Kirchheim. Endgültig vorbei scheinen damit die Zeiten als der einstige TG-Chef und mittlerweile Ehrenvorsitzende Karl-Heinz Beck alljährlich zu seinem berühmt-berüchtigten Parforceritt durch die Kommunal-, Landes- und Bundespolitik des abgelaufenen Jahres ansetzte und nichts und niemanden mit beißender Kritik oder ehrlichem Lob verschonte. Der ehemalige Parteisoldat und Gewerkschaftsfunktionär mit Ruhrpott-Wurzeln gefiel sich in der Rolle des gefürchteten „Derbleckers“ in der schwäbischen Provinz – und es gefiel sowohl dem rustikalen wie urbanen Auditorium.
Dass Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker gestern die allgemeine Kommunal-, Landes- und Bundespolitik in ihrem Vortrag ausdrücklich ausblendete, war nachvollziehbar. Schließlich will das Stadtoberhaupt den diesbezüglichen Spannungsbogen bis zum anstehenden Dämmerschoppen der Stadt am kommenden Freitag aufrecht erhalten. Auf die den Sport direkt betreffenden kommunalpolitischen Themen ging sie freilich doch ein.
„Wir bauen weiter an der Sportstadt Kirchheim,“ bekräftigte die Oberbürgermeisterin ihr Credo – und führte die in diesem Jahr trotz nicht vorhersehbarer Mehrkosten fertigzustellende Gießnauhalle in Nabern als Paradebeispiel an. Positiv für die Stadt bewertete Matt-Heidecker auch die Tatsache, dass für das Sportvereinszentrum des VfL ein besserer Standort gefunden werden konnte, der neben einem abgespeckten Raumbedarf auch weitere Folgekosten für zu errichtende Freiplätze ausschließe.
Abschließend wagte sich die Oberbürgermeisterin mit der unlängst beschlossenen Nebenkostenbeteiligung der kultur- und sporttreibenden Vereine noch an ein Reizthema und verteidigte die auf jährlich 30 000 Euro gedeckelte nutzungsspezifische Unterstützung der Stadt. „Bei jährlichen Kosten von 800 000 Euro halte ich 30 000 Euro Beteiligung für angemessen.“ Schließlich seien dies lediglich 0,96 Euro pro Stunde pro Hallenteil.
Diesen Faden griff Hermann Schnizler, Vorsitzender des Kirchheimer Stadtverbandes für Leibesübungen, gerne auf. Auch 96 Cent treffe die hallennutzenden Vereine empfindlich in ihrem finanziellen Spielraum. Er sehe jedoch angesichts obligater öffentlicher Einsparungen die Notwendigkeit seitens des Sports, diese bittere Pille schlucken zu müssen. Positiv sieht der SfL-Vorsitzende auch die Standortentscheidung für den Neubau des Hallenbads und die damit verbundene Bündelung der Freizeit- und Sportaktivitäten rund um die Jesinger Allee.
Zuvor hatte die TG-Vorsitzende Silvia Kretzschmar ein eher düsteres Bild über die Zukunft kleinerer Vereine gezeichnet: „Die Zeiten, in denen sich Sportler an den Verein binden und auch nach ihrer aktiven Laufbahn als Mitglieder treu bleiben oder gar als Funktionär ehrenamtlich zur Verfügung stehen, sind längst vorbei.“ Für die TG-Chefin sind die kleinen Vereine in naher Zukunft mangels Führungsnachwuchs damit quasi zum Aussterben verurteilt. Ein Blick ins Auditorium schien der Vereinsvorsitzenden Recht zu geben: nur eine Handvoll Gäste hatten das 50. Lebensjahr noch nicht überschritten.
