Kirchheim. Wichtiger als die Zeit, die 0,9 Sekunden über seinem immer noch gültigen deutschen Rekord aus dem Jahre 2005 liegt (20,20), war Tobias Unger nach dem erfolgten 200-Meter-Comeback die Erkenntnis: „Es tut nichts mehr weh.“ Deshalb konnte Trainer Micky Corucle gestern Vormittag auch gleich wieder ein Training im Kirchheimer Stadion ansetzen, um Unger auf den nächsten Wettkampf im oberschwäbischen Biberach vorzubereiten. Ebenfalls am Start sind dort seine Trainingspartner Marius Broening und Alexander Schaf.
Corucle hat ein ehrgeiziges Ziel: „Ich möchte alle drei zur Weltmeisterschaft bringen.“ Die größten Chancen haben seine Schützlinge in der 4x100-Meter-Staffel, für die Unger hundertprozentig und Broening so gut wie gesetzt sind. Schaf, der Neue in der Trainingsgruppe, muss sich noch etwas steigern. Er zieht demnächst von Sigmaringen nach Kirchheim um, sucht hier noch eine Wohnung für sich und seine Freundin, die bereits eine Anstellung als Zahnarzthelferin gefunden hat.
Unger hat zwei weitere Optionen für das Ticket nach Daegu/Südkorea (27. 8. – 4. 9.). Neben der Staffel will er versuchen, sich auch für Einzelstarts über 100 und 200 Meter zu qualifizieren. Dafür muss er allerdings hohe Hürden nehmen. Die WM-Norm über die kurze Sprintstrecke liegt bei 10,18 Sekunden, für die 200 Meter sind 20,54 gefragt. Zeiten, die für ihn im Moment noch außer Reichweite erscheinen. „Egal, wir versuchen es in beiden Disziplinen“, sagt der Trainer.
Die WM ist Teil zwei der Saisonplanung. Der erste Teil war auf den Team-Europacup vorige Woche in Stockholm ausgerichtet, wo Unger in der Staffel mit einem prächtigen Kurvenlauf glänzte. Dazwischen liegen etwas härtere Trainingseinheiten und die DM am 23./24. Juli. In Kassel wird der Fokus des Kirchheimer Trios auf den Einzelstarts liegen. Der DLV hat die Staffelläufe, die sonst immer den Abschluss eines Wettkampftages bilden, aus unerfindlichen Gründen ins Vorprogramm, also vor die 100 beziehungsweise 200 Meter gelegt. Corucle hat dafür absolut kein Verständnis. „Das ist ein Vorteil für Sprinter wie Keller oder Schwab, die in keiner Staffel laufen. Deshalb werde ich bei der DM keinem meiner Läufer erlauben, in einer Staffel zu starten“, betont der Trainer.
