Hamm. Am Abend der DTL-Relegationswettkämpfe in der Westpressarena in Hamm, lagen Freud und Leid ganz nah beieinander. Sowohl die Erstligisten SSV Ulm und TuG Leipzig/Halle sowie die bisherigen Zweitligisten KTV Dortmund und TV Eppelborn drohte der Abstieg. Die TSG Steglitz und der Heidenheimer SB waren die Herausforderer für die erste Liga, der VfL und der TV Herkenrath für die zweite Liga.
Im Erstligakampf schaffte der SSV Ulm (194,25 Punkte) mit Platz eins klare Verhältnisse. Die TSG Steglitz (186,05) feierte den Erstligaaufstieg.
Lange liebäugelte auch das VfL-Team nach den ersten zwei Gerätedurchgängen mit Platz zwei. Denn trotz des Sturzes von Tamea Friedl, gleich zu Beginn des Wettkampfes, verhalfen Bodenübungen von Lea Voith und die begeisternden Vorträge von Lisa Kiedaisch und Dorothee Henzler zu aussichtsreichen 45,65 Punkten. Auch am Sprung erwiesen sich die Kirchheimerinnen als zweitbestes Team der Zweitliga-Anwärter. Joanna Preuss (11,90), Nele Bauerfeld (11,95) und Lory Fröchtling gelangen tolle Tsukahara-Sprünge und gekrönt wurde dieser Durchgang vom Überschlag-Salto-Sprung von Dorothee Henzler mit 13,30 Punkten. Zu diesem Zeitpunkt zeigte die Anzeigentafel den VfL Kirchheim auf Rang zwei. Wohl wissend, dass Eppelborn und Dortmund nach Schwebebalken und Boden naturgemäß noch nicht so viele Punkte sammeln konnten.
Weniger rund lief es am Barren für VfL-Nesthäkchen Tamea Friedl. Nach einem Zwischenschwung in ihrem Barrenprogramm konnte die Zwölfjährige auch den hohen gebückten Doppelsalto nicht stehen. Nur 9,25 Punkte waren das Resultat. Lory Fröchtling (8,05) bremste überschüssigen Schwung nach der Riesenfelge zwar gekonnt ab, doch blieb auch dies nicht ungeahndet. Deutlich aufgestockt hat Dorothee Henzler nach dem letzten Bundesliga-Wettkampf ihr Barrenprogramm: mit einer Riesenfelge mit Drehung und dem gebückten Doppelsalto-Abgang fuhr die 21-Jährige 10,95 Punkte ein. Nele Bauerfeld steuerte noch 9,05 Punkte zum Mannschaftsergebnis von 37,40 Punkten bei.
Vor dem abschließenden Balkenturnen rangierten die VfL-Frauen auf dem vierten Platz. Das war noch kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Der TV Herkenrath lag uneinholbar in Führung, doch auch Dortmund stand noch der Stufenbarren bevor und mit vier gestandenen Balkenübungen wäre noch alles möglich gewesen. Zwischenzeitlich marschierte das VfL-Team am TV Eppelborn vorbei. Am Balken musste Kirchheim vorlegen. Diese Bürde lag auf den Schultern der erst 13-jährigen Lea Voith. Ihre zwei Absteiger und 8,55 Punkte machten es den folgenden Turnerinnen jedoch nicht leicht. Trotzdem gelangen Joanna Preuss (10,40) und Nele Bauerfeld (11,65) sichere Vorträge.
Top-Turnerin Dorothee Henzler hatte dann ausgerechnet mit der Akrobatikverbindung aus Flick-Flack und Spreizsalto so große Probleme, dass auch sie einmal neben dem Schwebebalken stand. „Den Spreizsalto stehe ich im Training immer“, ärgerte sie sich.
Mit großer Unterstützung aus dem Publikum sammelten die Dortmunder nach einem optimalen Barrendurchgang 40,35 Punkte. Damit besiegelten sie ihren Verbleib in der zweiten und den Verbleib des VfL Kirchheim in der dritten Bundesliga.
Der TV Herkenrath geht nach dem ungefährdeten Sieg in Hamm im nächsten Jahr in der zweiten Liga an den Start. Dabei ist die deutsche Turnszene gespannt, wie die Herkenrather das Team bestücken werden, wenn sie sich zwischen den beiden für Usbekistan startenden Vorzeigeturnerinnen Oksana Chusovitina und Dilnosa Abdusalimova entscheiden müssen. Die beiden Leistungsträgerinnen erwiesen sich erwartungsgemäß auch als beste Einzelturnerinnen in der Hammer Westpress-Arena. Doch zur Freude und Belohnung nach einer tollen Saison wurden Dorothee Henzler und Janine Woeste punktgleich (49,05) mit dem dritten Platz geehrt.mp