Die aus Kirchheimer Sicht mutmaßlich schönste Nachricht an einem aus sportlicher Sicht eher unschönen Abend hatte es vor Spielbeginn gegeben: Unter dem Jubel der Fans verkündete Hallensprecher Daniel Zirn, dass Igor Perovic seinen 2026 auslaufenden Vertrag als Head Coach der Knights vorzeitig bis Sommer 2029 verlängert hat – ein starkes Zeichen vor dem Hintergrund der immer noch ungeklärten Hallenfrage.

Mit von Zirn verkündeten 3012 Zuschauern fanden zwar weit weniger den Weg in die EWS Arena – bei den bisherigen acht Auftritten in Göppingen waren es jeweils an die 4000. Bereuen musste das allerdings niemand – sofern er oder sie es mit den Gästen aus Gießen hielt. Der Tabellenfünfte der Vorsaison und spätere Play-off-Halbfinalist, der sich den Aufstieg in die BBL zum Ziel gesetzt hat, untermauerte mit dem Sieg nicht nur seine Ambitionen, sondern bescherte seinem Trainer Frenki Ignajtovic auch den ersten Auswärtserfolg gegen die Knights überhaupt als Coach der 46ers.
Die ersten Kirchheimer Punkte der Saison besorgte Philip Russell per versenktem Dreier (3:2), danach verzettelten sich die Knights zu oft in Einzelaktionen oder bissen sich an der bissigen Gießern Defense die Zähne aus. Beim Stand von 6:15 reichte es Igor Perovic, der Kirchheimer Head Coach nahm die erste Auszeit. Der zerfahrene Auftritt setze sich jedoch fort, den Rittern und ihrem Spiel war die holprige Vorbereitung, in der zuletzt kein Training in Vollbesetzung hatte stattfinden können, deutlich an. Nur der phasenweise fahrlässigen Chancenverwertung der Gießener war es zu verdanken, dass es nach dem ersten Viertel „nur“ 8:22 stand.
Wenig besser der Start in den zweiten Abschnitt, in dem Gießen mit einem 7:0-Lauf auf 29:8 davonzog, ehe Phillip Russell, am Ende mit 17 Punkten treffsicherster Kirchheimer, die Halle mit einem versenkten Dreier auf Betriebstemperatur brachte. Russell war es auch, der die Knights 4,19 Minuten vor der Halbzeitpause mit einem weiteren Dreier zum 20:38 am Leben hielt. Die Emotionen von den Rängen wollten allerdings nicht auf den Court überspringen, die Ritter bekamen bis Viertelende ordentlich die Rüstung verbeult, ehe die Halbzeitsirene das Team beim Stand von 25:51 erlöste.
Igor Perovic musste in der Kabine die richtigen Worte gefunden haben, kam sein Team doch deutlich aggressiver und endlich auch treffsicherer aufs Spielfeld zurück. Etwas mehr als zwei Minuten vor Viertelende hatten sich die Knights auf 18 Punkte herangekämpft – die Arena war wieder da und peitschte die Mannschaft an. Entscheidend näher kamen die Ritter allerdings nicht, im Gegenteil: Beim Stand von 44:65 ging es in den letzten Abschnitt.
Dort blies Kapitän Lucas Mayer mit einem Dreier zur Aufholjagd, die durch einen weiteren versenkten Fernwurf von Nico Bretzel bei nur noch 15 Punkten Rückstand konkretere Formen anzunehmen schien. Doch die Gäste, angeführt von ihrem Topscorer Kyle Castlin (23 Punkte), ließen sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen. Spätestens nach Domagoj Vukovics Korb zum 77:54 knapp zwei Minuten vor dem Ende war die Messe gelesen. Der Begeisterung der Fans tat es keinen Abbruch. So wurde Nico Bretzels Dunk Sekunden vor Schluss so lautstark bejubelt, als ob die Knights das Spiel gewonnen hätten.

