Lokalsport
Der Kreis Esslingen trotzt der Krise

Leichtathletik Der nach wie vor mitgliederstärkste Kreis im Verband blickt optimistisch in Zukunft.

Filderstadt. Das negative Medienecho auf historische WM-Debakel von Budapest ohne eine einzige Medaille im vergangenen Jahr, waren nicht gerade förderlich für die Leichtathletik im Allgemeinen. Beim Leichtathletik-Kreistag des Kreises Esslingen in Bernhausen, zu dem auch Filderstadts Bürgermeister Jens Theobaldt gekommen war, spielten diese Verbands-Problematiken keine Rolle. Vielmehr ging es um die lokale Leichtathletik, die nach wie vor einen hohen Stellenwert im Konsortium der großen Sportarten genießt und von öffentlichem Interesse geprägt ist. Die guten Starterzahlen bei Kreis- und Regionalmeisterschaften spiegeln diese These.

In seinem Bericht lobte der Kreisvorsitzende Martin Moll nicht nur die Vereine und Leichtathletikabteilungen, die mit ihren zur Verfügung stehenden Übungsleitern mit viel Engagement nachhaltig für Nachwuchs sorgen, sondern auch den gezeichneten Weg der Talenterkennung und Talententwicklung in den einzelnen Kaderstufen im Württembergischen Leichtathletikverband (WLV). Die Förderung müsse dorthin gehen, wo die Athleten sind – regionale Leistungszentren und leistungsfähige Standorte. Mit den vier Leichtathletikgemeinschaften LG Filder, LG Leinfelden-Echterdingen, LG Neckar-Erms-Aich und LG Teck, sei für strukturell schwächere Vereine eine gute Basis vorhanden. Auch die Einführung der Kinderleichtathletik (KiLa) vor rund zehn Jahren hätte sich positiv auf die Sportart ausgewirkt. Entsprechend dieser Entwicklung wird es in diesem Jahr im Kreis zum ersten Mal eine eigenständige KiLa-Liga mit insgesamt acht Veranstaltungen für die Altersklasse U10 geben.

Weitere Gründe, warum der Kreis trotz eines Schwunds um 2,38 Prozent auf 8685 Mitgliedern ( nach wie vor der mitgliederstärkste unter den 25 Kreisen im WLV ist, sieht Moll in einem kompetenten und erfahrenen Ausschuss, einem hohen Kampfrichterniveau, einem IT-technisch gut ausgestatteten EDV-Team sowie einer guten Presse. Erfreulich in diesem Zusammenhang sei, dass fast der gesamte Ausschuss sich zur Wiederwahl stelle. Lediglich der Kampfrichter-Beauftragte Gerd Fecher (Weilheim) legte sein Amt nach 16 Jahren, davon neun Jahre als Kampfrichter-Chef, nieder. Konstruktiv und gut sei auch die Zusammenarbeit mit den Kreisen der Region (Reutlingen, Tübingen, Zollernalb) gewesen. Die Kreis-Finanzen stünden durch eine umsichtige Finanzpolitik durch Rolf Bauer auf gesundem Fundament.

Ökologischen Aspekt berücksichtigen

Doch es gab auch kritische Punkte anzusprechen: Trotz eines kompletten Meisterschaftsangebots lief im vergangenen Jahr nicht alles optimal. Gemeint waren die zerfletterten Meisterschaften auf Kreis- und Regionalebene, was dazu führte, dass Athleten auf Starts verzichteten, wenn beispielsweise nur eine Disziplin im Wettkampfangebot war. Berücksichtigen müsse man in diesem Zusammenhang auch den ökologischen Aspekt sowie die Kosten der Vereine. Ziel müsse sein, wieder mehr ganzheitliche Meisterschaften anzubieten. Kontraproduktiv seien teils sanierungsbedürftige Stadien und fehlende Helfer in den Vereinen. Deshalb warb Moll für Kooperationsmodelle unter lokal nahen Vereinen. Ohne gegenseitige Unterstützung werde es immer schwieriger werden, Ausrichter-Vereine zu gewinnen.

In Bezug auf die stufenweise Einführung der Ganztagsbetreuung an Grundschulen sieht Moll gleichermaßen Chancen und Risiken für die Vereine. Der Bedarf an Kooperationsmaßnahmen wird sicherlich steigen. Ob Kinder nach einem langen Schultag allerdings Abends noch regelmäßig ins Training kommen, müsse sich zeigen.

In seinem Rückblick erinnerte Moll nochmals an emotionale Erfolgsgeschichten. Der Bogen war weit gespannt, von der Kreis- bis hin zur internationalen Ebene. Kreisathleten wurden zu nationalen Helden und Vorbilder. Die sportliche Bilanz 2023 konnte sich sehen lassen: Fünf Deutsche Titel, 15 Deutsche Top-Acht-Platzierungen, iver Süddeutsche- und 18 Baden-Württembergische Titel wurden ergänzt mit elf Kreisrekorden und vier Landesrekorden. Dabei sind die vielen Erfolge aus der Senioren-Leichtathletik gar nicht berücksichtigt. mm

Zwei Geschwister von der LG Teck unter den „Sportlern des Jahres“

Höhepunkt der zweieinhalbstündigen Veranstaltung war die Ehrung der besten Sportler „Sportler des Jahres 2023“: Männerklasse: Leo Neugebauer (Leinfelden-Echterdingen) Zehnkampf 8836 Punkte (Deutscher Rekord); Frauen: Anjuli Knäsche (Leinfelden-Echterdingen) Stabhochsprung 4,45 Meter; männliche U 20: Emanuel Molleker (LG Filder) Zehnkampf 7448 Punkte; weibliche U 20: Tabea Eitel (LG Filder) Weitsprung 6,59 Meter (Landesrekord); männliche U 18: Konstantinos Pindonis (TSV Frickenhausen) Diskuswerfen 57,32 Meter; weibliche U 18: Hannah Melzer (LG Teck) Hammerwerfen 59,08 Meter; männliche U 16: Lukas Melzer (LG Teck) Hammerwerfen 55,54 Meter; weibliche U 16: Nele Pfisterer (LG Filder) 300 Hürden 44,11 Sekunden.
Der Kreisausschuss setzt sich wie folgt zusammen: Vorsitzender und Pressewart: Martin Moll (Kirchheim), Schriftführer: Florian Mertens (Wolfschlugen); Kassenwart: Rolf Bauer (Nellingen); Kampfrichter-Beauftragte: Anja Fruhmann-Berger (Denkendorf) und Dietmar Bauder (Köngen); Schüler- und Jugendbeauftragte: Cornelia Luber (Owen); EDV: Philipp Steeb (Echterdingen); Statistik: Jörg Beinlich (Neuhausen); Beisitzer: Anjuli Knäsche, Lena Richey, Ulrike Schick (alle Leinfelden), Lars Bärhold (neu, Bernhausen); Gerätewart: Steffen Fruhmann (Denkendorf); Kassenprüfer: Dr. Peter Mayer (Echterdingen), Ulrich Krieger (Neuhausen). mm