
Arbeitslos blieben die Beamten bei ihrem Stadion-Job trotzdem nicht. Als nämlich ein FCH-Fan während der Siegerprozedur inmitten einer Zuschauertraube bengalisches Feuer entfachte, schritten sie zur Tat. Auf den jungen Enthusiasten wartet nun zweierlei – eine Ordnungsstrafe und ein Stadionverbot. Ganz schön hart.
Ansonsten blieben die Fans diszipliniert – auch in Sachen Alkoholkonsum. Bierleichen gab es jedenfalls keine – zur Freude der sechs anwesenden Malteser, die beim Final-Veranstalter WFV deshalb kinderleicht ihr Geld verdienten. Auch Fifa-Schiedsrichter Knut Kircher hat schon härtere 90-Minuten-Jobs erlebt. „Zwischen den Spielern aus Heidenheim und Gmünd gab es keinerlei Nickeligkeiten“, urteilte der 43-jährige Final-Referee aus Rottenburg nach dem Abpfiff. Es war eines der leichtesten Spiele, die er je zu leiten hatte, und er goutierte es, die Trillerpfeife nicht ständig in den Mund stecken zu müssen. Hätte er sich das Pokalduell, in dem es neben dem Pokal ja auch um 100 000 Euro Fernsehgelder ging, härter vorgestellt? „Keine Ahnung“, antwortete der 1,96-Meter-Mann, der Entwcklungsingenieur bei Daimler ist, „ich habe keine Vergleichsmöglichkeit. In Kirchheim habe ich heute mein erstes WFV-Pokalfinale überhaupt gepfiffen.“
Kraft seiner internationalen Reputation war Kircher der absolute Star unter allen 33 unmittelbar am Spiel Beteiligten, doch er war zweifellos ein heimlicher Star. Als er vor 18 Uhr mit einem älteren Ford Escort auf den Stadionparkplatz einfuhr, da nahm kaum einer Notiz von ihm, und auf dem Weg in die Stadionkatakomben „musste ich kein einziges Autogramm geben.“ Auch während der Partie blieb Kircher die Unauffälligkeit in Person: Schließlich gab es relativ wenig zu pfeifen.
Erst später stand Kircher richtig im Rampenlicht: Da gab er eine Art Crashkurs zu Fußball-Regeln, Spielräumen und Auslegungen – beim improvisierten Informsationsaustausch in der Stadiongaststätte lauschten fast 20 Jugendliche gespannt.
Draußen hatte Heidenheims Ersatztorhüter Erol Sabarov derweil noch einen frommen Wunsch. Am liebsten hätte er jetzt den frisch gebackenen deutschen Meister Borussia Dortmund als Gegner in der ersten DFB-Pokalrunde 2011/12, sagte er. K(l)eine Erwartungen hat FCH-Kapitän Martin Klarer: „Hauptsache, wir bekommen einen Erstligisten zugelost und damit 10 000 Zuschauer ins Stadion“, sagte er. Beide müssen jetzt rund einen Monat warten: Am 11. Juni erfolgt in der ARD-Sportschau die Auslosung.

