Lokalsport
Der Schuss geht nach hinten los

So sehr sich die VfL-Verantwortlichen nach der Suspendierung von Ferdi Er auch wünschen, dass nach Tagen und Wochen entnervender Diskussionen endlich wieder Ruhe einkehren möge: Die Gefahr, dass dieser Schuss nach hinten losgeht, ist größer als die Wahrscheinlichkeit, dass einfach zur Tagesordnung übergegangenen werden kann, als sei nichts geschehen.

Aus Rainer Krafts Sicht war die Suspendierung folgerichtig, glaubt der drittligaerfahrene Coach doch, Ferdi Er sei verantwortlich für die Unruhe der letzten Wochen. Abgesehen davon, dass der in all seinen Kirchheimer Jahren als besonnen auftretende Defensivmann kaum das Potenzial zum Brandstifter hat, denkt Kraft hier zu eindimensional. Ferdi Er war nicht Ursache, sondern vielmehr Wirkung einer Unruhe, die der Trainer mit intern und extern schwer nachzuvollziehenden Personalentscheidungen mit verursacht hat und es augenscheinlich immer noch tut.

Ferdi Er wurde zum Verhängnis, dass er als einziger Spieler den Mut hat(te), dies anzusprechen. Dass er sich in seiner Unzufriedenheit schließlich an die Öffentlichkeit wandte, mag gegen Absprachen zur Verschwiegenheit verstoßen haben. Dennoch zeigt dieser für einen sonst eher zurückhaltend daherkommenden Spieler wie Er ungewöhnliche Schritt, wie unbefriedigend die Antworten gewesen sein müssen, die der Trainer ihm auf die Frage, warum er nicht spielt, gegeben haben muss.

Die Trennlinien zwischen verletzten Eitelkeiten, fachlichen Fehlern oder gegenseitigen Animositäten herauszuarbeiten, ist im Fall Er/Kraft müßig. Die entscheidende Frage lautet, ob Erfolg auch im fünftklassigen Fußball die Mittel heiligt. Sollte der VfL in den nächsten zwei Jahren nämlich so wie angestrebt in die Regionalliga aufsteigen, wäre selbst ein Ferdi Er trotz aller Verdienste um den Verein schnell wieder vergessen.

Das weiß auch ein mit allen Profiwassern gewaschener Mann wie Rainer Kraft, der allerdings gerade angesichts seiner Erfahrung wissen sollte, dass man auf dem Weg zum Erfolg nicht allzu viel Porzellan zerschlagen darf. Schon gar nicht beim VfL Kirchheim, bei dem mit Rolf Baumann schon einmal ein Trainer wegen mangelnder Kommunikation und fehlender Transparenz gescheitert ist.

PETER EIDEMÜLLER