FISU World University Games – so sperrig der Name klingt, so hochkarätig ist die Veranstaltung. Eine von 305 Athletinnen und Athleten, die der Allgemeine Deutsche Hochschulsportverband für die Olympischen Spiele der Studierenden nominiert hat, ist Nele Rüping. Die langjährige Bundesligaturnerin des VfL Kirchheim ist Teil des fünfköpfigen Frauenteams, das Deutschland bei den Spielen vertritt, die offiziell am Mittwoch begonnen haben. Die gebürtige Lenningerin fiebert dem Event, das an fünf Orten im Ruhrgebiet sowie in Berlin stattfindet, seit Wochen entgegen. „Ich hatte ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, international zu turnen“, verrät die 21-Jährige, die im sechsten Semester molekulare Biotechnologie in München studiert.
Die Turnwettbewerbe steigen ab 22. Juli in der Essener Messehalle, die knapp 2000 Zuschauer fasst – für Nele Rüping kein Problem, hatte sie doch bei ihrem bisherigen Karriere-Highlight vor mehr als doppelt so vielen Menschen geturnt: Vergangenes Jahr war sie erstmals für die Deutschen Meisterschaften qualifiziert. In der Frankfurter Süwag-Arena hatte sie das Finale im Sprung als Siebtplatzierte nur knapp verpasst, im Mehrkampf war sie 23. geworden. „Mein Ziel ist, mich nochmal für eine DM zu qualifizieren, weil es in Frankfurt nicht ganz so gut lief.“
Rückschläge als Motivation – eine große Stärke von Nele Rüping, die bereits mehrere Comebacks meisterte. Doch selbst Bänder- und Kapselrisse, Knochenmarködeme oder Rückenprobleme konnten sie bislang nicht stoppen. „Ich bin sehr ehrgeizig“, betont sie lächelnd, „ich will mir beweisen, dass ich es noch kann und auch besser kann.“
Der Aufwand dafür ist enorm: Fünf bis sechs Trainingseinheiten pro Woche sind die Regel. Dazu kommt seit drei Jahren das anspruchsvolle Studium. „Es nicht immer einfach, alles unter einen Hut zu bringen, aber solange beides Spaß macht, geht es.“ Immerhin: Nachdem sie ihre Bachelorarbeit vor drei Wochen abgeben hat, bleibt außer für Training auch mehr Zeit für Anderes. „Mit Freunden in den Englischen Garten oder nach Hause zur Familie“, antwortet Nele Rüping, die mit dem Turnen beim TSV Oberlenningen begonnen hat, auf die Frage nach entspannenden Ritualen.
Ernst wird es für sie und die vier Teamkolleginnen am 24. Juli, wenn in Essen das Teamfinale stattfindet, bei dem Rüping am Boden und Sprung eingeplant ist. Was das deutsche Team gegen die Konkurrenz, die wie China oder Japan bei den Studierenden-Spielen gerne ihre A-Nationalmannschaft starten lassen, möglich ist? „Es ist immer besser, wenn man sich da im Vorfeld nicht so viele Gedanken macht“, weiß Nele Rüping, „ich bin glücklich, dabei zu sein und will die Erfahrung mitnehmen.“
Diese hat sie mit Blick auf ihren Heimatverein übrigens exklusiv: Aus Reihen des an erfolgreichen Turnerinnen gewiss nicht armen VfL Kirchheim ist Nele Rüping die Erste überhaupt, die für die Universiade, wie das Event bis vor ein paar Jahren hieß, nominiert worden ist. „Ein toller Erfolg“, freut sich VfL-Cheftrainerin Michaela Pohl, die seit dieser Saison allerdings auf die Sprung-Spezialistin verzichten muss: Studiumsbedingt trainiert Nele Rüping mittlerweile beim Münchner Stadtteilverein TSV Unterföhring.
Die Wettkämpfe werden im Livestream übertragen unter www.fisu.tv
Rund 5000 Athleten aus 116 Nationen
Die World University Games sind eine internationale Multisportveranstaltung für Studierende, inspiriert von den olympischen Spielen. Die Spiele, die unter dem Begriff Universiade bekannt sind, finden seit 1959 alle zwei Jahre statt und von der Fédération Internationale du Sport Universitaire (FISU) organisiert. Das Wort Universiade entstammt einer Zusammensetzung aus Universität und Olympiade. Die Wettkämpfe werden jeweils als Sommer- und Winterspiele ausgetragen. Mit zuletzt rund 5.000 Athleten aus 116 Nationen sind die Sommer-Universiaden eine der größten Multisportveranstaltungen der Welt nach den Olympischen Sommerspielen.

