Nur motzen kann jeder. Was pfeift denn der Schiri da schon wieder? Hat der denn das Foul nicht gesehen? „Ich hab mich immer aufgeregt“, sagt Noah Bauer. Doch so wollte der zehnjährige Kirchheimer keine Basketballspiele mehr anschauen. Stattdessen probierte es der Nachwuchsspieler selbst, um zu wissen, wie es ist, wenn man ein Spiel leitet. „Vor allem wollte ich die Regeln ganz genau kennen.“ Als er seinem Kumpel Joris davon erzählte, war der auch gleich Feuer und Flamme.
Also wurden die beiden Jungs zum Lizenz-Lehrgang in Asperg angemeldet. Um dort überhaupt teilnehmen zu dürfen, war erst noch ein E-Learning-Kurs inklusive Abschlusstest fällig. Dieser zog sich über zwei bis drei Wochen. Und beim Lehrgang erwartete die beiden erst mal eine Eingangsprüfung. „Wir haben die beiden weitestgehend eigenständig machen lassen“, berichtet Noahs Papa, der selbst ganz basketballverrückt und seit 20 Jahren Dauerkartenbesitzer bei den Knights ist. Unter den anderen Prüflingen – „die waren ja zum Teil schon Mitte 20“, verrät Noah – haben sich die beiden Youngster wacker geschlagen. „Die Trainerin meinte hinterher, dass die zwei echt gut vorbereitet waren“, sagt Matthias Herrmann lachend.
Diskussionen überflüssig
Offizielle Spiele konnten die beiden noch nicht leiten, dafür haben die Jungs, die nun Deutschlands jüngste Unparteiische im Basketballsport sind, Trainings- und Testspiele gepfiffen, sogar bis zur U16. Dass es ein Schiedsrichter nicht leicht hat, haben beide schon am eigenen Leib erfahren. „Einmal habe ich ein Foul nicht geahndet, weil ich zu langsam war. Das Spiel ging gleich schon wieder in die andere Richtung“, berichtet Noah Bauer. Immerhin sei es nicht spielentscheidend gewesen. „Die eine Mannschaft hat haushoch gewonnen.“ Bei Joris war es die Aufregung, die ihn ganz schön fertiggemacht hat. „Den Sprungball wollte ich auf keinen Fall machen“, erinnert sich der Neunjährige. Der Schiedsrichter wirft dabei den Ball zur Eröffnung der Partie zwischen zwei Gegenspielern kerzengerade in die Luft, wo ihn diese dann versuchen zu erreichen. Sobald die Partie aber erst mal lief, war die Nervosität verflogen. Das Wichtigste sei, eine saubere Linie zu verfolgen. Blöd angemacht wurden die beiden noch nicht, trotz oder gerade wegen ihres Alters. Dafür fragen viele nach, wie was genau geregelt ist. Als Schiedsrichter sind die zwei pfiffigen Jungs darin nun Experten. Das bekommen auch die Papas zu spüren. „Auf eine Diskussion brauche ich mich gar nicht mehr einzulassen, wenn wir zu Hause am Fernseher ein Spiel anschauen“, sagt Matthias Herrmann.
Für die beiden Nachwuchs-Basketballer beginnt nun eine spannende, aber auch anstrengende Zeit. Neben den drei bis vier Trainingseinheiten warten am Wochenende nicht nur Spiele, bei denen sie selbst um Punkte kämpfen, sondern auch solche, bei denen sie als Unparteiische nach dem Rechten schauen. Sollten die Termine mal kollidieren, geht Spielen immer vor. In Zukunft wollen sie am liebsten beides machen – so lange und so hochklassig wie möglich.

