Futsal
Ein Länderspiel zum Geburtstag?

Lukas Dorfschmid aus Nürtingen steht im Aufgebot der Nationalmannschaft für die EM-Qualifikation, die am Donnerstag in Rumänien beginnt.

„Ich war immer ein Techniker“: Lukas Dorfschmid.  Foto: pr

Der Donnerstag dieser Woche kann für Lukas Dorf­schmid ein ganz besonderer werden. Der 12. Dezember ist der 19. Geburtstag des Nürtingers. Es kann auch der Tag werden, an dem er sein erstes Länderspiel für die deutsche Fut­sal-Nationalmannschaft machen wird. „Das wäre schon toll“, sagt Dorfschmid mit strahlenden Augen. Und die Chancen auf einen Einsatz stehen gut. Er gehört zum ers­ten Mal zum 15-köpfigen Kader, der von Nationaltrainer Marcel Loosveld für die EM-Qualifikationsspiele nominiert wurde, die heute in Rumänien beginnen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Dorfschmid mit der Futsal-Nationalmannschaft unterwegs ist. Für die U 19 bestritt er schon einige Spiele, seit Sommer ist er Teil des Aktiven-Kaders. Schon zwei Lehrgänge absolvierte er mit den bes­ten deutschen Spielern der auch hier immer populärer werdenden Hallenfußballvariante.

Dorfschmids Entwicklung in der Halle ging dabei rasend schnell. Lange spielte er Fußball auf dem Großfeld. Zuerst in Nürtingen bei der SPV 05 und dem FV 09. Über den FC Esslingen und den TSV Weilheim landete der talentierte Linksfuß beim SSV Reutlingen, wo er bis vergangene Saison in der A-Jugend-Oberliga spielte. Zu diesem Zeitpunkt hatte er den Durchbruch in der schnellen, technisch anspruchsvollen Hallenvariante schon geschafft – wenn auch mit etwas Glück. Beim DFB-Stützpunkttraining in Ruit spielte er als 15-Jähriger einmal in der Woche Futsal. „Mehr zum Spaß“, wie der Nürtinger lachend erzählt.

Doch wie es der Zufall wollte, war dort Michael Bachmannt. Der Futsal-Verantwortliche des TSV Weilimdorf wollte eigentlich seinem Sohn beim Spielen zuschauen, entdeckte dabei Dorf­schmid und lud ihn ins Vereinstraining ein. Beim dreifachen deutschen Futsal-Meister etablierte sich der wendige und spritzige Dorfschmid schnell. Erst in der zweiten Mannschaft, seit Sommer 2023 gehört der Nürtinger zum Stammkader des Bundesligisten auf der Rechtsaußenposition. In der vergangenen Saison holte er mit dem TSVW den deutschen Meistertitel. Zur Belohnung wurde sein Vertrag im Sommer gleich um zwei Jahre verlängert.

Kein Wunder – passen die Stärken des jungen Nürtingers doch perfekt zur Hallensportart, die ihren Ursprung in Südamerika hat. „Ich war immer ein Techniker, und auf dem kleinen Feld geht alles sehr schnell. Das finde ich gut“, sagt Dorfschmid. Im internationalen Vergleich hinkt das Niveau in Deutschland noch ein wenig hinterher. Auch die Qualifikation zur Europameisterschaft, die das DFB-Team am 31. Januar in die Göppinger EWS-Arena gegen die Ukraine führt, ist alles andere als ein Selbstläufer. „Wir sind nach wie vor eine sehr junge Futsal-Nation“, sagt Nationaltrainer Loosveld. In Südeu­ropa gibt es schon seit Jahrzehnten Profiligen, in Deutschland wurde die Futsal-Bundes­liga erst zur Saison 2021/22 eingeführt. Dennoch sind die Ansprüche gestiegen, die Sportart wird auch hierzulande immer professioneller. Dorf­schmid, der Jüngste im aktuellen Nationalkader, ist ein Beispiel dafür. Nur noch wirklich ausgebildete Futsal-Spieler kommen zum Zug. Vorbei sind die Zeiten, als höherklassige Amateurfußballer mal kurz in die Halle wechselten.

Das sieht man auch an Dorfschmids Karriereweg auf dem Großfeld. Dort hat er sich inzwischen dem FC Frickenhausen angeschlossen. In der Bezirksligamannschaft des FCF kommt er jedoch kaum zum Einsatz. „Das ist mit den Verantwortlichen so abgesprochen. Ich kann ja nur sehr selten mittrainieren“, sagt Dorf­schmid. Der Fokus des 18-Jährigen liegt mittlerweile klar in der Halle. Mindestens viermal in der Woche trainiert er in Weilimdorf, dazu kommt noch Futsal-spezifisches Athletiktraining. An den Wochenenden ist er in der Bundesliga im Einsatz. „Das ist schon viel Zeit, die ich investiere“, sagt der 18-Jährige, der noch zur Schule geht und noch dieses Schuljahr sein Fachabitur machen will. Er geht dazu auf die Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule in Stuttgart. Die Eliteschule des Sports räumt ihm viele Freiheiten ein. „Anders wäre das nicht möglich“, sagt Dorfschmid. Wohin sein Weg nach dem Abschluss geht, weiß er noch nicht genau. „Ich will gerne studieren, aber natürlich auch weiter Futsal spielen und mich immer weiter verbessern“, sagt er. Das erste Länderspiel scheint da nur eine Frage der Zeit zu sein – am besten natürlich am Geburtstag.