Das erste von zwei Endspielen ums Playoff-Heimrecht, und das vor der Kulisse von 4120 Zuschauern in der Göppinger EWS-Arena – es war alles angerichtet für ein rauschendes Basketballfest am vorletzten Spieltag der Hauptrunde in der Pro A. Der einzige, der etwas dagegen hatte, war der Gegner. Beim 74:82 gegen den Tabellenzweiten aus Frankfurt unterstrichen die Skyliners, warum sie über den wohl ausgeglichensten und tiefsten Kader in dieser Liga verfügen. Nach großem Kampf entschieden wieder einmal die Physis und die größeren Kraftreserven das Spiel zugunsten des Gegners. Für die Ritter heißt es zu Beginn der Playoffs nun: sich auf die Reise machen und Kilometer spulen. Kirchheims Coach Igor Perovic war trotz der Niederlage nicht enttäuscht. „Wir haben heute kein schlechtes Spiel gemacht, es hat gegen einen starken Gegner einfach nicht gereicht.“ Sein Gegenüber Dennis Wucherer war indes angetan von der Stimmung in der Arena. „Wir hatten ehrlich gesagt schon Angst, wir müssten nach Kirchheim in die Halle, wo es immer schwer zu spielen ist“ meinte Frankfurts Coach.
Vor einer von Beginn an brodelnden Kulisse boten sich beide Teams in einem intensiven ersten Viertel einen offenen Kampf. Miller und Niedermanner auf Kirchheimer Seite und Frankfurts Justin Onyeljiaka bestimmten offensiv den Takt. Kurz vor Ende der ersten zehn Minuten schlug dann wie aus dem Nichts Mike Flowers zu. Mit einem Dreier und einem anschließenden Vier-Punkte-Spiel sorgte der Topscorer der Liga, der am Ende erneut 19 Punkte für sich verbuchte, für den 20:13-Viertelstand und brachte die Halle zum ersten Mal an den Siedepunkt.
Im zweiten Durchgang häuften sich dann individuelle Fehler auf Seiten der Knights, die dem weiter aggressiv verteidigenden Gegner in die Karten spielten. Frankfurts Lorenz Brenneke brachte seine Farben von der Freiwurflinie beim 25:24 erstmals wieder in Führung. Das Spiel blieb hart umkämpft mit teils turbulenten Korbaktionen. Bei Kirchheim lief der Ball, die Ritter fanden immer wieder den freien Mann, doch wie schon in der Woche zuvor in Münster landeten zu viele offene Dreier am Ring. Frankfurt dagegen ließ an der Linie einiges liegen. Nur vier von elf Freiwürfen landeten bis dahin im Ziel. Bis zum 34:38 aus Kirchheimer Sicht zur Pause erlebte das Publikum in Göppingen zwar kein hochklassiges, aber ein äußerst unterhaltsames Spiel.
Die zweite Hälfte begann dann mit einer Schrecksekunde. Nach einem Zweikampf unterm Korb zwischen Michael Flowers und Lorenz Brenneke blieb der Frankfurter minutenlang reglos liegen und musste danach benommen in die Kabine begleitet werden. Hinterher gab es Entwarnung. Was blieb, war eine Beule unterm Auge. Flowers bekam das Foul zugesprochen und verkürzte per Freiwurf auf 35:40. Frankfurt blieb das dominierende Team unterm Korb. 18:8 Offensivrebounds machten die Überlegenheit am Ende deutlich. Dennoch sorgten ein spektakulärer Ballgewinn im Hechtsprung durch Jonas Niedermanner und ein anschließender Fastbreak von Mike Miller zum 40:40 und damit für den erneuten Ausgleich. Doch die Nadelstiche setzte weiterhin der Tabellenzweite aus der Mainmetropole mit der deutlich besseren Dreierquote und den konsequenteren Aktionen. Bei den Kirchheimern lief in dieser Phase bis auf Einzelaktionen nur noch wenig zusammen. Die Konsequenz: Mit einem 48:55-Rückstand ging es in den Schlussabschnitt.
Die Knights boten defensiv einen beherzten Fight, blieben offensiv aber weiter glücklos. Nach drei Minuten schickte Kirchheims Headcoach Igor Perovic zum ersten Mal mit dem 18-jährigen Nil Failenschmid seinen Jüngsten aufs Parket, und der bedankte sich postwendend und beendete die Kirchheimer Dreierflaute mit dem Wurf zum 53:62. Nur zwei Minuten später legte er mit einem Doppelschlag zum umjubelten 62:69 nach. Am Ende war das Kirchheimer Eigengewächs mit zehn Punkten in knapp acht Minuten Spielzeit die Lichtgestalt des Abends. Die Arena kochte, der Glaube an die Wende war plötzlich da, doch der letztjährige Erstligst blieb cool und führte nach einem Freiwurf seines erfolgreichsten Werfers Ifeoluwa Ajayi beim 80:70 erstmals zweistellig.
„Wir haben heute nicht die Energie aufs Parket gebracht, die man braucht, um Frankfurt zu schlagen,“ meine Knights-Manager Chris Schmid, „am Ende haben Sie uns mit ihrer Physis einfach den Schneid abgekauft.“ Bei Schmidt hielt sich die Enttäuschung am Ende in Grenzen. „Wir haben gegen den Topfavoriten auf den Aufstieg zweimal knapp verloren. Das ändert nichts an der grandiosen Saison, die die Mannschaft gespielt hat.“
Am kommenden Samstag haben die Knights in Düsseldorf weiterhin die Chance, am Ende noch Platz fünf zu erobern. Bei einem Sieg und einer gleichzeitigen Niederlage von Jena gegen Bochum würden die Kirchheimer aufgrund des direkten Vergleichs mit den Thüringern die Plätze tauschen.

