Aufstiegsrennen und Abstiegskampf in der Landesliga sind so spannend wie selten zuvor
Die Hoffnung reicht bis Platz sechs

Der Kampf um die Plätze eins und zwei ist vor Beginn der Landesligarückrunde spannend wie selten. Gleich ein halbes Dutzend Teams kann sich noch Hoffnungen im Aufstiegsrennen machen. Nicht minder eng geht‘s im Tabellenkeller zu.

Essingen. Alles kann, nichts muss: Dieses Motto hat sich Ligaprimus TSV Essingen auf die Fahne geschrieben. „Wir müssen nicht unbedingt aufsteigen, haben aber natürlich gerne den Platz an der Sonne inne“, lässt Trainer Siad Esber verlauten. Abzuwarten bleibt, wie die drei Abgänger Akin, Raab und Rama vor dem Hintergrund kompensiert werden können, dass es keinerlei Neuverpflichtungen gab.

Forschere Töne in Sachen Aufstiegsrennen kommen vom Tabellenzweiten SC Geislingen. „Wir wollen bis zum Schluss um die beiden ersten Plätze kämpfen“, sagt Spielleiter Thomas Haidlinger, der im jungen Geislinger Team noch großes Entwicklungspotenzial sieht.

Katzenjammer herrscht derweil beim Tabellenvierten FC Heiningen. Nach den Ausfällen von Moritz Müller und Volkan Aslan (beide Studium) sowie Marc Hartmann und Max Ziesche (beide verletzt) hat der FCH ein echtes Stürmerproblem hat. „Die jungen Spieler haben bisher zwar gut trainiert“, weiß Spielleiter Timo Rees, „aber es bleibt abzuwarten, ob sie bereits die nötige Konstanz auf den Platz bringen.“ Nichtsdestotrotz halten die Heininger an ihren Saisonvorgaben fest. „Ziel bleibt der Aufstieg“, so Rees, „was aber am Ende herauskommt, ist nur schwer vorherzusagen. Von Platz eins bis sechs ist alles möglich.“

Ähnlich sieht man es bei den SF Dorfmerkingen, die als Tabellenfünfter in die restlichen 13 Spiele gehen. „Bis Platz sechs können sich noch alle Teams Hoffnungen machen, ganz nach vorne zu kommen“, glaubt SFD-Abteilungsleiter Karl Böss, der in Rückkehrer Manuel Illenberg vom Verbandsligisten VfR Aalen II einen starken Neuzugang vermelden kann.

Das Überraschungsteam der Liga ist bislang Aufsteiger TSGV Waldstetten als Tabellensechster. „Die junge Mannschaft hat sich sehr schnell an das Tempo der Landesliga gewöhnt“, freut sich Spielleiter Markus Diezi, der für den weiteren Saisonverlauf aber realistisch bleibt. „In der Rückrunde sollen weitere Punkte für den Klassenerhalt gesammelt werden.“

Einen echten Transfer-Coup hat derweil der SV Ebersbach, Tabellensiebter mit sieben Punkten Rückstand auf Rang zwei, gelandet. Nach USA-Aufenthalt verstärkt Ex-VfL-Spieler Michael Kutscher die Filstäler, die sich im Buhlen um den 27-Jährigen gegen dessen letzten Klub SV Göppingen durchgesetzt hatten, wo er vor seinem Auslandssemester der Spielgestalter in der Verbandsliga war. Nicht zuletzt deshalb fordert Spielleiter Oliver Konya, dass „in der Rückrunde mehr Konstanz rein muss, damit man noch ein paar Plätze nach oben klettern kann.“

Hinter den eigenen Erwartungen (oberes Tabellendrittel) liegend, startet der Tabellenachte TV Echterdingen um Ex-VfL-Jugendcoach Aleks Kalic in die Restrückrunde. „Platz fünf ist aber noch möglich“, glaubt Spielleiter Phillip Wunsch. Mut macht den TVE-Verantwortlichen dabei die positiv verlaufene Vorbereitung, deren Höhepunkt ein 2:2 gegen Oberligist Stuttgarter Kickers II war.

Ein nicht minder bemerkenswerter Achtungserfolg gelang Aufsteiger TSV Köngen beim 1:1-Testspielremis gegen Verbandsligist FC Fricken­hausen. Ab dem neunten Tabellenplatz, den die Köngener innehaben, beginnt die Abstiegszone, nur sechs Punkte Vorsprung hat der TSVK auf den Relegationsrang. Im Kampf um den Klassenerhalt setzen die Verantwortlichen in der Fuchsgrube auf den Zusammenhalt, zumal auch die zweite Mannschaft in der Kreisliga A noch gegen den Abstieg kämpft. „Gemeinsam in Grün-Weiß zum doppelten Klassenerhalt“, wird auf der Facebookseite des Vereins propagiert.

Entgegen der vorsaisonalen Erwartungen, als eigentlich Platz fünf als Ziel ausgegeben wurde, steckt der TSV Bad Boll als Tabellenzehnter mitten im Abstiegskampf. Immerhin hat sich die in der Vorrunde angespannte Personalsituation im Erlengarten wieder etwas entspannt. Mit Anastasios Kivotidis verstärkt der langjährige Kapitän des SV Ebersbach die Boller Defensive, in die auch der Langzeitverletzte Jens Blessing zurückkehrt.

Einen Punkt hinter den Bollern schwebt auch die Regionalligareserve des SSV Ulm in Abstiegsgefahr. Die „Spatzen“ setzten im Kampf um den Klassenerhalt auf frisches Blut: Neuer Trainer ist der Biberacher A-Jugendcoach Rino Speradio.

Punktgleich mit dem VfL Kirchheim auf dem Relegationsplatz steht der FC Bargau. Dort setzte man in der Winterpause ein Vertrauenszeichen, indem man vorzeitig den Vertrag mit Trainer Michael Kuhn verlängerte. „Wenn wir von Verletzungspech verschont bleiben, ist der Klassenerhalt ein realistisches Ziel“, sagt Kuhn.

Die Hoffnung ebenfalls noch nicht aufgegeben haben die Verantwortlichen des SV Vaihingen (14.) und TSV Weilimdorf (15.), wobei Letzterer mit zehn Punkten Rückstand aufs rettende Ufer ein ähnliches Fußball-Wunder bräuchte wie das mit acht Pünktchen abgeschlagene Ligaschlusslicht TSG Schnaitheim – dort hat man lange gebraucht, um den tragischen Unfalltod eines Spielers in der Saisonvorbereitung zu verarbeiten. „Danach hat sich das Team stabilisiert und konnte auch gegen Spitzenteams mithalten, was sich allerdings nicht in Form von Punkten niederschlug“, analysiert TSG-Trainer Ralf Polzer.