Rund um die Weihnachtszeit hat Peter Bosch viel zu tun. Der Rentner arbeitet noch bei der Diakonie und ist dort für den Hausnotruf zuständig. „Die meisten wollen an diesen Tagen nicht arbeiten. Ich schon, ich will ja schließlich an Silvester frei haben“, erklärt der Jesinger. Dann schnürt er – wie viele andere auch – die Laufschuhe, um den Weg auf die Teck in Angriff zu nehmen. So oft wie er war bei den bislang 43 Auflagen aber wohl kaum jemand dabei, denn für Peter Bosch ist es dieses Jahr das 40. Mal.
Allerdings wäre es beinahe nichts geworden mit dem Start dieses Jahr, denn vor drei Wochen ist der dreifache Vater von der Hühnerleiter gefallen und hat sich bei dem Sturz eine Rippe gebrochen. „Ein paar Tage später habe ich bei der Arbeit einen Druck auf dem Herzen gespürt. Weil ich 2019 schon mal einen stillen Herzinfarkt hatte, bin ich gleich zum Arzt, woraufhin ich mit Verdacht auf Herzinfarkt ins Krankenhaus kam. Dort wurde dann der Rippenbruch festgestellt“, erzählt der 65-Jährige, der wenige Tage später schon wieder laufen war. „Die Ärztin meinte, dass der Tecklauf kein Problem sei, wenn ich ohne Tabletten schmerzfrei laufen kann.“
Eigentlich kommt Peter Bosch aus dem Radsport. Mit dem RKV hat er einst das Radrennen in Kirchheim mitgegründet und sieben Jahre mitorganisiert. Erst in der Bohnau, dann in der Stadt. Auch selbst war er intensiv aktiv, fand aber damals den Umstand blöd, im Winter nicht fahren zu können. „Also haben wir mit dem Laufen angefangen, und irgendwann kam die Idee, gemeinsam auf den Silvesterlauf zu trainieren. Damit wir ein Ziel haben. Mittlerweile bin ich der einzige, der es all die Jahre durchgezogen hat.“
Und in denen hat er an Silvester zwischen 15 und 17 Uhr schon einiges erlebt. „Wir sind schon auf dem Hintern den Berg runtergerutscht, haben im Schlamm die Schuhe ausgezogen, sind nach Lothar einen Umweg über die Wiese oder bei Corona in Kleingruppen gelaufen“, erinnert sich Peter Bosch. „Ganz früher ging es natürlich auf Zeit, da war es wichtig, in unter einer Stunde oben im Burghof zu sein. Aber das Ziel habe ich schon lange nicht mehr. Jetzt geht es nur noch um den Spaß“, erklärt der Jesinger, der aus dem Tecklauf auch schon mal spontan einen Halbmarathon gemacht und von der Innenstadt die letzten Kilometer nach Hause auch noch zu Fuß zurückgelegt hat. Auch drei Marathons ist Peter Bosch in seinem Leben schon gelaufen – in Metzingen, Heilbronn und Ulm.
Jonglieren und Einradfahren
So gerne der Jesinger läuft, so sehr liebte er doch über viele Jahre auch noch ein weiteres Hobby, das ihn sogar bis nach Hawaii brachte. Im Alter von 30 Jahren begann er mit dem Jonglieren. Außerdem hat der 65-Jährige das Einradfahren gelernt, und ist damit auf Conventions gegangen, unter anderem auf Hawaii. Bis zu sechs Bälle gleichzeitig konnte Peter Bosch durch die Luft wirbeln. Bis heute gibt er in Wolfschlugen Einradkurse, die stets gut gebucht werden. „Leider ist das Jonglieren irgendwann aus der Mode gekommen, und ich habe es auch selbst aus den Augen verloren. Aber vor Kurzem habe ich mir neue Bälle gekauft und möchte jetzt wieder damit anfangen.“
Ausgleich für den Kopf
Seit einigen Jahren ist der Jesinger regelmäßiger Teilnehmer bei den Lautreff-Treffs des VfL Kirchheim. So trifft man ihn Mittwochabend und Samstagnachmittag meistens am Wasserturm, wo er mit den anderen auf eine gemeinsame Laufrunde startet. Ansonsten genießt er mit einem Kumpel oder auch alleine die Bewegung in der Natur. „Ich laufe aber nie mit Musik“, betont der 65-Jährige, der das Laufen als „Ausgleich für den Kopf und zum Stressabbau“ nutzt. „Außerdem ist es einfach schön draußen zu sein und kein Auto nutzen zu müssen.“ So wie am Mittwoch, wenn es für ihn mit der ersten Startgruppe um 14.30 Uhr auf die Teck geht. Zum 40. Mal an Silvester.

