Murat Isik, Sie waren zuletzt schon ein wenig weg von der Fußballszene, oder?
Murat Isik: Ja, aber ganz bewusst. Ich habe beim VfB meinen Vertrag nicht verlängert, weil ich gespürt habe, jetzt ist der Zeitpunkt gekommen. Ich war ja fast 20 Jahre ohne Pause Trainer, da wollte ich zum einen ’ne Auszeit nehmen und mich auch um meine Firma kümmern. Ich dachte, vielleicht mal ein Jahr Pause oder so, weil ich auch nicht mehr so die Energie gespürt habe, auf den Platz zu gehen. Und ich brauche Energie – wenn ich keine habe, kann ich die nicht weitergeben. Deswegen habe ich mir auch Zeit gelassen.
Es waren dann fast vier Jahre. Wie kam das mit dem Engagement in Balingen zustande?
Isik: Als der Anruf aus Balingen kam, habe ich gesagt, komm, ich höre es mir mal an. Vorherige Angebote hatte ich meistens schon am Telefon abgelehnt, weil ich einfach noch nicht bereit war.
Und wie machen Sie das mit dem Hinkommen, Balingen ist ja nicht gleich um die Ecke.
Ich wohne immer noch in Nürtingen, aber das geht, es ist eine Stunde Fahrtzeit nach Balingen mit dem Auto, da kann ich auch einiges am Telefon erledigen.
Zurück ist es aber noch einmal eine Stunde.
Ja, aber dafür trainiere ich Regionalliga. Andere Trainer ziehen um, um in der Regionalliga zu trainieren.
Nach der ersten halben Saison war es das jedoch zunächst mit der Regionalliga, ihr seid vergangenes Jahr abgestiegen.
Wir haben aber trotzdem einen guten Fußball in der Rückrunde gespielt und viele Spiele gewonnen. Leider hat es nicht gereicht. Wir hatten allerdings auch 13 Punkte Rückstand, als ich übernommen habe. Das war doch eine zu hohe Bürde.
Wie ging’s dann weiter?
Wir hatten schon zu Anfang alles auf links gedreht, eine neue Spielidee reingebracht. Als ich übernommen habe, hatten die Jungs schon 20 von 34 Spielen und nur zwei Siege. In den restlichen Spielen haben wir fünfmal gewonnen und zweimal unentschieden gespielt. Das war ein Punkteschnitt, der zum Klassenerhalt gereicht hätte. Und dann kam es zu einem herben Rückschlag.
Inwiefern?
Die komplette Mannschaft hat sich verändert. 18 Spieler haben uns verlassen und wir haben insgesamt 20 neue Spieler geholt.
Und dennoch habt ihr die Saison mit neun Punkten Vorsprung auf den Dritten als Vize abgeschlossen. War das so geplant?
Nein, es hatte keiner damit gerechnet, dass wir vorne mitspielen, geschweige denn aufsteigen und ins Finale des WFV-Pokals kommen (0:2-Niederlage gegen Oberliga-Meister SG Sonnenhof Großaspach, Anmerkung der Redaktion). Es waren schöne Erlebnisse, unter anderen das Relegationsspiel in Kaiserslautern im Fritz-Walter-Stadion vor 4000 Zuschauern zu spielen (1:1), und dann daheim das Spiel gegen Friedberg in der Nachspielzeit mit 3:2 für uns zu entscheiden. Das war Wahnsinn, was wir als Verein geleistet haben. Und das als drittjüngste Mannschaft der Oberliga.
Was habt ihr in der nächsten Saison in der Regionalliga vor?
Für mich ist das der größte Sprung in den Amateurligen. Wir sind einer von drei, vier Klubs, die nicht unter Profibedingungen arbeiten. Und da müssen wir mit viermal Training mithalten. Außerdem stehen wir auf einer anderen finanziellen Ebene.
Wann beginnt die Vorbereitung?
Schon am 30. Juni, die Runde startet ja schon am 2. August, aber wir mussten die Pause wegen der Relegation so legen. Die Vorbereitung ist etwas kürzer, aber das Gute ist, dass fast der gesamte Kader zusammenbleibt und wir nicht wieder mit allem von vorne anfangen müssen.
Und wie sieht das Pensum aus?
Wir trainieren bis auf mittwochs jeden Tag. Außerdem steht Mitte Juli ein einwöchiges Trainingslager in Kitzbühel an.

