das muss man sehen, ob ich das verkrafte“, sagt Pfäffle. Sein U23-Meistertrikot zu verteidigen wird schwer, denn sein Gegner in Bad Säckingen wird mit U23-Vizeweltmeister Julian Schelb ein hochkarätiger Gegner (und Freund) sein, der inzwischen bei Multivan-Merida unter Profi-Bedingungen trainiert.

Ein Meistertrikot, das schwebt auch Vereins- und Teamkamerad Luca Schwarzbauer bei den Junioren vor. Nachdem der Reuderner 2013 bereits Dritter und sowohl der Silber- als auch der Gold-Rang von jahrgangsälteren Fahrern besetzt war, liegt dies durchaus im Bereich des Möglichen. Das 17-jährige Kraftpaket hofft, aus dem vergangenen Jahr gelernt zu haben, wo hauptsächlich die unmittelbare Wettkampfvorbereitung in den Tagen vor einem Rennen der neuralgische Punkt war. Beim letzten Saisonrennen, dem Junioren-Weltcup in Hafjell, scheinen er und sein Trainer Toni Uecker das richtige Rezept gefunden zu haben. „Luca ist sehr selbstkritisch und lernbereit“, lobt Uecker. Was den Formaufbau über den Winter angeht, scheint Schwarzbauer auch einen Leistungssprung vollzogen zu haben. „Ich habe versucht, das Maximale aus der Zeit herauszuholen, die mir zur Verfügung stand“, sagt der Elftklässler, der erst in der 13. Klasse Abitur schreiben wird. „Ich fühle mich gut in Form und die Leistungsdiagnostik hat das bestätigt. Aber letztlich zählen die Rennen“, weiß er. Und da heißt es schon am ersten April-Wochenende in Nals (Südtirol) aufs Gaspedal drücken. Denn dort findet das erste Rennen der europäischen Junior Serie statt und in diesen Wettkämpfen gibt es Weltranglistenpunkte, die für die Startaufstellung bei und für die Nominierung zur WM wichtig sind.

Das erste Saisonrennen am Sonntag in Buchs ist für Christian Pfäffle und Luca Schwarzbauer erst einmal als Aufbau-Wettkampf gedacht, bei dem das Resultat zweitrangig ist. Für Christian Pfäffle bleibt nach dem Rennen im Kanton St. Gallen, wo schwizerdütsch gesprochen wird, nur noch ein Eliminator-Sprint beim Mountainbike-Festival in der Schley­er-Halle am übernächsten Sonntag, bevor bereits der Weltcup-Auftakt in Südafrika auf dem Programm steht. Schwarzbauer muss noch eine Woche früher ran.

Ein Weilheimer ist ebenfalls auf der Meldeliste für den BMC Racing Cup in Buchs zu finden. U17-Fahrer Pirmin Sigel vom Bike-Junior-Team bestreitet sein erstes Rennen in dieser Kategorie. Er ist in Buchs bereits am Samstag am Start.