Auch nach dem vierten Weltcup der Saison im italienischen Val di Sole ist Kira Böhm (Cube) Führende der Gesamtwertung sowohl im Shorttrack als auch über die olympische Distanz. Am Freitagabend gewann die 21-Jährige aus Weilheim nach ihren vier Siegen in Brasilien auch ihren ersten europäischen Shorttrack-Weltcup. Am Sonntag genügte ihr eine starke Schlussrunde, um sich auf den fünften Platz und vor allem vorbei an ihren Verfolgerinnen in der Gesamtwertung zu schieben.
Luca Schwarzbauer (Canyon CLLCTV) konnte auch beim vierten Weltcup noch nicht ganz an die gute Form aus 2023 anknüpfen: Beim Shorttrack, der diesmal auch für die Elite am Freitagabend stattfand, wurde er nur 17. und musste daher am Sonntag aus der dritten Reihe starten. Entsprechend schwer fand er ins Rennen und landete schlussendlich auf Platz 13. „Auch wenn Top Ten mein Anspruch ist, ist das kein Weltuntergang“, meinte er nach dem Rennen eine Autostunde westlich von Trient. Immerhin genügte dieser 13. Platz, zusammen mit dem 17. Rang aus dem Shorttrack, um sich in der Gesamtwertung um einen Platz auf den achten Rang zu verbessern. Damit ist zumindest der Startplatz in der ersten Reihe nächste Woche beim nächsten Weltcup im südschweizerischen Skiort Crans Montana gesichert. Erstmals in dieser Saison wurden alle Shorttrack-Rennen am Freitagabend ausgetragen, da der Samstag im Val di Sole für die Downhill-Wettkämpfe reserviert war. Nach 20:25 Minuten sprintete Kira Böhm schneller als die kanadische Juniorinnen-Weltmeisterin Isabelle Holmgren die Zielgerade entlang. Sie war mit dem neu gestalteten Kurs, der ohne die technischen Elemente der Vergangenheit auskommen musste, bestens zurechtgekommen, hatte sich immer im vorderen Drittel des 40-köpfigen Feldes aufgehalten und dort darauf gewartet, dass die Konkurrenz zur Attacke bläst. Teils war das Tempo dadurch soweit reduziert, dass Böhm nach dem Rennen feststellen musste: „Die ersten Runden waren gar nicht so anstrengend.“ Böhm hatte vor allem die kanadische U19-Weltmeisterin Isabella Holmgren im Blick, die ihre erste Saison in der U23 bestreitet und den „alten Hasen“ durchaus Paroli bietet: immerhin hat sie schon drei der vier Weltcup-Läufe gewonnen, an denen sie teilgenommen hat. Die beiden brasilianischen Rennen hatte die Kanadierin ausgelassen.
Zwei Runden vor Ende attackierte Holmgren, doch Böhm konnte folgen: „Isabelle ist die ganze Runde gesprintet – ich musste wirklich kämpfen, um dranzubleiben.“ Im Anstieg zu Beginn der letzten Runde nahm die Kanadierin das Tempo etwas raus, Böhm witterte ihre Chance und setzte sich an die Spitze. Gemeinsam gingen die beiden auf die Zielgerade, doch Böhm wollte „unbedingt als Erste ins Ziel kommen.“ Vor den Augen der Zuschauer und besonders ihrer Familie gewann sie nach den beiden Weltcups in Brasilien auch im Val di Sole und baute ihre Führung auf die Tagesdritte Emily Johnston (ebenfalls Kanada) weiter aus.
Luca Schwarzbauer (Canyon CLLCTV) hingegen kam nur schwer in sein Rennen und musste dann viel Kraft investieren, um doch noch an die Spitze zu kommen. Doch kurz vor der letzten Runde wurde er eingangs der Zielgeraden in einen Sturz zweier Schweizer unmittelbar vor ihm verwickelt, sodass er den Kontakt zur Spitze verlor und zunächst als Führender der Verfolgergruppe der enteilten Spitze hinterherjagte. Am Ende blieb ihm nur der 17. Platz. In der Shorttrack-Gesamtwertung wurde Schwarzbauer durch den neuseeländischen Weltmeister Sam Gaze (Alpecin-Deceuninck) überholt und ist nun Dritter, während der Gesamtführende Victor Koretzky (Specialized) als Tageszweiter seine Führung weiter ausbauen konnte. „Heute ist gar nichts zusammengelaufen“, analysierte Schwarzbauer nach dem Rennen ernüchtert.

