Volleyball: TTV-Herren treten seit dem Landesligaaufstieg langsam aber sicher aus dem Schatten der Oberliga-Frauen
Dettinger Männer baggern im immer größeren Stil

Standen sie bislang immer im Schatten der Frauenmannschaft, sorgen seit dieser Saison auch die Volleyballmänner des TTV Dettingen für Schlagzeilen. Morgen startet der Landesligaaufsteiger in die Rückrunde, an deren Ende nach Überzeugung des ambitionierten Trainers Klaudius Scheufele (23) der Klassenerhalt stehen wird. Der erfolgshungrige Jung-Coach traut dem TTV über lange Sicht sogar noch mehr zu.

Dettingen. Erfolgreich pritschen, baggern und schmettern – das brachte man in den vergangenen Jahren in der Teckregion ausschließlich mit den Volleyballerinnen des TTV Dettingen in Verbindung. Seit zwei Jahren in der Oberliga eine feste Größe, waren die Netzakrobatinnen aus der Schlossberggemeinde das Aushängeschild des Vereins.

Seit dieser Saison sind die Herren der Schöpfung den TTV-Amazonen in Sachen Popularität jedoch auf die Pelle gerückt. Die Dettinger Männermannschaft spielt erstmals in der Vereinsgeschichte in der Landesliga, und da eine nicht mal schlechte Rolle. „Für die erste Saison kann sich das durchaus sehen lassen“, zollt TTV-Abteilungsleiter Wolfgang Babinger, der gleichzeitig die Frauen coacht, dem Tabellensechsten der neun Teams starken Liga Respekt.

Zu verdanken ist das nach einhelliger Dettinger Meinung einem jungen Mann, der sich selbst als „volleyballverrückt“ bezeichnet. Klaudius Scheufele aus Weilheim hat die TTV-Männer seit seinem Amtsantritt als Trainer im vergangenen Jahr auf Erfolgskurs gebracht – und das, obwohl er erst 23 ist, vor zwei Jahren selbst erst als Aktiver begonnen hat und keinerlei Trainerlizenz besitzt. „Ich lese viel über Trainingsmethoden und kann mir solche Sachen brutal gut merken“, sagt er, der fehlendes Fachwissen mit Ehrgeiz wettmacht. „Bei mir sind immer viele Emotionen dabei, da geht‘s richtig ab“, grinst er.

Der Erfolg gibt dem Informatikstudenten der Uni Stuttgart recht. Unter seiner Regie stiegen die Dettinger, die sich vor Scheufeles Engagement mehr oder weniger selbst trainierten, souverän von der Bezirks- in die Landesliga auf – immerhin die sechsthöchste deutsche Spielklasse, in der laut Scheufele ein anderer Wind weht. „Vom Leistungsniveau her ein großer Sprung“, sagt er, „in der Landesliga kann man sich nur sehr wenige Fehler erlauben.“

Umso ärgerlicher wiegen aus TTV-Sicht die beiden Niederlagen in der Hinrunde gegen Eislingen und das aus jungen Talenten zusammengesetzte Stützpunktteam des Verbands aus Friedrichshafen. Scheufle: „Die waren beide schlagbar, die Spiele hätten wir gewinnen müssen, dann wäre alles optimal. Aber so bin ich auch ganz zufrieden.“ Mit vier Siegen aus acht Spielen haben die Dettinger auf Tabellenplatz sechs überwintert, der am Saisonende zum Klassenerhalt reichen würde. Auf den Relegationsplatz haben die TTV-Männer vier, auf den ersten Abstiegsplatz gar sechs Zähler Vorsprung. „Wenn wir so weiterspielen wie bisher, haben wir dem Abstieg nichts zu tun“, ist sich Klaudius Scheufele sicher.

Dabei ist der Dettinger Erfolg auf dünnes Eis gebaut. „Das größte Problem ist, das wir eigentlich zu wenig Spieler sind“, klagt der Trainer, der nach eigener Aussage zwar über eine starke erste Sechs verfügt, dafür aber einen in der Breite nicht ausgeglichen genug besetzten Kader zur Verfügung hat. Auf einen schlagkräftigen Unterbau für seine zehn Mann starke Truppe kann Scheufele dabei vorerst nicht setzen. Zwar gibt es in Dettingen eine U20-Mannschaft, die in ihrer Liga sogar Tabellenführer ist. Doch ist der Sprung zu den Aktiven im Volleyball im Vergleich zu anderen Ballsportarten ungleich größer.

Zudem gibt es in der Region so gut wie keinen Spielermarkt, da sich auf relativ kleinem Raum mit Dettingen, Nürtingen und Weiler gleich drei Landesligavereine tummeln. „In Weiler sind die Personalprobleme auch nicht kleiner“, sagt Scheufele, der es wissen muss: Neben seinem Job als Dettinger Trainer spielt er selbst aktiv beim TTV-Konkurrenten im Ebersbacher Vorort – ein Kuriosum, das er selbst überraschend nüchtern sieht. „Weiler hat immer Vorrang. Wir wollen diese Saison endlich aufsteigen“, sagt Scheufele, der infolge der Doppelbelastung beinahe täglich in einer Sporthalle anzutreffen ist. Die Chancen, dass er kommende Saison als Spieler auf dem Feld nicht gegen die von ihm gecoachten Dettinger ran muss, sind groß: Der SC Weiler geht als Tabellenzweiter mit zwei Punkten Rückstand Spitzenreiter Sindelfingen in die Rückrunde, hat dabei sogar ein Spiel weniger auf dem Konto.

Für die Dettinger beginnt die Rückrunde am morgigen Sonntag mit einem Doppel-Heimspieltag gegen den Letzten (Unlingen/Biberach) und Vorletzten (Friedrichshafen) der Tabelle. „Zwei Siege sind da Pflicht“, fordert Scheufele von seiner Mannschaft, der er unabhängig von der geringen Kadergröße noch einiges zutraut. „Der Oberligaaufstieg ist eines Tages nicht auszuschließen.“ Auf dem Weg dorthin müssten die Spieler seiner Meinung nach vor allem noch an ihren mentalen Defiziten arbeiten. „Wenn man der Mannschaft nicht richtig Druck macht, geht gar nichts. Der Erfolgsgedanke muss sich noch mehr ausprägen.“