Dettingen. Sechs Grad, schneidender Wind, der Teckberg in graue Wolken gehüllt – wem‘s bei solchen Bedingungen warm werden will, muss sich schon ordentlich bewegen. Margarete Stegmeier, Heinz Schwaneke, Joachim Elger, Siegfried Pantel, Irmgard Härtel, Sabine Büstrow-Maier und Claudia Schwarz tun‘s. Seit Mitte September bereiten sie sich auf den letzten Tag des Jahres vor, an dem Laufjünger aus nah und fern vom Kirchheimer Rathaus aus die Teck erstürmen.
Regelmäßiger Trainingstreffpunkt ist dabei das Dettinger Hallenbad, von wo die Hobbyläufer den kniffligsten Teil der 8,92 Kilometer langen (Tor)Tour in Angriff nehmen. Allein stellen sie sich den ab dem Guckenrain ansteigenden 459 Höhenmetern jedoch nicht. Im Rahmen eines von der Familien-Bildungsstätte angebotenen Kurses bereitet Andreas Mahler die Truppe auf den Silvesterlauf vor.
Der 34-Jährige ist dabei Vorturner im wahrsten Sinne des Wortes: Im Dress des VfL Kirchheim war er jahrelang an Reck, Pauschenpferd und Ringen aktiv, hat nebenbei schon elf Mal den Silvesterlauf bewältigt – was lag da näher, als diese Erfahrung an weniger geübte Läufer weiterzugeben, damit die sich gezielt auf das Breitensporthighlight vorbereiten können? „Als man mich gefragt hat, ob ich den Kurs übernehmen will, musste ich nicht lange überlegen“, sagt Mahler.
Gemeinsam Trainingsschweiß im Schatten der Teck zu vergießen, hat die Lauftruppe seit den ersten gemeinsamen Kilometern zusammengeschweißt. „Die Gruppe ist super, es war Liebe auf den ersten Blick“, witzelt Siegfried Pantel aus Nürtingen, der sich fest vorgenommen hat, an Silvester den kompletten Hin- und Rückweg zu absolvieren. „Letztes Jahr habe ich mich am Hörnle verquatscht und plötzlich waren alle anderen schon weg“, erinnert er sich an sein Tecklaufdebüt 2012.
Damals ebenfalls mit dabei war Joachim Elger. Der Kirchheimer hatte bei Andreas Mahlers Vorgänger Ralf Mutschler den Silvesterlaufkurs der FBS besucht und war Feuer und Flamme, nachdem er zum allerersten Mal in den Burghof eingebogen und später im Fackelschein wieder am Kirchheimer Rathaus angekommen war. „Das hat sich einfach nur gut angefühlt und richtig Laune gemacht“, beschreibt er die Faszination der Veranstaltung.
Die will auch Irmgard Härtel in fünf Tagen hautnah erleben. „Einmal mitmachen, das ist mein Ziel“, sagt sie, die erst im April mit dem regelmäßigen Laufen begonnen hat und sich des Trainingseffekts wegen der Mahler-Gruppe anschloss. „Ich bin immer allein gelaufen, aber irgendwann ging‘s nicht mehr voran.“ Seit sie gemeinsam mit ihren neuen Sport(s)freunden die Laufschuhe schnürt, ist die Formkurve endlich wieder angestiegen.
Überhaupt hat Andy Mahler bei allen Teilnehmern eine Leistungsverbesserung festgestellt. „Im Vergleich zu den ersten Läufen ist jeder schneller geworden“, hat er innerhalb von rund drei Monaten beobachtet. Zu verdanken ist dies auch den Hausaufgaben, die Mahler nach jeder gemeinsamen Einheit verkündet. „Das sind entweder Läufe in bestimmten Pulsbereichen, bestimmte Kilometerumfänge oder Einheiten in einem bestimmten Zeitrahmen“, beschreibt er die „Hausis“, die er mangels Kontrollmöglichkeit im reinen Vertrauen auf das Ehrgefühl seiner Eleven aufgibt. „Wir halten uns schon an das, war er uns aufgibt“, grinsen die Teilnehmer durch die Bank – schließlich hat jeden Einzelnen über die Monate der ganz persönliche Ehrgeiz gepackt, um an Silvester zu bestehen. So hat sich Heinz Schwaneke eigens für den berüchtigten Ho-Tschi-Minh-Pfad profilierte Schuhe zugelegt. „Wenn‘s richtig matschig ist, habe ich da aber auch keinen festeren Tritt“, zuckt er mit den Schultern, „aber für mich ist ohnehin der Weg das Ziel.“ „Erst recht bei too much Matsch“, wirft Siegfried Pantel lachend ein.