Die entscheidende Szene am Sonntag im Sportpark Speck – für die Gastgeberinnen eine der tragisch-komischen Sorte. Die angezeigte Nachspielzeit war bereits abgelaufen, als die Fußballerinnen des VfB Stuttgart II im Pokal-Viertelfinale nochmals Druck aufbauten. Mit durchschlagendem Erfolg. Ein deutlich zu kurz gespielter Rückpass auf SGM-Keeperin Sina Frank entpuppte sich für die eingewechselte VfB-Angreiferin Lena Tarmann als Glücksfall. Die Stuttgarterin eroberte die Kugel, schob diese an Torhüterin Frank vorbei zum 2:1 ins Netz.
„Ich bin wahnsinnig froh, dass der Ball reingekullert ist“, freute sich Torschützin Tarmann. Große Erleichterung bei den Gästen wohl auch deshalb, weil sie noch in der 80. Minute 0:1 zurückgelegen hatten. Was heißt: Lediglich 13 Minuten, inklusive Nachspielzeit, fehlten der SGM Wendlingen-Ötlingen zur Sensation. Hanna Schmidt hatte die Spielgemeinschaft nach etwas mehr als einer halben Stunde per Schuss ins rechte Eck 1:0 in Führung gebracht. Ein Vorsprung, von dem die Gastgeberinnen in einem von etlichen Mittelfeldscharmützeln sowie beidseitig überproportional vielen Fehlpässen geprägten Match lange zehrten.
„Die Partie hat uns alles abverlangt“, stellte eine nicht allzu enttäuscht wirkende SGM-Kapitänin Kathrin Winkler fest. Es überwiege der Stolz, fast ins Halbfinale gekommen zu sein. Der Sprung unter die letzten vier Teams im Cup schien für die Spielgemeinschaft greifbar nah, ehe Isabel Hildebrand in der 80. Minute Stuttgarts Natalie Baumann per verunglückter Grätsche von den Beinen holte. Den folgenden Strafstoß verwandelte Florentina Holz per platziertem Schuss ins rechte Eck zum Ausgleich.
„Auch wir mussten am Ende alles reinhauen, wollten den Ball in der Schlussphase natürlich oft in die gefährliche Zone bekommen“, konstatierte VfB-Coach Alexander Hofstetter, bescheinigte dem SGM-Team eine beeindruckende kämpferische Leistung. Gegenüber Carlo Liotti betrachtete das Duell zwischen Landesligafünftem und Verbandsliga-Tabellenzweiten unter verschiedenen Aspekten. Dass es seinem Team selten gelungen sei, die erhoffte offensive Spielweise umzusetzen – ein Punkt. „Manchmal waren wir zu hektisch", so Liotti. Dass zwei individuelle Fehler das Pokal-Aus begünstigten, gehörte ebenso zur SG-Story bei strahlendem Sonnenschein und 130 Zuschauern. „Natürlich war das Erreichen des DFB-Pokals für alle ein Megatraum", verdeutlichte Liotti. Zumal die noch im Wettbewerb befindende „Erste" des VfB Stuttgart als möglicher Zweitliga-Aufsteiger bereits für den DFB-Pokal qualifiziert wäre, damit einem potenziellen Endspiel-Gegner die Türe auf die bundesweite Bühne öffnen könnte.

