Lokalsport
Der Sieger dreht sich nicht um

Hohenneuffen-Berglauf Auf verkürzter Strecke triumphieren Dominik Notz und Corinna Coenning jeweils souverän.

Allein auf weiter Flur: Dominik Notz hat überlegen gewonnen. Foto: Ralf Just

Beuren. Sein Vater Dieter gehörte 1980 zum deutschen Langlaufteam bei den Olympischen Winterspielen in Lake Placid, Bruder Florian war einst U 23-Weltmeister im Skilanglauf, er selbst pflegt mehr das Laufen ohne Ski: Dominik Notz hat am Sonntag erstmals den Hohenneuffen-Berglauf gewonnen. „Als Kind war ich allerdings auch mal beim Schülerlauf dabei“, erinnerte sich der 30-Jährige im Burghof lächelnd ans damalige Kids-Rennen auf einer Kurzstrecke von Balzholz nach Beuren.

32,31 Minuten benötigte der Langstreckenläufer aus Dettingen/Erms für den wegen Steinschlaggefahr auf 8200 Meter verkürzten Kurs vom Bahnhof Linsenhofen in den Hof der Burgruine. Dass er fast auf der kompletten Strecke völlig alleine an der Spitze agierte, brachte ihn nicht aus dem Konzept. „Ich habe mich sowieso nie umgedreht“, merkte der Triumphierende an. Nach dem Abitur war Notz einst für fünf Jahre in die USA gegangen, um dort Sport und Chemiestudium optimal zu kombinieren. Zurück in Deutschland hat der hochgewachsene Ausdauersportler mittlerweile seine Halbmarathon-Bestzeit auf 1,03 Stunden verbessert, vor fünf Jahren wurde Notz zudem Deutscher Vizemeister auf dieser Distanz. Allerdings machten ihm in den vergangenen Jahren unter anderem Achillessehnenprobleme zu schaffen. Bester Teilnehmer aus der Teckregion war Vincent Krull aus Bissingen. Der Bezirksklassespieler des TVB landete nach 38,14 Minuten auf dem siebten Platz.

Eine ähnliche Solovorstellung wie der Dettinger lieferte bei den Frauen Corinna Coenning (TSV Glems) ab. Sie siegte wie Notz mit über drei Minuten Vorsprung. „Die Luftfeuchtigkeit war schon recht hoch“, merkte sie nach dem zweiten Sieg nach 2023 an. Noch in der Nacht hatte es in der Beurener Ecke „geschüttet“, wie Hohenneuffen-Berglauf-Gründer Ulrich Döbler im Ziel berichtete. Während des Rennens herrschte jedoch Sonnenschein. Corinna Coenning hat in diesem Jahr noch Großes vor, den Start beim Berlin-Marathon. Ihre aktuelle Bestzeit steht bei 2,40 Stunden.

Der Klassiker unter der und bis auf die Burg dient auch als Treffpunkt für die lokale Laufszene. Anton Palesch aus Neuffen gehört zu den Dauerstartern an seinem Hausberg. Bei seiner 34. Teilnahme habe es ihn diesmal durchaus geschlaucht. „An manchen Stellen war das eher ein Stechschritt wie bei der Bundeswehr als ein Laufen“, scherzte Palesch über seine zahlreichen Wandereinlagen an Steilstücken. Mit 34 erfolgreichen Teilnahmen hat Palesch nun zu Dauerstarter Volker Eberhardt aufgeschlossen. Der fehlte, doch schickte eine Nachricht aus den USA. „Komme gerade vom Konzert der Rolling Stones in Atlanta und grüße alle Starterinnen und Starter“, lautete die Whatsapp-Nachricht an Organisationschef Frank Klass.

Immer noch gut in Schuss präsentierte sich Ex-Mountainbike-Profi Christian Pfäffle auf Platz 14 in der Männerwertung. Sarah Seher, eine der erfolgreichsten deutschen Sportlerinnen im sogenannten Towerrunning, belegte Platz drei im Klassement der Frauen. Beim Towerrunning geht es darum, die Treppen auf Türme oder große Hochhäuser möglichst schnell zu bewältigen.

232 Männer sowie 62 Frauen bewältigten den Hohenneuffen-Berglauf, über 120 Schüler mischten beim Kids-Rennen von Balzholz nach Beuren mit. Gute Werte. Frank Klass zog folglich ein positives Fazit nach einem Event, das durch die Streckenverkürzung (Steinschlaggefahr), Starkregen im Vorfeld und dem Umzug von der Turn- und Festhalle (diente als Wahllokal) in den angrenzenden Schul-Pausenhof unter ganz besonderen Vorzeichen gestanden hatte. „Besonders glücklich bin ich darüber, dass das Wetter super mitgespielt hat“, sagte Frank Klass. Reimund Elbe