Stockholm/Oberkirch. Kurzentschlossen und erfolgreich: Mission Titelverteidigung – aussichtslos, hieß es noch am Freitag für Baden-Württembergs Sprintkönigin Anja Wackershauser (VfB Stuttgart). Nach einer hartnäckigen Mandelentzündung mit anschließender Antibiotika-Kur schien der dreifachen Titelträgerin aus Kirchheim am Wochenende nur die Zuschauerrolle zu bleiben. Dann entschied sie sich am Samstagabend doch zum Start und war in 24,46 Sekunden erneut Schnellste über 200 Meter, vor ihrer Vereinskameradin Anke Hummel (24,88) und Larissa Kaufmann von der LG Karlsruhe. Bei schwierigen Verhältnissen mit Schauern, böigem Wind und kühlen Temperaturen in Oberkirch verbesserte Wackershauser ihre Vorlaufzeit im Finale um fast drei Zehntel. „Ich bin voll zufrieden“, zeigte sie sich hinterher überglücklich. „Ich habe fast drei Wochen nicht richtig trainiert. Damit hätte ich nicht gerechnet.“
Auf einen Start über 100 Meter hatte sie zugunsten ihrer Paradestrecke verzichtet. Ihr Titel dort ging an die Mannheimerin Anne Möllinger (11,63). Wackershausers Staffelkollegin Franziska Dobler belegte in 12,08 Sekunden Platz drei. Gründlich schief ging gestern Nachmittag dann die geplante Titelverteidigung mit der 4x100-m-Staffel des VfB Stuttgart. Klar in Führung liegend verloren Anke Hummel und Daniela Hohnheiser, die für die verletzte Ann-Kathrin Fischer eingesprungen war, das Aluminium beim letzten Wechsel. Hohnheiser musste zurück und kam in 52,99 Sekunden als Sechste ins Ziel.
Zur erwarteten Titelsammlerin wurde Corucle-Schützling Sabrina Häfele (LG Filder). Die A-Jugendliche, die in Neuhausen/Filder lebt und in Kirchheim trainiert, ging als klare Favoritin über 200 und 400 Meter ins Rennen und dominierte beide Strecken deutlich. Über sich hinaus wuchs gestern auch der Weilheimer Ricko Meckes (LG Teck), der mit dem Titel im Speerwerfen der Jugend A mit 66,25 Meter seine eigene Saison-Bestmarke um fast drei Meter nach oben schraubte und damit die Konkurrenz weit hinter sich ließ. Sein Vereinskollege Steffen Reichel verpasste mit der Vorlaufzeit von 16,55 Sekunden im Hürdensprint der Männer als Dritter den Sprung ins Finale.
Für eine Überraschung sorgte die 4x100-m-B-Jugend-Staffel des VfB Stuttgart mit den VfL-Athleten Tobias Corucle und Victor Bayer, die als Jüngste im Feld sich Bronze erkämpften. Nützliche Erfahrungen bei den Älteren zu sammeln, hieß es auch für zwei weitere B-Jugendliche des VfL Kirchheim: Hannah Niemeyer verbesserte dabei ihre bisherige Bestzeit über 1 500 Meter um fünf Sekunden und verpasste als Fünfte in 4.55,88 Minuten nur knapp die Norm für die deutschen Meisterschaften. Mit Pech hatte ihre Trainingskollegin Stefanie Godel im Weitsprung zu kämpfen: Nach zwei ungültigen Versuchen blieb sie mit 5,12 Meter deutlich unter ihren Möglichkeiten und wurde am Ende Zwölfte. Ebenfalls zwei Fehlversuche leistete sich VfL-Weitspringerin Daniela Hohnheiser bei den Frauen. Sie landete mit 5,19 Metern auf Platz elf.
Stark in der Staffel, solo eher enttäuschend, hieß es am Samstag für Tobias Unger bei der Team-EM in Stockholm, die für die DLV-Auswahl gestern mit Silber zu Ende ging. Nach 10,47 Sekunden und Platz acht über 100 Meter lief der Kirchheimer im Dress der LG Stadtwerke München kurz darauf mit der 4x100-m-Staffel auf Platz drei hinter Großbritannien und Frankreich. Das deutsche Quartett mit Startläufer Alex Schaf, Marius Broening, Tobias Unger und Aleixo Platini büßte nach fehlerfreien Wechseln auf den letzten 50 Metern an Zeit ein, nachdem sich der Leverkusener Platini mit einer Muskelverletzung ins Ziel kämpfen musste. Die deutsche Marke blieb mit 38,92 Sekunden dennoch zufriedenstellend.
