Lokalsport
Die Ritter rocken die Liga

Basketball Siebtes Spiel, siebter Sieg – keine Mannschaft in der Pro A ist zurzeit erfolgreicher als die Kirchheimer. Der Erfolg baut jedoch auf dünnem Eis, wie die Verletzung von Kayne Henry zeigt. Von Bernd Köble

Plötzlich eine Spitzenmannschaft: Die Knights surfen mit einem der kleinsten Kader der Liga auf der Erfolgswelle. Foto: Carsten Riedl

Angenommen diese Basketballsaison in der Pro A hätte erst am 3. Februar begonnen, die Ritter aus Kirchheim stünden nach sieben Spieltagen ganz oben in der Tabelle. Damit zählen die Teckstädter nicht nur zu den drei erfolgreichsten Zweitliga-Teams der Rückrunde, seit dem hauchdünnen Sieg am Samstag in Bochum – dem siebten Erfolg in Serie – gilt der Underdog aus Kirchheim als Sechster mit inzwischen acht Punkten Vorsprung auf die Verfolger hinter den Play-off-Rängen endgültig als das Überraschungsteam dieser Saison. Dicht hinter potenziellen Erstligisten wie Trier, Frankfurt, Jena, Gießen oder Hagen. Acht Spieltage noch bis endgültig feststeht, welche acht Mannschaften in die Finalrunde einziehen. Trotz des jüngsten Schocks nach dem bitteren Saison-Aus für Kayne Henry will es etwas heißen, wenn ein notorischer Bremser wie Knights-Manager Chris Schmidt mit Blick auf die Play-off-Chancen feststellt: Es sieht gut aus. 

Was die Knights im Moment so stark macht? Die schlichte Antwort: das Kollektiv. Da mag manch einer entschieden die Stirn runzeln angesichts der drückenden Dominanz eines Michael Flowers. Zweifellos: Der 25-jährige Kapitän hat einige der zuletzt so knappen Spiele in der Crunchtime im Alleingang entschieden. Jeder dritte erfolgreiche Dreier der Knights, mehr als ein Viertel aller bisher erzielten Kirchheimer Punkte geht auf sein Konto. Doch auch eine Ausnahmeerscheinung wie der Liga-Topscorer, der bei einem Schnitt von 21 Zählern steht, ist nur so gut wie der Boden, den ihm seine Mitstreiter bereiten. „Mike spielt derzeit auf einem unglaublichen Niveau“, zollt ihm sein Trainer großen Respekt. Doch mehr noch als das zählt für Igor Perovic die Entwicklung der Mannschaft. „Wir haben gesehen, dass hier etwas wächst“, begründet der Coach die letztjährige Entscheidung, am Ende eines durchaus schwierigen Jahres am Kern der Belegschaft festzuhalten. Mut, der nun belohnt wird und sei es nur damit, dass sich die ergänzenden Bausteine nahtlos eingefügt haben. Selbst der vermeintliche „Schuss aus der Hüfte“, als der die verletzungsbedingte Nachverpflichtung von Demetrius Ward auf den ersten Blick erschien, traf ins Schwarze. Die Erwartungen waren im Sommer jedenfalls nicht allzu groß, als Ward nach durchwachsener Saison mit Trainingsrückstand als 33-Jähriger unter der Teck aufkreuzte. Inzwischen redet mit Blick auf den erfahrenen und sympathischen Amerikaner, der in entscheidenden Momenten Verantwortung übernimmt und auch neben dem Spielfeld eine tragende Rolle in der Mannschaft spielt, in Kirchheim längst niemand mehr von einer Notlösung.

Kräfte schonen, wo es geht

Igor Perovic, Verfechter einer kleinen Rotation, in der jeder Verantwortung trägt und daran wachsen kann, ist nun gefordert. Trainingssteuerung mit Augenmaß heißt das Gebot der Stunde, um vor allem die Dauerläufer im Team nicht aufzureiben. Die Saison ist noch lang. Sollte der Einzug in die Play-offs diesmal gelingen, ist der sprichwörtlich lange Atem gefragt. Klasse statt Masse – die Glückssträhne, die dieses Konzept mit Blick auf Verletzungen voraussetzt, ist spätestens mit Kayne Henrys Achillessehne vor gut einer Woche gerissen. Igor Perovics emotionale Reaktion an diesem unglückseligen Abend hat gezeigt, wie sehr dem Coach die Entwicklung einzelner Spieler am Herzen liegt. Mit Blick auf Plan B, den Perovic nun auf dem Zettel haben dürfte, wirkt das durchaus vielversprechend: Dort steht nun der Name Nil Failenschmid, Kirchheimer Eigengewächs und 18 Jahre jung.