Das sündhaft teure Sondertrikot zum Gewinn der westdeutschen Meisterschaft vor 100 Jahren ist ausgepackt und angezogen, die Magnum-Flasche „Bielefelder Luft“ steht bereit: Der Weilheimer Gastronom Jesse Burgmann (47) hat sich auf den größten Tag seines Lebens als Fußball-Fan perfekt vorbereitet.
Der gebürtige Bielefelder ist seit 40 Jahren Arminia-Fan, aber hat wie alle Leidensgenossen noch nie ein DFB-Pokalfinale mit den Schwarz-Weiß-Blauen sehen. „Da geht einem das Herz auf. Wir sind Teil des größten Erfolgs der Vereinsgeschichte, ich bin in der glücklichsten Fanphase meines Lebens“, sagt er. Arminia habe als einer der wenigen Verein geschafft, Positives aus dem Pokal auf die Liga transportiert und nach einer verkorksten Hinserie auch noch den Aufstieg gestemmt. Auch das Festhalten an Trainer Kniat nach dem Fast-Abstieg der Vorsaison war nicht typisch für den Profibetrieb.
Das Finale schaut er aber nicht beim Public Viewing, sondern zu Hause in Weilheim mit seiner Frau und den vier Kindern – alles Arminen-Fans, sein Jüngster Joost kickt beim TSV Holzmaden. Der (bislang) größte Tag in der Geschichte des Vereins wird mit Gleichgesinnten gefeiert.
Familiär wurde ihm das Arminia-Gen aber nicht in die Wiege gelegt. „Mein Vater, mein Bruder und mein Opa waren Schalke-Fans.“ So führte ihn sein erster Stadionbesuch auch nach Gelsenkirchen ins damalige Parkstadion, gegen die großen Bayern. Aber: „Das hat mich überhaupt nicht gepackt“, sagt er.
Ganz anders die Arminia und ihr Kultstadion „Alm“, obwohl die damals in den Niederungen der Oberliga Westfalen kickte und ständig vom finanziellen Ruin bedroht war. Die Stimmung dort hat ihn von Anfang an elektrisiert und das 5:1 gegen Westfalia Herne im Oktober 1989 bereitet ihm noch heute eine Gänsehaut.
Die „Bretterbude“ – ein Holzprovisorium in einem Teil hatte jahrelang Bestand – hatte ihren ganz eigenen Charme. „Man konnte damals auf der Alm über den Zaun klettern, wenn man von den Schrebergärten her kam“, erinnert er sich lachend. Sein Kumpel Marcel war der Trommler auf dem Stehblock und in einer Saison war Jesse bei jedem Auswärtsspiel dabei. Das war nicht immer ohne Risiko: „Die Schalker jagten uns durch die Gelsenkirchener Innenstadt, in Rostock wurden wir mit fliegenden Bierflaschen begrüßt“, erinnert er sich. Die eigene Fußballer-Karriere reichte für ein Probetraining bei der
D-Jugend der Arminia, ansonsten hatte Burgmann mit den Freizeitkickern in der „Wilden Liga“ viel Spaß, wenn es mit dem „Geist von Bern“ gegen „Mensch ist der United“ oder „Yokohama Sadomaso“ ging.
Als Wahlschwabe hegt Burgmann auch Sympathien für den VfB, aber am Samstag schlägt sein Herz für die Arminia. Nach dieser verrückten Saison scheint auch das Undenkbare möglich: Die Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb. „Gegen Juve oder Aston Villa, das wäre doch der absolute Wahnsinn.“ Aber egal, wie das Finale ausgeht, am Montag gibt es dann zum Mittagstisch in seinem Weilheimer Lokal Burgmanns der Pfefferminzlikör „Bielefelder Luft“ zum Nachtisch. Traurig wird es in keinem Fall zugehen: „Gegen Leverkusen, das war eigentlich das Finale, jetzt kommt ein Bonus. Im Herzen haben sie schon gewonnen.“

