Pietermaritzburg. Beim Bundesliga-Rennen in Münsingen Siebter, beim Weltcup Sechster: Das Wechselbad des Manuel Fumic. Doch diese Arithmetik ist nicht so einfach nachzuvollziehen und eine Gleichung mit mehreren Unbekannten. Die größte Unbekannte liegt wohl in der Rennfahrer-Psyche des Mannes. „Ich bin ein Mann für die großen Rennen“, sagt Fumic selbstbewusst. So ganz stimmt das allerdings nicht. Schließlich hat der Kirchheimer auch schon große Rennen vergeigt.
In Pietermaritzburg sah es eine Zeit lang auch so aus, als sollte das erste Weltcup-Rennen der Saison mit einer Enttäuschung für ihn enden. Nach einem prächtigen Start verpasste Manuel Fumic den Anschluss an die ersten Fünf, weil dem Südafrikaner Burry Stander direkt vor ihm die Kette runtersprang. Weil Stander weiter in seinem Umfeld fuhr, passierte das noch weitere Male.
„Das war unglücklich“, kommentierte Fumic die Zwischenfälle. Genügend Erklärung ist das allerdings nicht dafür, dass man ihn nach Ende der zweiten von sechs Runden nur noch als 13. notierte, während Nino Schurter, Julien Absalon und Jaroslav Kulhavy die Spitzengruppe bildeten und am Ende auch die Podestplätze unter sich ausmachten. „Ich habe meinen Rhythmus erst in den letzten beiden Runden gefunden“, bekannte Fumic später im Ziel.
Immerhin warf er die Flinte nicht ins Korn, nachdem er von mehreren Fahrern passiert worden war. Er konzentrierte sich neu und fand den Anschluss an eine Gruppe, die bis Rang acht reichte. In der fünften Runde fuhr er die drittbeste Zeit und lag an achter Stelle – nur noch 13 Sekunden hinter seinem Cannondale-Teamkollegen Marco Fontana (Italien), dem an fünfter Position langsam die Luft ausging.
Dazwischen fuhren noch der Spanier Carlos Coloma und der Franzose Stephane Tempier. In einem leicht ansteigenden Abschnitt überholte Fumic dann die beiden – jetzt war er Sechster. Fontana rettete dann noch zwei Sekunden vor ihm über die Ziellinie und nahm den fünften Platz auf dem Weltcup-Podium ein, während Fumic als Sechster 1,48 Minuten Rückstand auf Nino Schurter (1.34,50 Stunden) aufwies.
Als Manuel Fumic versuchte, die Leistungskurve seines Rennens zu erklären, kam er zu diesem Schluss: „Ich verkrafte die Beschleunigungsphasen noch nicht so gut, das wusste ich. Deshalb habe ich auch das 29-Zoll-Bike gewählt, weil man mit dem automatisch einen ruhigeren Fahrstil hat.“ Im Training hatte er sowohl das kleinere, agilere 26-Zoll-Bike als auch das große Bike probiert.
Als er über die Ziellinie fuhr, zeigte er eine Jubelgeste: Darin steckte auch Erleichterung über einen gelungenen Saisonstart. „Ich bin super happy. Diese Leistung hatte ich mir nicht zugetraut.“
Vier Wochen bleiben ihm jetzt, um sich auf den nächsten Weltcup im Dalby Forest vorzubereiten: Er braucht vor allem Spritzigkeit. Eine Fähigkeit, die man bei den drei Top-Protagonisten am Ostersamstag bereits entdecken konnte. Nachdem der Tscheche Jaroslav Kulhavy dem Tempo von Schurter und Absalon nicht mehr folgen konnte, duellierten sich der Schweizer und der Franzose. Die Entscheidung fiel, nachdem Absalon im „Rock Garden“ genannten künstlichen Steinfeld stürzte und Schurter ein paar Sekunden Vorsprung mit großem Kämpferherz ins Ziel rettete. Absalon war an diesem Tag am Berg der Stärkere, Schurter hatte in den technischen Passagen Vorteile und gewann mit 16 Sekunden Vorsprung.
Nicht lange nach dem Rennen klingelte Fumics Telefon. Bundestrainer Frank Brückner war dran und gratulierte zur Teilerfüllung der Olympianorm. Um sie ganz zu erfüllen, benötigt er in diesem Jahr noch einen Platz unter den ersten 15. „In Dalby will ich noch konkurrenzfähiger sein“, sagt er.
