Kirchheim. Es ist eine Mut machende Zahlenspielerei: Seit Derrick Stevens und Paul Howard die Kirchheimer Basketballer verstärken, gewinnt der VfL höher, obwohl der Punkte-Beitrag von Derrick Stevens jedes Mal geringer ausfällt. 34 Punkte beim 85:74 in Tübingen, 30 beim 86:70 in Möhringen, jetzt 24 beim 92:78 gegen den MTV Stuttgart. Mit diesem dritten Sieg nacheinander ist die Truppe von Coach Pasko Tomic auch zum dritten Mal einen Platz nach oben geklettert und ist jetzt Neunter – auf den definitiv rettenden Platz acht zu kommen, wird nun wohl aber etwas schwieriger.
Das Spiel gegen den bisherigen Neunten, MTV Stuttgart II, war die leichteste Aufgabe bisher. Am Anfang rumpelte es vor über 200 Zuschauern zwar noch etwas – 7:10 (4.). Doch dann nahm Stevens die Sache in die Hand und erzielte 14 der 16 Punkte zum 23:13 (7.). Dabei auch wieder drei Dreier in frappierend kurzer Reihenfolge innerhalb einer einzigen Spielminute – die Erfinder des Basketballs haben so einen Spieler als „streaky shooter“ („Serien-Schützen“) klassifiziert.
Gegen Ende des zweiten Viertels wechselte Tomic dann viel, dadurch kamen die Gäste von 41:23 (16.) bis zur Pause auf 45:30 heran.
Ende des dritten Viertels kam dann der einzige Moment, an dem man um den Kirchheimer Sieg ein kleines bisschen bangen musste: Der MTV startete einen schnellen Gegen-angriff, Stevens war in der Nähe des Ballbesitzers, Tomic schrie zweimal „No Foul“ – und Stevens stoppte den Gegner regelwidrig. Kein Problem, dachten die Fans. Bis der Anschreiber das Täfelchen mit der roten Fünf hoch hielt: Stevens war 13 Minuten vor Schluss draußen, der Spielstand war mit 65:53 nicht wirklich beruhigend. Der Kommentar des 32-Jährigen: „Das tut mir leid, das war einfach nur dumm.“
Chris Reza, seit Langem wieder von Tomic aufs Feld gelassen, und Dominik Eberle machten die letzten Punkte des Viertels zum 70:55 und beruhigten somit die größten Pessimisten, im vierten Viertel übernahm der 44-jährige Paul Howard. Auch wenn er an der Freiwurflinie wackelte (fünfmal einen von zwei), übernahm er die Verantwortung, machte zehn der zwölf Punkte zum 82:63 (35.) und führte das Team. Da half natürlich auch, dass Shkelzen Bekteshi das Duell mit Stuttgarts Topscorer David Jackson durch eine sensationelle Defensiv-Leistung klar gewann. Beide hatten am Ende 17 Punkte, aber acht Zähler von Jackson kamen in den letzten fünf Minuten.
Die fast völlige Kontrolle ihres Stars offenbarte auch, dass die Reserve des Regionalliga-Spitzenreiters, im Gegensatz zum VfL, zu Recht dort unten steht – viel mehr als gehobenes Landesligaformat war zumindest an diesem Abend nicht zu entdecken.
Für den VfL wird es nun deutlich schwieriger: Am kommenden Sonntag geht es zum Tabellenzweiten TV Marbach (13:4 Siege), dem Mitaufsteiger, der so für Furore in der Oberliga gesorgt hat. Um dort zu gewinnen, muss alles passen: Stevens darf sich keine Dummheit erlauben, Howard muss seine Freiwürfe treffen, alle müssen 100 Prozent Defensive spielen. Um Richtung Platz acht schauen zu können, muss der VfL schließlich eines der beiden Auswärtsspiele in Marbach und bei Tabellenführer Remseck gewinnen – die Heimspiele gegen Derendingen und Göppingen sowie den Gastauftritt in Reutlingen sowieso.ut
VfL Kirchheim: M.Beck, Bekteshi (17/2), C.Bozic (8), Eberle (2), Engonidis, Howard (25/3), Ivanovic (10), C.Munz (2), Reichmuth, Reza (4), Stevens (24/5)