Der Rücktritt von Jugendtrainer Uwe Fechter verdeutlicht die Probleme bei den VfL-Fußballern
Ein „Kommunikationsloch“ und seine Folgen

Der überraschende Rücktritt von Uwe Fechter als Trainer der VfL-A-Juniorenfußballer wirft Fragen auf. Die Antworten von Fechter und Abteilungsleiter Fabian Preuß verdeutlichen die nach wie vor vorhandenen Probleme an der Jesinger Allee.

Kirchheim. War man in den ersten Monaten seiner Amtszeit noch geneigt, viele Schwierigkeiten seinem zuvor fluchtartig von der Bildfläche verschwundenen Vorgänger Mosolf anzukreiden, so trägt der seit Juli 2012 tätige VfL-Fußballabteilungsleiter Fabian Preuß mittlerweile selbst die Verantwortung für die Vorgänge an der Jesinger Allee. Dass der promovierte Jurist einen verantwortungsvollen Posten bei einer Firma von Weltrang in Plochingen bekleidet und gleichzeitig vierfacher Familienvater ist, mag seine wachsende Überforderung als Chef der Kirchheimer Fußballer erklären, entschuldigen kann sie es nicht. Auch ein über Gebühr beruflich und familiär eingespannter Funktionär muss alle Betroffenen an einen Tisch holen, wenn elementare Angelegenheiten besprochen und verändert werden.

Dies war im Fall Uwe Fechter nicht der Fall. Der A-Juniorentrainer musste erst aus der Zeitung erfahren, dass die von ihm vor Saisonbeginn angeregte Regelung, nach der Jugendspieler nicht im Aktivenbereich aushelfen sollen, gekippt worden war. Beschlossen hatten dies über Fechters Kopf hinweg Fabian Preuß, Aktiventrainer Erol Sarikoc, Sportleiter Norbert Krumm und Sponsor Ulrich Maier. „Diese Vorgehensweise werte ich als Vertrauensbruch und kann aus diesem Grund nicht mehr mit den handelnden Personen zusammenarbeiten“, erklärt ein enttäuschter Fechter, der betont, dass er mit den Verbandsstaffel-Youngsters gerne in die Rückrunde gegangen wäre.

Immerhin: Fabian Preuß macht aus diesem „Kommunikationsloch“, wie er es nennt, keinen Hehl, gibt unumwunden zu, dass er Fechters Rücktritt auf seine Kappe nehmen muss. So sehr ihn diese entwaffnende Einsicht auch ehren mag, so besorgniserregend ist die Frage, die sich daraus zwangsläufig ergibt: Hat Fabian Preuß den Laden noch im Griff?

Die Antwort ist mit einem bloßen Ja oder Nein nicht zu geben. Dafür sind die Ursachen für viele Probleme an der Jesinger Allee tatsächlich in der Zeit vor Preuß zu suchen, als sportlicher Erfolg leere Kassen und fehlende Struktur lange Zeit kaschieren half. Mit weniger Personal und noch weniger Geld auf dieser verbrannten Erde nun etwas Fruchtbares zu pflanzen und zu ernten, ist eine Herkulesaufgabe, der sich der bekennende Idealist Preuß aus Sicht der VfL-Fußballer dankenswerterweise angenommen hat. Allerdings hat es der gebürtige Westfale dabei seit seinem Amtsantritt kaum geschafft, eine durchgängige Handschrift erkennen zu lassen, im Gegenteil: Statt zu agieren, konnte Preuß in entscheidenden Situationen meist nur reagieren, indem er von ihm nicht geschaffene Realitäten wie den Rücktritt von Trainer Ralf Rueff Ende vergangener Saison, das Hickhack um die zweite Mannschaft zu Beginn dieser Saison oder den Abschied von Kapitän Manuel Doll vor zwei Monaten kommentieren und erklären musste.

So bleibt ihm auch im Fall der Personalie Fechter nichts weiter übrig, als den Schadensverwalter zu geben, der auf bessere Zeiten hofft. „Wichtig ist, dass jetzt wieder Ruhe einkehrt“, betont Preuß, der gestern Abend ein erstes Gespräch mit den acht A-Jugendspielern suchte, die im Januar mit der Landesligamannschaft in die Rückrundenvorbereitung gehen sollen – ob und wie viele Youngsters dies tun oder den Verein im Zuge von Fechters Rücktritt verlassen werden, war bei Redaktionsschluss nicht bekannt. Der bisherige A-Jugendcoach schießt in diesem Zusammenhang trotz aller Enttäuschung nicht gegen den Verein. „Ich habe allen Spielern geraten, dem VfL auf jeden Fall die Treue zu halten“, sagt Uwe Fechter, dessen Trainerposten bis auf Weiteres von seinem bisherigen Co, Reiner Strohm, übernommen wird.