Fußball-Oberliga: Der VfL muss seine Motivation zum Saisonende aus neuen Quellen schöpfen
Die Lust des Spielverderbers

Der Meistertitel ist nicht drin. Aus der Oberliga absteigen kann der VfL Kirchheim nach menschlichem Ermessen auch nicht mehr. Aber er kann Zünglein an der Waage spielen, sowohl nach unten, als auch nach oben. So am morgigen Gründonnerstag (19 Uhr) in einem Ortsteil von Remchingen bei Pforzheim, wo die Blauen dem Spitzenreiter FC Nöttingen die Suppe versalzen wollen.

Kirchheim. Meisterschaft und Aufstieg werden im Zweikampf zwischen Nöttingen und Waldhof Mannheim entschieden. Noch hat der morgige VfL-Gegner drei Punkte Vorsprung. Aber nur, weil er ein Spiel mehr auf seinem Konto hat. Mit dem 2:0-Sieg über den direkten Rivalen am vergangenen Samstag hat Waldhof nach Minuspunkten aufgeschlossen. Möglich, dass dieses spannende Duell erst am letzten Spieltag am 11. Juli entschieden wird.

Für eine Vorentscheidung könnte der VfL Kirchheim freilich morgen schon sorgen, wenn es ihm gelänge, seine imposante Erfolgsserie von fünf Siegen hintereinander fortzusetzen. Als „schwierig, aber reizvoll“ bezeichnet Trainer Rainer Kraft diese Aufgabe. Er bezweifelt, dass Nöttingen nach der Niederlage in Mannheim verunsichert ist. „Im Gegenteil. Jetzt erst recht, wir können es immer noch aus eigener Kraft schaffen, werden sie sich sagen. Mein Kollege wird seinen Jungs die richtige Einstellung einimpfen“, meint Kraft.

Michael Wittwer, der ehemalige KSC-Profi gibt unmissverständlich vor, was er von seiner Mannschaft gegen die Teckmänner und am Ostermontag ebenfalls zu Hause gegen Neckarrems erwartet: „Da müssen sechs Punkte her, alle anderen Rechnungen interessieren mich nicht.“ Dazu muss allerdings sein Angriff – mit 52 Toren der erfolgreichste der Liga – besser funktionieren als zuletzt. In Mannheim waren die Sturmspitzen Metin Telle und Leutrim Neziraj total abgemeldet. Wenn das dem VfL auch gelänge, wäre das die halbe Miete. Auf die Abwehr war in der Regel Verlass, und auswärts tun sich die Teckmänner in dieser Saison ohnehin immer etwas leichter, weil sie da nicht gezwungen sind, das Spiel zu machen, was nicht gerade zu ihren Stärken zählt.

Übrigens gibt es eine interessante Parallele zur Vorrunde: Vor dem Heimspiel gegen Nöttingen war der VfL Tabellendritter. Der 1:3-Niederlage folgten drei weitere Misserfolge und ein Erdrutsch in der Tabelle. Nach einem Kraftakt steht die Truppe in der Rückrundentabelle wieder auf dem dritten Rang. „Jetzt bitte keinen solchen Einbruch mehr“, wünscht sich der Trainer, der die Anfangself gegenüber der letzten Partie eventuell nur aus taktischen Gründen verändern wird. Sabri Gürol trainiert wieder mit, Uwe Berans Einsatz ist wegen einer Knieprellung gegen Hollenbach fraglich.

Am Ostermontag geht für den VfL Kirchheim die Fahrt ein paar Kilometer weiter zum ASV Durlach. Dort kann er direkt auf den Abstiegskampf Einfluss nehmen, wie auch zum Ende der Saison gegen Weinheim und Reutlingen. Dazwischen liegen Spiele, bei denen es für Kirchheim und seine Gegner nur noch ums Prestige geht, aber Kraft hat seinen Jungs schon eingebläut: „Ich möchte nicht, dass die Spiele um die goldene Ananas zu vergilbten Zitronen verkommen.“ Diese Vorgabe müssten die Spieler schon im eigenen Interesse umsetzen. Denn die Kaderplanung für die neue Saison und die Vertragsgespräche laufen auf vollen Touren.