Kirchheim. Die sportliche Zukunft von Ferdi Er beim VfL bleibt weiter unklar. Am Montagabend hatte der 30-Jährige im Gespräch mit Trainer Rainer Kraft um Antworten auf die Fragen gebeten, warum er in den letzten Spielen nicht zum Einsatz kam und in welchem Maße der Coach in der kommenden Saison mit ihm plant – beides Mal offenbar ohne für ihn befriedigende Ergebnisse. „Ich erwarte ja keine Stammplatz-Garantie“, so Er, „aber wenn ich fit bin, gehöre ich meiner Meinung nach unter die ersten elf.“
Fit war er in den vergangenen Wochen, weswegen er und ein Großteil der Kirchheimer Zuschauer sich wunderten, warum er ständig auf der Bank saß. Zumal sportliche Konkurrenten auf seiner Position, wie Michael Kümmerle, zuletzt unter Normalform blieben. „Wenn man mich nicht spielen lässt, kann ich auch nicht zeigen, was ich kann“, folgert Er.
Rainer Kraft argumentiert, dass die Mannschaft in den vergangenen Wochen auch ohne den Defensiv-Allrounder Erfolg hatte, gibt aber gleichzeitig zu, dass Er nach seiner Einwechslung gegen Kehl am vergangenen Samstag „sein bestes Spiel in dieser Saison“ gemacht hat.
Das Tischtuch zwischen beiden ist also noch nicht zerschnitten, wenngleich Ferdi Er dementiert, dass ihm ein Einjahresvertrag vorgelegt worden sei. Vor zwei Wochen habe es zwar ein Gespräch mit Sportkoordinator Kurt Dangel und Geschäftsführer Walter Rau gegeben, in dem ihm ein solcher Kontrakt in Aussicht gestellt wurde. Papiere zum Unterzeichnen hat er bis dato aber (noch) nicht erhalten.
Unabhängig davon will er die nächsten Tage abwarten, ehe er sich für oder gegen eine Zukunft in Kirchheim entscheidet. „Ich will eigentlich nicht weg vom VfL“, betont er, „aber wenn ich nur auf der Bank sitze, muss ich mir das gut überlegen.“ Als offenes Geheimnis gilt in diesem Zusammenhang, dass Verbandsligaprimus SV Bonladen, dessen Trainer Norbert Stippel Er aus gemeinsamen VfL-Tagen Anfang des Jahrtausends kennt, sich regelrecht die Finger nach dem Defensiv-Allrounder leckt.
Die Chancen, dass der mittlerweile zum Publikumsliebling avancierte Türke im heutigen Heimspiel gegen die Spvgg Neckarelz zur Startelf gehören wird, sind eher gering. Zwar fällt Michael Kümmerle mit Knieproblemen aus dem Kehl-Spiel aus, doch spricht vieles dafür, dass Sabri Gürol den Vorzug vor Er erhält.
Definitiv nicht im Kader wird heute Emrah Polat sein, der momentan mitten in den Abschlussprüfungen seiner Technikerausbildung steht. Der 27-Jährige ist dem Verein übrigens ebenfalls noch eine Antwort schuldig, ob er an Bord bleibt – allerdings hat Polat bekanntlich „nur“ ein Vertragsangebot für die zweite VfL-Mannschaft erhalten.
Der heutige Gegner kommt als Team mit zwei Gesichtern nach Kirchheim. Liganeuling Neckarelz kassierte am vergangenen Wochenende eine 0:5-Klatsche gegen Mit-Aufsteiger Hollenbach, nachdem zuvor nicht minder deutlich gegen Balingen mit 5:1 gewonnen worden war. Dennoch ist die Spielvereinigung aus dem 6 500 Einwohner zählenden Teil von Mosbach im Neckar-Odenwald-Kreis bislang die größte Überraschung der Oberligasaison. Zwar gilt Neckarelz als eine Art Auffangbecken für all jene, die es bei den großen Nachbarn in Hoffenheim, Mannheim oder Sandhausen nicht schaffen. Doch liegt gerade in der Fähigkeit des Trainer-Duos Peter Hogen und Stefan Streratz, aus vielen Individualisten eine schlagkräftige Truppe geformt zu haben, der eigentliche Neckarelzer Erfolg.
