Fußball-Oberliga: VfL mit schmeichelhaftem 2:0 gegen starke Hollenbacher
Eiskalt

Fußball verkehrt an der Jesinger Allee. Abstiegskandidat FSV Hollenbach wirbelte eineinhalb Stunden lang, hatte gefühlte 80 Prozent Ballbesitz und erspielte sich Torchance um Torchance. Aber die Punkte sicherte sich der VfL Kirchheim mit einem äußerst schmeichelhaften 2:0 (1:0). Mit dem fünften Sieg in Folge festigten die Teckmänner ihren sechsten Tabellenplatz in der Fußball-Oberliga.

Kirchheim. Wer einen entspannten Samstagnachmittag erleben möchte, der sollte lieber mit dem Liebsten zu Hause auf dem Sofa kuscheln oder mit dem Hund spazieren gehen. Heimspiele des VfL sind in dieser Saison nicht dazu angetan, sondern in aller Regel nichts für schwache Nerven. Ganz besonders diese Stresspartie gegen den Dorfklub aus dem Hohenlohischen.

Hollenbach, ganz in Weiß und kombinationssicher wie eine Westentaschen-Ausgabe der Königlichen von Real Madrid, machte das Spiel, versagte aber immer wieder vor dem Kasten. Ganz anders der VfL: Eiskalt bei seiner einzigen Tormöglichkeit in der ersten Halbzeit. Gästeverteidiger Dominik Streicher servierte sie quasi auf dem Tablett. In seinen verunglückten Rückpass sprintete André Kriks, umspielte Torwart Manuel Schoppel mit einem Haken nach rechts und schoss aus spitzem Winkel zum 1:0 ein (10.) – ein geniales Tor wie das von Schalkes Raul vergangene Woche gegen Inter Mailand.

Spätestens von da an durfte auf Kirchheimer Seite gezittert werden, und daran war nicht nur der kühle Wind schuld. Zweimal reklamierten die Hollenbacher Elfmeter: Erst nach einem Foul von Mischa Welm an Joseph Fameyeh (30.), dann nach dem Zusammenprall zwischen Torwart Benjamin Huber und demselben FSV-Stürmer (47.). Beide Male fanden die heftig reklamierenden Gästespieler bei Schiedsrichter Florian Steinberg kein Gehör.

In der 57. Minute war es dann am VfL, sich über den Pfeifenmann aufzuregen. Benjamin Barth reklamierte heftig, weil er auf Eckball für die Gäste entschied. Dafür gab es Gelb. Der Schiri wollte die Rückennummer des Spielers wissen und erwartete wohl, dass sich Barth brav umdrehte. Doch der zeigte nur auf seine Hose, wo die Nummer 28 ebenfalls, wenn auch kleiner, vermerkt war. Das muss Herr Steinberg als Provokation empfunden haben. Er schickte den Kirchheimer Mittelfeldspieler mit der gelb-roten Karte in die Kabine. Selbst FSV-Trainer Ralf Stehle fand diese Entscheidung lächerlich: „Das sagt alles über die Leistung des Schiedsrichters.“

Der VfL nur noch zu zehnt – nun wurde die Partie noch einseitiger. Eine Angriffswelle nach der anderen rollte Richtung Kirchheimer Tor, der Ausgleich lag förmlich in der Luft. Aber entweder verballerten die Hollenbacher die Chancen, oder sie fanden in Benni Huber ihren Meis­ter. Als Lauser das Kunststück fertig brachte, zum x-ten Mal frei stehend das leere Tor zu verfehlen, sank der langsam verzweifelnde Trainer Stehle an der Seitenlinie zu Boden (68.).

Mitten in diese Drangperiode hinein fiel völlig unerwartet das 2:0. Ein weiter Abschlag von Huber auf Kriks, ein uneigennütziges Abspiel auf Uwe Beran und der Sieg war perfekt, der Spielverlauf vollends auf den Kopf gestellt. In der Nachspielzeit hätte der VfL sogar noch auf 3:0 erhöhen können, aber Emrah Polat verfehlte das leere Tor.

Der neue FSV-Trainer Ralf Stehle war fassungslos: „Ich bin tief enttäuscht, dass wir dieses Spiel verloren haben. Ich möchte aber nicht nur von Pech reden. Wer so viele Torchancen nicht nutzt, ist selber schuld.“ Sein strahlender Kollege Rainer Kraft fand „Glückwünsche zu diesem Sieg sind mehr als angebracht.“

In der Halbzeit hatte er noch die pomadige und überhebliche Spielweise seiner Mannschaft kritisiert. „Das wollten wir abstellen“, versprach er. „Durch die Hinausstellung von Barth entstand wieder eine neue Situation. Es war ein dreckiger Sieg. Aber mir ist es lieber, wir haben wenige Chancen und nutzen diese eiskalt, als umgekehrt.“