Kirchheim. In der Gerüchteküche brodelt‘s in Sachen VfL-Trainer weiter munter vor sich hin. Zwei neue Namen, die zuletzt mit der Nachfolge von Stefan Haußmann in Verbindung gebracht wurden, sind Stefan Schwarz und Danijel Baric. Letzterer ist erst vor zwei Wochen beim Landesligisten TV Echterdingen entlassen worden, nachdem die Mannschaft entgegen ihrer Titelambitionen um den Abstieg kämpfen muss. So überraschend wie Baric beim TVE geschasst wurde („Ich bin tief enttäuscht“), so schnell könnte er nun eine Liga höher beim VfL antreten – oder etwa nicht?
An der Jesinger Allee wollte man sich zu Baric ebenso wenig äußern wie zu Stefan Schwarz. Der ehemaligen Scout von 1899 Hoffenheim und 1860 München, der in Aichelberg wohnt, war unter der Woche von VfL-Intimus Norbert Krumm ins Spiel gebracht worden. Ob sich die Verantwortlichen bei Schwarz, der nach Krumms Aussagen Zeit hätte und auch für wenig(er) Geld den Trainer geben würde, ist unklar.
Klar ist hingegen, dass der neue Trainer allerspätestens am kommenden Montag feststehen wird. Laut Abteilungsleiter Fabian Preuß muss der Kirchheimer Wunschkandidat noch Details mit seinem aktuellen Verein klären, ehe die Verpflichtung vermeldet werden kann. Im günstigsten Fall könnte der Haußmann-Nachfolger laut Preuß bereits das Abschlusstraining am heutigen Freitag leiten und bei der Partie in Gmünd bereits die Kommandos an der Seitenlinie geben..
Damit ist auch klar, dass der neue VfL-Coach auf keinen Fall Patrick Widmann heißen wird. Für dieses Gerücht habe er nur ein Lächeln übrig, ließ der Coach des morgigen VfL-Gegners Normannia Gmünd in einer dort erscheinenden Tageszeitung verlauten und fügte hinzu: „Die Idee ist sehr verblüffend. Bei mir hat sich kein Kirchheimer gemeldet. Überflüssig zu sagen, dass ich mich in Gmünd sehr wohlfühle.“ Schlitzohrig nimmt Widmann die Suspendierung seines Kollegen Haußmann zum Anlass, den VfL starkzureden und seine Spieler vor dem nächsten Gegner eindringlich zu warnen. Er sagt: „Die Qualität der Kirchheimer Mannschaft ist sehr hoch, sonst hätten sie nicht den Trainer entlassen. Die Erwartungshaltung beim VfL ist größer als der Tabellenstand. Unser Minimalziel ist ein Punkt.“
Dabei steht er mit seiner runderneuerten jungen Truppe (Durchschnittsalter 22,5 Jahre) im Mittelfeld der Tabelle wesentlich besser da als der VfL. Nach dem Abstieg aus der Oberliga im Mai – der erfolglose frühere VfL-Trainer Rainer Kraft wurde schon in der Winterpause abserviert – bekam die Mannschaft unter Widmann ein neues Gesicht.
Zwangsläufig schon aus finanziellen Gründen: Die Normannia hatte sich im vergeblichen Kampf um den Klassenerhalt total übernommen. Mit der Folge, dass der Etat für die laufende Saison nicht gesichert ist, und alle teuren Spieler gehen mussten. Vermutungen, dass die Summe auch wegen Abfindungszahlungen an Rainer Kraft so hoch sei, stimmen nicht, im Gegenteil: Kraft war der Normannia entgegengekommen, hatte seine Forderungen gegenüber sogar um die Hälfte reduziert.
So oder so: Die FCN-Fußballabteilung muss bis 15. November ein Finanzloch von 30 000 Euro stopfen, sonst droht der Mannschaft ein ähnlich fatales Ende wie dem VfL vor eineinhalb Jahren. In einem Bettelbrief wandte sich Abteilungsleiter Eyrainer an 100 Freunde und Gönner des Vereins. Der Spendenaufruf verhallte nicht ungehört. Zwei Drittel der Summe sollen bereits gesichert sein. Unter diesen Umständen ist es erstaunlich, wie gut sich die „Billigtruppe“ in der Verbandsliga schlägt.
Mit einem Unentschieden, das Widmann als Minimalziel ausgerufen hat, wäre auch der VfL zufrieden. „Die Spieler sind verunsichert, das spürt man. Die Unruhe der letzten Tage übt einen negativen Einfluss aus“, sagt Janusz Szuta, der gemeinsam mit Torwart Manuel Doll und Abwehrchef Sören Mende zum zweiten und letzten Mal für die Kirchheimer Mannschaft verantwortlich ist. Szuta erwartet eine bessere kämpferische Einstellung und mehr Laufbereitschaft als zuletzt gegen Neckarrems (1:2) und gibt sich selber kämpferisch: „Das Potenzial ist da, die Jungs müssen es nur abrufen. Unser Tabellenstand ist nicht adäquat zur Leistung. Wenn die Tagesform stimmt und wir ein bisschen Glück haben, ist eine Überraschung möglich. Ich glaube fest daran.“
Große Änderungen in der Aufstellung sind nicht zu erwarten, dazu fehlen die Alternativen. Ersetzt werden muss Emrah Basol nach seinem Ausraster letzten Samstag – als Reaktion nach einem Foul dreht er sich um und schlug seinem Gegenspieler ins Gesicht. Der Schiedsrichter bestrafte ihn mit der Roten Karte. Wie lange Basol gesperrt wird, entscheidet das WFV-Sportgericht im Laufe der nächsten Woche. Für ihn dürfte Lennart Zaglauer oder ein Nachwuchsspieler zum Zuge kommen.
