Kirchheim. „Total unberechenbar“ – so stuft VfL-Coach Pasko Tomic den zweiten Unterbau des Bundesligisten aus Tübingen ein. „Man weiß vorher nie, mit welcher Mannschaft die antreten“, sagt Tomic, und er weiß, wovon er spricht. Beispiel Felix Sieghörtner (Jahrgang 1995): Der spielt normalerweise beim TV Ansbach, hat aber eine Zweitlizenz für das Tübinger Oberligateam und eine weitere für das NBBL-Team der Universitätsstädter. Insgesamt spielt der Sohn des Tübinger Managers Claus Sieghörtner also in vier Mannschaften, oft dreimal an einem Wochenende. In dieser Saison reichte es bisher nur zu einem Einsatz in der Zweiten. Heute könnte ein weiterer folgen, denn das Tübinger NBBL-Team tritt morgen um 12.15 Uhr zu Hause an. Einem Einsatz heute Abend stünde zumindest zeitlich nichts im Weg.
Ganz ähnlich sieht es auch bei anderen aus: Der bisherige Topscorer und NBBL-Spieler Lucas Sipetic (Jahrgang 1994, 14 Punkte pro Spiel) war allerdings bei allen drei Niederlagen in der Oberliga dabei: Zum Auftakt gab es zu Hause ein 50:60 gegen den TV Derendingen, dann – mit nur sieben Spielern – ein 61:86 in Remseck, zuletzt wieder zu elft ein 49:70 zu Hause gegen die bis dahin ebenfalls sieglose TS Göppingen. Da wirkte auch erstmals U18-Nationalspieler Mahir Agva (Jahrgang 1996) mit, einer von drei Zwei-Meter-Leuten des SV.
Und der VfL? Der muss zunächst um seinen Center Marsel Sibinovic bangen, der heute Abend vermutlich beruflich eingespannt sein wird. Sonst kann Tomic aber auf seine komplette Mannschaft bauen, von der er sagt, dass „alle unheimlich heiß sind, zu Hause etwas zu zeigen.“ Damit das Gezeigte auch erfolgreich ist, dürfte man erstens den Gegner nicht unterschätzen und zweitens die Fehler bei den beiden Auswärtsniederlagen in Konstanz und Rottenburg nicht wiederholen. Tomic warnt deshalb: „Egal, wer da antritt, Tübingen ist jung und schnell, macht ständig Druck, ist immer aggressiv – da müssen wir noch mehr auf den Ball aufpassen.“
Ballverluste – das war bisher das Hauptthema auswärts. Nun hofft man, dass Konzentration und Selbstvertrauen in der eigenen Halle steigen. Der psychische Druck jedenfalls ist hoch, denn es steht außer Frage, dass der VfL dieses Heimspiel gewinnen muss, um nicht aus der Spur zu kommen. Tomics Saisonziel ist bereits abgesteckt, „mindestens die Hälfte der Spiele gewinnen.“ Mit einem Sieg und einer 2:2-Bilanz wäre er auf einem guten Weg dorthin. Bei einer Niederlage und dem schweren Auswärtsspiel beim MTV Stuttgart II vor der Brust sähe das schon ganz anders aus.ut
VfL Kirchheim: M. Beck, S. Bekteshi, C. Bozic, Eberle, Ivanovic, Marino, Nakov, Reichmuth, Reza, Schraml, Sibinovic (?), Zimmermann
