Die Knights nach dem Sieg gegen Düsseldorf von einer Zentnerlast befreit
Endlich Zahltag

Die lange Durststrecke hat auf der Tribüne merklich Platz geschaffen. Nur rund 750 Basketballfans erlebten am Samstag die Wiederauferstehung des letztjährigen Vizemeisters in Deutschlands zweithöchster Spielklasse. Für die treue Gefolgschaft hatte sich das Durchhalten gelohnt. Die Erleichterung nach dem Sieg gegen Düsseldorf war in Phon messbar.

Kirchheim. Alle waren sie auf den Punkt hin fit. Selbst Hallensprecher Daniel Zirn, dessen Stimmkraft unter der Negativserie der vergangenen Wochen spürbar gelitten hatte, war wieder ganz der Alte. Kirchheims Derwisch am Hallen-Mikro trieb Lautstärke- und Adrenalinpegel auf den Rängen in jene Regionen, wo gemeinhin die Grenze zum gesundheitlich Bedenklichen verläuft. Gesundheitlich unbedenklich sind Spiele wie am Samstag ohnehin nicht. Erst recht nicht, wenn man wie Knights-Coach Frenkie Ignjatovic freien Blick ins Oberstübchen seiner Schützlinge genießt. Dort lief in den Schlussminuten die x-te Wiederholung des Dramas von Ehingen. Wer etwas anderes behauptet, dürfte ein Lügner sein.

Sechs Zähler kurz vor Schluss hatten die Woche zuvor nicht zum Sieg gereicht. Jetzt waren es drei Minuten vor dem Ende wieder sechs, obwohl man im Schlussviertel bereits mit 14 Punkten geführt hatte. Der Trainer tobte und wollte sich auch dann noch nicht beruhigen, als längst feststand, dass es diesmal reichen würde. Ignjatovic war vermutlich der Einzige in der Halle, dem die Schlussphase sauer aufstieß. „Wir haben es mit vier erfahrenen Guards auf dem Feld wieder nicht geschafft, das Spiel zu kontrollieren,“ schimpfte der Trainer, um dann jedoch mit seiner Mannschaft den Sieg zu feiern.

Unsicherheiten in der Schlussphase, die diesmal ungestraft blieben. Vor allem deshalb, weil einer an diesem Abend den Unterschied machte. Tim Burnette war alles: aggressiver Verteidiger, unermüdlicher Antreiber und diesmal auch ein konsequenter Vollstrecker. Ignjatovic und Sportchef Michael Schmauder, die für die Verpflichtung des Amerikaners zuletzt nicht nur positive Kritiken geerntet hatten, sahen sich bestätigt. „Ich bin schon lange genug im Geschäft, dass ich die Meinung mancher Leute ausblenden kann“, meint Ignjatovic. „Mir war immer klar, wie wertvoll Tim für uns sein wird.“

Wertvoll sind inzwischen auch andere, die lange Zeit nur auf dem Feld standen, um Mitspielern eine Verschnaufpause zu gönnen. Dominik Schneider und Jonathan Maier nutzten die Bühne gegen Düsseldorf, um sich erneut für eine Hauptrolle zu empfehlen. Schneider leistete sich zwar erneut einige unglückliche Fouls in kritischen Phasen des Spiels, war unterm Korb aber mehr als zwanzig Minuten lang der Leuchtturm in tosender See. Selbiges gilt auch für Maier, der mit sieben Punkten und ebenso vielen Rebounds das Beste aus zehn Minuten Spielzeit machte und danach völlig ausgepumpt auf die Bank sank.

Ignjatovic pokerte hoch, ließ gegen die routinierten und körperlich starken Center Patrick Flomo und Kendall Chones über weite Strecken mit vier Guards spielen, um neben Spielmacher Gary Johnson auch die beiden sicheren Distanzschützen Marin Petric und Nico Adamczak so gut es geht an die Kette zu legen. Ein kalkuliertes Risiko, das belohnt wurde. Beide Flügel kamen nicht wie gewohnt zum Zug, die starken Center blieben weitgehend unterversorgt. Flomo, der bis dahin eine glänzende Saison gespielt hatte, stand im Schlussviertel mit vier Fouls belastet und völlig entnervt vor dem endgültigen Feldverweis. Nach der Schlusssirene hatten Schneider und Maier zusammen doppelt so viele Rebounds auf dem Konto wie ihre Gegenspieler Flomo und Chones.

Basketball verkehrt – was zu Saisonbeginn als fataler Schwachpunkt im Kirchheimer Spiel erkannt wurde, ist inzwischen der Schlüssel zum Erfolg. Zum vierten Mal in Folge sind die Kirchheimer in puncto Rebounds dem Gegner klar überlegen. Was in Crailsheim begann und dort erstmals mit einem Sieg belohnt wurde, fand danach keinen Niederschlag mehr im Ergebnis. Doch diesmal verbaute selbst eine erneut katastrophale Wurfquote in der ersten Hälfte des Spiels nicht den Weg zum Sieg. Die richtige Balance zu finden, ist für Kirchheims Trainer die wichtigste Aufgabe vor dem Spiel am Sonntag in Heidelberg. „Man hat gesehen, was möglich ist, wenn in der Defensive jeder ans Limit geht“, sagt Frenkie Ignjatovic. „Was wir offensiv bieten, ist allerdings viel zu wenig.“

Zwei Spiele noch bis Weihnachten. Ein weiterer Sieg gegen Heidelberg oder eine Woche später gegen Tabellenführer Göttingen wäre für die US-Boys in der Mannschaft doppelt wertvoll. Der Trainer signalisiert Verhandlungsbereitschaft beim Thema Weihnachtsurlaub. Ohne Bonuspunkte vor dem Fest wird weiter trainiert.

Die Weihnachtszeit nutzen, um sich intensiv Gedanken über die Zukunft zu machen, wird wohl ein Anderer: Ahmad Smith wurde am Wochenende in Gotha vorläufig vom Dienst suspendiert, saß beim Heimsieg der Rockets gegen Nürnberg in Zivilkleidung auf der Bank. Eine disziplinarische Maßnahme, die auch Smiths Teamkollegen Trayvon Laythan traf. Mangelnde Einstellung angesichts schwacher Leistungen zuletzt, so lautet der Vorwurf von Gothas neuem Coach Chris Nicol. Bleibt der seiner Linie treu, könnte Smith, der bereits vor Wochen mit einer Rückkehr nach Kirchheim liebäugelte, womöglich bald schon einen neuen Arbeitgeber brauchen.