Der TSV Owen braucht ein schnelles Rezept gegen den Abstieg aus der Handball-Landesliga
Es braut sich etwas zusammen

Die Handballer des TSV Owen marschieren eiligen Schritts in Richtung Bezirksliga. Nach der achten Saisonniederlage im zehnten Spiel ist es vorbei mit der Ruhe beim einstigen Württembergligisten. Wütende Reaktionen nach dem Spiel auf den Rängen, eine völlig verunsicherte Mannschaft, und erstmals wird offen darüber diskutiert, ob der Trainer noch der Richtige ist.

Owen. Es wurde laut. Richtig laut. Dass sich Wut entlädt nach verlorenen Heimspielen, ist in der Teckhalle kein Phänomen, das besondere Erwähnung verdiente. Doch diesmal waren es die eigene Mannschaft, der eigene Trainer und sogar die Abteilungsleitung, die verbale Prügel bezogen. Eine ähnlich aufgeheizte Stimmung wie nach der Niederlage am vergangenen Sonntag gegen die Turnerschaft aus Göppingen hatte man im einstigen Freudenhaus der Handball-Landesliga lange nicht erlebt.

Einiges wohl, das sich da angestaut hatte, denn allein am Geschehen auf dem Spielfeld kann sich der Zorn kaum entzündet haben. Vereinfacht ausgedrückt, spielte sich dort ab, was sich in dieser Saison schon häufig abgespielt hatte: Die Gelben spielen ordentlich mit, lassen im entscheidenden Moment aber keinen Zweifel daran, dass die Mittel nicht reichen, um in dieser Klasse erfolgreich zu sein. Manch einer dürfte dies schon vor dem ersten Saisonspiel geahnt haben. Jetzt ist es evident.

Der TSV ist unverändert Tabellenletzter. Spiele wie am Sonntag gegen Göppingen, zuvor gegen Schorndorf oder vor fünf Wochen gegen den VfL Kirchheim lassen die Frage berechtigt erscheinen, ob in dieser Liga überhaupt noch eine Mannschaft schlagbar erscheint. Es fehlt an Konstanz, Selbstvertrauen, Cleverness und technischer Reife. Alles Dinge, die den Erfolg ausmachen.

Ob es auch an den nötigen Impulsen von außen fehlt, ist eine Frage, mit der sich das vierköpfige Gremium um Abteilungsleiter Dietmar Kerner bei einem Treffen heute Abend intensiv beschäftigen will. Fest steht: Neben der Mannschaft steht auch der Trainer heftig in der Kritik. Emotionslos, zu wenig entschlossen und nicht immer mit dem richtigen Gespür für spielentscheidende Situationen, so lauten die harten Vorwürfe aus dem Umfeld, denen sich Manfred Haase erwehren muss und die seit Sonntag immer lauter werden. Für viele zu spät hatte der Coach reagiert, als beim Gegner aus Göppingen mit dem erfahrenen Lars Rupp und Dennis Kaumann zwei ausgebuffte Schützen das Spiel gegen eine viel zu harmlose TSV-Abwehr an sich rissen. Als Haase kurz vor der Pause erstmals mit einer Sonderbewachung reagierte, hatte das Duo bereits die Mehrzahl seiner insgesamt 15 Treffer erzielt und Owen lag mit vier Toren zurück. Zuvor freilich hatte die Mannschaft nach drei Zeitstrafen mehrfach in Unterzahl agiert. „Schließlich kann ich keinen Manndecker abstellen, wenn wir einer weniger sind“, verteidigte sich der Trainer hinterher.

Ob die Trainerdiskussion mehr ist als der übliche Reflex nach erfolglosen Wochen, wird sich heute Abend zeigen müssen. Abteilungschef Dietmar Kerner jedenfalls sieht die Trainerfrage nicht als die alles entscheidende. „Das Hauptproblem ist die Mannschaft, die ihre Leistung nicht abruft“, sagt er. Die Spiele gegen Ostfildern und Hohenacker, in denen der TSV innerhalb von sieben Tagen seine bisher einzigen Siege holte, hätten gezeigt, dass man in dieser Liga durchaus bestehen könne, meint Kerner. Während er auf Kontinuität und Zusammenhalt und damit auf die Selbstheilungskräfte in der Abteilung setzt, steht der TSV-Frontmann selbst in der Kritik. Dass er am Sonntag mit der dritten Mannschaft nach Münsingen fuhr, um sich in der Kreisliga B das Trikot überzustreifen, anstatt sich zeitgleich in der Teckhalle ein aktuelles Bild zu verschaffen, werfen ihm viele in der Abteilung vor. Viel schwerer freilich wiegt der Vorwurf, dass man seit Jahren in Owen in der Not reagiere, anstatt vorausschauend zu planen.

Dass Not nur als schwacher Impulsgeber taugt, wenn der Zeitpunkt schlecht und die Kasse leer ist, erlebt der TSV nicht zum ersten Mal. Als im Vorjahr die Verletztenliste immer länger wurde, und es nicht gelang, entscheidende Verstärkung an Land zu ziehen, schleppte man sich waidwund gerade noch ins rettende Unterholz. Der Trainer hatte alles richtig gemacht, aus einer Saison mit fast unglaublichem Verletzungspech das Optimum herausgeholt. In diesem Jahr sah man sich gefestigt. Ein Irrtum, wie man heute weiß.

Ein Bild, das immer konkreter wird: Der weitere Saisonverlauf wird zum Machtkampf zwischen der Abteilungsspitze, die sich bisher loyal vor ihren Trainer stellt, und einflussreichen Kräften im Umfeld. Für Manfred Haase heißt es Abschied nehmen – so oder so. Die Saison wird seine letzte in Owen sein. Ob er sie zu Ende bringen wird, ist offen. Dass er nicht an seinem Stuhl klebt, hat er bereits signalisiert. Dass es Opfer geben wird, gilt für ihn als sicher. „Wenn die Abteilungsleitung weiter zu mir hält, wird es an anderer Stelle personelle Konsequenzen geben“, ist er überzeugt. Am Wochenende haben die Gelben spielfrei. Die Chancen stehen gut, dass Haase auch am 1. Dezember gegen das Team Esslingen auf der Bank sitzen wird. Wie schon so oft, gilt auch diesmal: Einen Plan B gibt es nicht.