Sportentwicklung
Ehrenamt in der Krise? So geht es den Vereinen vor Ort

Der Mangel an ehrenamtlichen Helfern treibt auch Vereine in der Teckregion wie den VfL Kirchheim, TSV Jesingen und TSV Weilheim um.

Nicht nur der Fußball lebt vom ehrenamtlichem Engagement – ohne Trainer geht in keiner Sportart was. Symbolbild: Markus Brändli

Der jüngst veröffentlichte Sportentwicklungsbericht des Bundesinstituts für Sportwissenschaft zeigt ein klares Bild: Der größte Engpass der deutschen Vereine liegt beim Ehrenamt. Rund 17,5 Prozent – das entspricht etwa 15.000 Vereinen – sehen ihre Existenz durch den Mangel an ehrenamtlichen Funktionsträgern bedroht. Während Trainerinnen und Trainer zahlenmäßig noch stabil bleiben, steigen die Mitgliederzahlen vielerorts weiter, wodurch die Belastung für das vorhandene Personal wächst – ein Trend, der auch im Verbreitungsgebiet deutlich spürbar ist. Wir haben beim VfL Kirchheim sowie beim TSV Jesingen und TSV Weilheim nachgefragt, wie die Verantwortlichen die Situation einschätzen und mit welchen Strategien sie gegensteuern.

Ehrenamtliche schwer zu gewinnen: Vereine sehen erste Engpässe

Beim VfL Kirchheim sind derzeit zwar alle Vorstandsämter besetzt, auch in den Abteilungen sind nur wenige Posten vakant. Dennoch fehlt es besonders an Nachwuchs bei den Übungsleitern und Trainern, was die Organisation des Trainingsbetriebs erschwert.

Ähnlich ist die Situation beim TSV Weilheim: Zwar seien alle Funktionsträger-Positionen besetzt, die Suche werde aber immer anspruchsvoller. Gerade die Bereitschaft, sich langfristig ehrenamtlich zu binden, nehme ab.

Der TSV Jesingen sieht die größten Engpässe im Bereich Finanzen und Steuerwesen. Hier sei die Verantwortung hoch, die bürokratische Last immens – und passende Ehrenamtliche nur schwer zu finden.

Strategien: Von direkter Ansprache bis zu Zukunftswerkstätten

Die drei Teckvereine setzen unterschiedliche Akzente bei der Gewinnung neuer Ehrenamtlicher. Der VfL Kirchheim entlastet Ehrenamtliche gezielt durch hauptamtliche Mitarbeitende, setzt auf Wertschätzung, mehr Flexibilität und „Zukunftswerkstätten“, in denen alte Strukturen aufgebrochen werden.

Der TSV Weilheim verfolgt vor allem den Weg der direkten Ansprache im Ort und innerhalb des Vereins, dazu soll das Vereinsprofil geschärft werden.

Der TSV Jesingen legt großen Wert auf ein positives Vereinsklima und Anerkennung. Ein wertschätzendes Umfeld sei entscheidend, damit Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.

Belastung der Trainer: Kommunikation als Schlüssel

Einheitlich betonen die Vereine, dass die wachsenden Mitgliederzahlen eine Herausforderung darstellen – wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung.
Beim VfL Kirchheim sieht man die Zunahme sportbegeisterter Kinder und Jugendlicher zunächst als positive Entwicklung. Wichtig sei, dass Trainerinnen und Trainer bei Überlastung jederzeit Gehör finden und gemeinsam Lösungen erarbeitet werden – von Aufnahmestopps bis zur Gründung neuer Gruppen.

Beim TSV Weilheim macht sich die Belastung weniger durch steigende Mitgliederzahlen bemerkbar, sondern durch begrenzte Hallenkapazitäten.

Der TSV Jesingen spürt dagegen eine wachsende Auslastung deutlich, konnte diese aber durch die Gewinnung zusätzlicher Übungsleiterinnen – teils auch auf Honorarbasis – bislang im Rahmen halten.

Schwachpunkt Infrastruktur

Ein zentrales Thema im Sportentwicklungsbericht sind die Sportstätten – und hier zeigt sich auch in der Teckregion ein gemischtes Bild. Der VfL Kirchheim sieht dringenden Bedarf an einer neuen Dreifeldsporthalle sowie an zwei Kunstrasenplätzen mit Flutlicht für die Wintersaison. Fehlende Trainingsmöglichkeiten bremsten sportliche Ambitionen massiv aus.

Der TSV Weilheim hingegen ist infrastrukturell vergleichsweise gut aufgestellt und blickt zuversichtlich auf den Bau einer neuen Mehrzweckhalle ab Herbst 2025.

Deutlich kritischer ist die Lage beim TSV Jesingen: Von sanierungsbedürftigen Umkleiden über den veralteten Hauptplatz bis hin zu fehlender Unterstützung für dringend benötigte Kunstrasenerweiterungen – der Verein sieht hier erheblichen Nachholbedarf.

Bürokratie und Verwaltung: Belastung wächst

In allen drei Vereinen wird der wachsende Verwaltungsaufwand als Problem genannt – wenn auch unterschiedlich stark.
Der VfL Kirchheim kann die Herausforderungen dank Professionalisierung und Hauptamt abfedern.

Der TSV Weilheim spricht dagegen von sehr hohem Aufwand: Gesetze müssten oft kurzfristig umgesetzt werden, Vereine würden zunehmend wie Unternehmen behandelt.

Der TSV Jesingen beschreibt den Bürokratieberg als „dauerhaft hohe Belastung“, die dringend abgebaut werden müsse, um Ehrenamtliche zu entlasten.

Finanzen stabil – aber mit Risiken

Trotz aller Probleme zeigen sich die Finanzen insgesamt stabil.
Der VfL Kirchheim verweist auf konservative und langfristige Finanzplanung, wenngleich die eigene Infrastruktur höhere Risiken mit sich bringe.

Auch der TSV Weilheim berichtet von stabilen Verhältnissen, größere Investitionen seien aber in Planung.

Beim TSV Jesingen reichen die Mittel aktuell für laufende Kosten, doch größere Investitionen seien nur mit Fördermitteln zu stemmen. Hier halfen Anpassungen der Mitgliedsbeiträge und die Unterstützung durch Sponsoren.

Erwartungen an Politik und Verbände

Alle drei Vereine formulieren klare Forderungen: Vereinfachung bürokratischer Abläufe und echter Bürokratieabbau, mehr Investitionen in Infrastruktur, sei es durch den Bau neuer Hallen oder die Sanierung bestehender Anlagen, höhere Wertschätzung und Unterstützung des Ehrenamts, auch durch finanzielle Anreize wie die Erhöhung der Übungsleiter- und Ehrenamtspauschale, nachhaltige Fördermodelle, etwa über den Solidarpakt oder zusätzliche Zuschüsse