Frickenhausener Tischtennis-Präsident ist sauer
„Das Fernsehen kommt doch eh nicht“

In keiner anderen Sportart in Deutschland wurden in den letzten Jahren so oft die Regeln verändert wie im Tischtennis. Sehr zum Ärger von Rolf Wohlhaupter-Hermann, dem Chef des Bundesligaklubs TTC matec Frickenhausen: „Damit schaden wir unserem Sport. Das Fern­sehen kommt doch eh nicht.“

Frickenhausen. Nur noch die Tischtennis-Experten wissen inzwischen, was, wo und wie gespielt wird. Die Zelluloidkünstler kasteien sich selbst bis zur Unkenntlichkeit mit dem Ziel, dauerhaft ins Fernsehen zu kommen.

Tischtennis, mit seinen mehr als 600 000 aktiven Spielern hierzulande, gehört zu den vielen vom Fernsehen geächteten Sportarten und findet kaum eine Berücksichtigung im Sendeprogramm. Dabei ist Deutschland hinter China die zweit­erfolgreichste Tischtennis-Nation. „Sportsendungen bestehen fast nur noch aus Fußball. Ich finde es nicht so berauschend, dass die Menschen Gebühren bezahlen, aber viele Sportarten nicht zu sehen sind“, bedauert Bundestrainer Jörg Roßkopf. Kritik kommt auch von Superstar Timo Boll: „Wir vermissen bei den TV-Sendern den Versuch, Tischtennis mal professionell zu präsentieren.“

Beim Pokalfinale in der Stuttgarter Porsche-Arena wurden die Kritiker wieder einmal bestätigt. Keine Livesendung, keine Aufzeichnung, nur Kurzberichte in den SWR-Nachrichten, obwohl drei der acht Mannschaften aus dem Verbreitungsgebiet am Start waren. Kein Sendeplatz frei, Produktion zu aufwendig, zu viel Wintersport-Konkurrenz, so die Begründungen aus der Sendezentrale. Rainer Ihle, der Macher vom TTC Liebherr Ochsenhausen, kämpft vehement gegen die Missachtung an: „Wir müssen alles tun, um ins TV zu kommen, sonst geht unser Sport kaputt.“

Verband und TT-Liga stehen auf seiner Seite. Liga-Geschäftsführer Claus-Dieter Schad: „Wir bohren dicke Bretter, um unsere Sportart fürs Fernsehen attraktiver zu machen.“ Vieles wurde schon verändert, vor allem das Spielsystem in der Liga ist eine Dauerbaustelle. Früher wurde mit sechs Einzeln und drei Doppeln gespielt. Später nur noch mit Vierer-Teams (4 Einzel, 2 Doppel), schließlich mit Dreier-Mannschaften an einem Tisch. Neuerdings gibt es sogar kein Doppel mehr. Zwei Gewinnsätze bis 21 wurden durch drei bis 11  ersetzt, und so weiter.

Für Rolf Wohlhaupter-Hermann geht das alles viel zu weit: „Es gibt keine Einheitlichkeit mehr. Drei Spieler in der ersten, sechs Spieler in der zweiten Liga, vier Spielerinnen bei den Damen, wer blickt da noch durch? Es gibt viele Negativ-Stimmen bei unseren Fans, die so viel Sport wie möglich sehen wollen. Die Auswärtigen sagen, wir fah­ren doch nicht wegen eines 3:0, das in einer Stunde entschieden ist, nach Frickenhausen. Wir haben wegen des neuen Spielmodus‘ schon brutal viele Zuschauer verloren. Das ist eine Katastrophe.“

Mit Ihle und allen anderen Kämpfern um TV-Zeiten ist sich Liga-Dino Wohlhaupter-Hermann, seit Vereinsgründung vor 40 Jahren TTC-Präsident, grundsätzlich einig, nur nicht mit deren Methoden. Er setzt die Hoffnung auf einen Ligasponsor, der Bundesliga-Übertragungen im TV finanziert wie beispielsweise Toyota im Handball oder Beko im Basketball, und fordert gleichzeitig die Rückkehr zu einem Spielmodus, der zu Hause seine Halle auf dem Berg wieder füllt.