Vier VfL-Spieler werden den designierten Absteiger am Saisonende verlassen
Die Ersten im Rettungsboot

Der Abstieg ist noch nicht in Stein gemeißelt, doch wer das Geschäft kennt, hat den Glauben an die Minimalchance spätestens am Samstagabend verloren. Während für die Handballer des VfL Kirchheim das Kapitel Landesliga zu enden scheint, haben bei einigen Spielern die Planungen gerade erst begonnen.

Kirchheim. Seit Samstag fehlen ihm ein wenig die Worte. Deshalb sagt er das, was man in vergleichbaren Situationen immer sagt: „Die Akte wird erst geschlossen, wenn wir auch rechnerisch abgestiegen sind.“ Die Erfahrung sagt: VfL-Coach Engelbert Eisenbeil muss noch bis kommenden Samstag warten. Dann spielt seine Mannschaft beim Tabellenvierten TG Nürtingen, und wenn dies nicht zum Beginn einer unglaublichen Geschichte wird, ist Platz zehn endgültig außer Reichweite. Eine klitzekleine Hoffnung bliebe dann noch immer: Dass der Fahrstuhlbetrieb zwischen den Ligen außer Takt gerät und sich dadurch die Zahl der Regelabsteiger verringert. Gegeben hat es das schon häufiger. Dafür müssten die Kirchheimer am Ende allerdings Elfter werden.

Wie wenig Lust auf Rechenspiele man nach dem x-ten Frusterlebnis beim VfL noch hat, zeigt die Tatsache, dass die kommende Saison derzeit mehr Gesprächsstoff bietet als die kommenden vier Wochen. Das Personalkarussell hat Fahrt aufge­nommen. Seit einer Woche ist öffentlich, dass VfL-Torhüter Tim Osswald zum designierten Württembergliga-Absteiger TSV Grabenstetten wechselt. Zumindest ihm gelingt also das, was beiden Vereinen am Saisonende nicht vergönnt sein dürfte: der Klassenerhalt. Osswald ist übrigens nicht der Einzige, den es aus den Niederungen auf die Alb zieht. Auch Yannick Schopp, Allrounder bei der SG Lenningen, will ein Teil des Grabenstettener Neubeginns unter der Regie von Trainer Ralf Wagner sein.

Osswald ist nur einer von vier Abgängen, die Lücken reißen beim VfL. Fabian Smetak versucht sein Glück beim Württembergligisten TV Reichenbach, Leonard Real wechselt überraschend zum künftigen Liga-Rivalen TSV Owen, und Marco Castello ist bei der Neckarsulmer Sport-Union in der Württembergliga-Nordstaffel im Gespräch.

Einer bleibt definitiv, und das ist der Trainer. Engelbert Eisenbeil hat in Kirchheim noch eine Aufgabe zu erledigen. „Ich bin in der Landesliga gekommen und würde von dort auch gerne wieder gehen“, sagt er. „So einfach mache ich mich nicht aus dem Staub.“ Wenn beim VfL am 2. Juni die Vorbereitung beginnt, wird auch er sich voll reinhängen. Das Comeback des ehemaligen Oberliga-Torhüters blieb in der Endphase der Saison bisher auf wenige Minuten beschränkt. In der kommenden Spielzeit könnte sich dies ändern. Der 34-Jährige will wieder ernsthaft trainieren, ein paar überflüssige Pfunde verlieren und sich nicht alleine auf seine Erfahrung verlassen. Als Kampfansage an seine beiden jungen Keeper David Pisch und Oliver Latzel will er das nicht verstanden wissen. Trotzdem klingt es so: „Ich werde mich nicht in den Vordergrund drängen, solange die anderen ihre Leistung bringen.“

Eisenbeil weiß: Auch die Bezirksliga wird kein Selbstläufer. Die Abgänge wiegen schwer, aus den eigenen Reihen rückt niemand nach, der Führungsqualitäten besäße. Es gibt aber auch positive Signale: Die Entwicklung von Martin Rudolph, in dem der Trainer einen Kandidaten für Halbrechts sieht, die Nachricht, dass Rechtsaußen Simon Latzel ein weiteres Jahr dranhängen wird und letztlich die Hoffnung, dass tragende Säulen wie Roman Keller und Matthias Mikolaj diesmal ohne Verletzung durchkommen werden. Mit den beiden Unterensingern Simon Krempler und Maurice Kuchenbaur, die wohl bleiben werden, ist das zumindest eine solide Basis.

Augenmaß und die Identifikation mit dem Verein sind Dinge, die für Uwe Hamann so viel zählen wie der sportliche Erfolg. Den sofortigen Wiederaufstieg um jeden Preis wird es mit ihm nicht geben, so das klare Signal des Sportlichen Leiters an die Seinen. „Mit bestehender Mannschaft dort spielen, wo wir hingehören“, sagt Hamann. „Das wird künftig unser Weg sein.“ Eine Mannschaft mit klarer Identität, keine Spieler, die Gast sind im eigenen Verein, wie er es nennt. „Das würde ich gern hinbekommen.“

Dass der Trainer nach wie vor der Richtige ist, steht für ihn fest. „Er hat sich selbst am stärksten hinterfragt. Dass wir mit ihm notfalls auch in der Bezirksliga weitermachen werden, stand schon im Januar fest.“ Die Chemie zwischen den beiden ehemaligen Torhütern scheint unter dem Misserfolg bisher nicht gelitten zu haben. „Er muss nur aufpassen“, meint Hamann, „dass ich nicht auch wieder mit dem Training beginne.“