Stellte man sich Kirchheims Zweitligabasketballer als Schulklasse und Igor Perovic als Klassenlehrer vor, die Reifeprüfung wäre spätestens seit 3. März mit Eins und Sternchen bestanden. Obwohl seit jenem Sonntag vor drei Wochen mit Kayne Henry eine Schlüsselfigur im Kirchheimer Spiel verletzungsbedingt ausfällt, eilen die Ritter weiter von Sieg zu Sieg. Das 87:78 am Samstag in Bremerhaven war der vierte seit Henrys Achillessehnenriss, der neunte insgesamt. „Uns haut gerade nichts aus der Bahn“, fasst Sportchef Chris Schmidt zusammen, „wir haben gelernt, mit kritischen Phasen umzugehen.“
Die gab es auch in der Partie bei den Eisbären – im vierten Viertel war eine komfortable 17-Punkte-Führung auf bedenkliche vier Zähler zusammengeschrumpft. Doch statt in Heulen und Zähneklappern auszubrechen, behielten die Knights kühlen Kopf und zogen selbigen gekonnt aus der Schlinge. „Wir haben nicht aufgegeben und die richtigen Lösungen gefunden“, lobt Head Coach Igor Perovic das Team, das den Henry-Ausfall zum wiederholten Male als Kollektiv kompensierte – allen voran Jonas Niedermanner, in Bremerhaven mit 16 Punkten drittbester Ritter hinter Mike Flowers (26) und Mike Miller (22), und Eigengewächs Nil Failenschmid, der am Samstag erneut in der Starting Five stand und inzwischen auf immer mehr Minuten kommt. „Beide haben sehr gut gespielt“, so Perovic, der vor dem Hintergrund der durch Henrys Ausfall noch kleineren Rotation weiß, auf welch dünnes Eis der Erfolg gebaut ist „Wenn sich noch ein Spieler verletzt“, sagt er, „war‘s das.“
Obacht vor Bayreuth
Kein Wunder also, dass die Verantwortlichen eine der abgedroschensten Phrasen im Sport bemühen: „Wir denken von Spiel zu Spiel“, blickt Perovic auf den kommenden Gegner aus Bayreuth voraus. Der ist trotz drei Niederlagen in Folge und dem gemessen an den Wiederaufstiegsplänen enttäuschenden zehnten Tabellenplatz keine Laufkundschaft. „Das ist deren letzte Chance auf die Top acht“, weiß Sportchef Chris Schmid, „aber sie sind auch stark abhängig von Einzelleistungen.“ Bestes Beispiel: Shane Gatlin. Bei der jüngsten 76:99-Niederlage der Franken gegen Trier steuerte der Amerikaner 40 Punkte bei. Im Hinspiel gegen Kirchheim Anfang Januar hatte Gatlin mit 24 Punkten maßgeblichen Anteil am Bayreuther 91:84-Erfolg.
Unabhängig davon ist die Aussicht bei einem Erfolg am Samstag verlockend: Mit dem dann zehnten Sieg in Folge würden die Knights nicht nur den Play-offs, sondern als weiterhin Viertplatzierter auch dem Heimrecht in der ersten Runde einen weiteren Schritt näher kommen. Ganz nebenbei sorgt die Aussicht auf eine Qualifikation für den BBL-Pokal kommende Saison für Zusatzmotivation: Sollten die Knights unter den Top sechs landen, wäre ihnen das Ticket für ein Erstrundenmatch gegen einen Bundeligisten von Platz neun bis 16 im September sicher. „Das ist unser Ziel“, schwört Chris Schmidt den gesamten Standort auf den Saisonendspurt ein, auf dem es für die Ritter nach der Partie gegen Bayreuth noch gegen Gießen (3.), Vechta (12.), Münster (8.), Frankfurt (2.) und Düsseldorf (15.) geht – bevor der Anlauf beginnt, heißt es für Lehrmeister Perovic und seine Eleven, stolz auf die Reifeprüfung zu sein. „Wir sind sehr glücklich und genießen den Moment“, sagt der Trainer.

